Anpassungs­qualifizierung: Tierschutz (artgerechte Haltung von Nutztieren)

Den Austausch mit anderen Landwirten fand ich interessant.

Stroh für die Schweine

Mehr Platz, mehr Stroh: Landwirt Stefan Kroiß (47) will, dass sich die Schweine auf seinem Hof wohlfühlen. Im Rahmen eines Seminars erwarb er zusätzliche Kenntnisse über tiergerechte Haltungssysteme.

Eigentlich wollte Stefan Kroiß von Anfang an Landwirt werden: „Mich hat das immer begeistert: die Arbeit mit den Tieren, in der Natur.“ Doch der Betrieb seiner Eltern war klein. „Ich habe in dem Beruf keine Zukunft gesehen“, erzählt der heute 47-Jährige. Also entschied er sich für die Sicherheit und absolvierte zunächst eine Ausbildung in einem Metall verarbeitenden Beruf.

Doch als seine Eltern älter wurden und die Frage im Raum stand, wie es mit dem Betrieb weitergehen soll, gab Stefan Kroiß seinem Traumberuf eine zweite Chance: „Den Hof aufzugeben kam für mich nicht infrage.“ Über das „Bildungsprogramm Landwirt“ des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten absolvierte er innerhalb von zwei Jahren nebenberuflich seine Ausbildung zum Landwirt. An zwei Abenden pro Woche besuchte er dafür jeweils abends den Unterricht.

Von Milchkühen zu Mastschweinen

Vor zehn Jahren übernahm er schließlich den Betrieb seiner Eltern. „Ich wollte einiges anders machen“, erklärt er. Als Erstes schaffte er die Milchkühe ab und stellte den Betrieb auf Mastschweine um – „auch, weil Schweine weniger arbeitsintensiv sind.“ Rund 100 Schweine besitzt er heute. Er wollte, dass sich seine Tiere gut bewegen können, und gab ihnen viel Platz. Außerdem bekamen sie eine feste, mit Stroh bedeckte Bodenfläche anstelle eines Spaltenbodens.

Das Thema Tierschutz in der Tierhaltung ist dem Landwirt wichtig. Als er sich über Neuerungen auf dem Gebiet informieren wollte, wurde er über einen Verteiler des Landwirtschaftsamts auf die Seminarreihe „Tiergerechte Haltungssysteme“ aufmerksam. Die zweitägigen Intensivseminare wurden vom Verband der Landwirtschaftskammern und der FiBL Projekte GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft angeboten. Die Teilnahme war kostenlos, nur für Übernachtung und Verpflegung entstanden Kosten in Höhe von rund 80 Euro. Die Seminare, die sich jeweils einer Tierart widmeten, wurden im gesamten Bundesgebiet angeboten. Stefan Kroiß meldete sich an: „Ich fand, das klang sehr interessant. Außerdem hatte ich gehofft, dass ich dort auf Gleichgesinnte treffen würde.“ Alternative Formen der Landwirtschaft seien in seiner Umgebung seltener anzutreffen.

Vermarktung über den Metzger im Ort

Das Seminar erfüllte seine Erwartungen: „Gerade den Austausch mit anderen Landwirten fand ich sehr interessant.“ Zur Einführung erklärte ein Referent, was Schweine benötigen, um ihre Bedürfnisse auszuleben – und welche Schäden entstehen, wenn sie das nicht können. Im Anschluss wurden praktische Möglichkeiten vorgestellt, wie Landwirte diesen Anforderungen gerecht werden können. Auch Marketing spielte eine Rolle: „Da habe ich einige Anregungen mitgenommen.“

Seine Schweine hatte Stefan Kroiß bereits vor der Kursteilnahme über den örtlichen Metzger vermarktet. Nach dem Seminar legte er zusätzlich Flyer mit Bildern aus, um die Verbraucher zu informieren, wo das Fleisch herkommt, das sie kaufen: „Die Resonanz war wirklich gut. Aber leider kam bisher kein Kunde auf den Hof. Das würde mich freuen.“ Was er sich für die Zukunft des Betriebes wünsche? Er nennt einen Punkt, der ebenfalls im Seminar thematisiert worden war: Auslauf für seine Schweine: „Ginge es nur nach mir, hätte ich das schon längst umgesetzt.“ Doch sein Betrieb liegt am Rand eines Siedlungsgebiets, schon jetzt gebe es Konflikte wegen der Emissionen aus seinem Stall. Doch so schnell will Stefan Kroiß nicht aufgeben.

Informationen

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