Fach­agrarwirt – Besamungs­wesen

Bei der praktischen Prüfung mussten wir zum Beispiel einen Embryonentransfer durchführen.

Die Rinder der Kunden

Andre Seifert (25) begann seinen beruflichen Werdegang als Tiermedizinischer Fachangestellter. Er absolvierte Weiterbildungen und arbeitete sich schrittweise hoch.

Andre Seifert wusste schon früh, in welche Richtung es für ihn beruflich gehen würde: „Mein Onkel ist Tiermediziner, meine Tante Landwirtin – Tiere haben in meinem Leben immer eine große Rolle gespielt.“ Er entschied sich für eine Ausbildung zum Tiermedizinischen Fachangestellten. „Das war in Ordnung, aber ich wusste, dass das beruflich noch nicht das Richtige für mich war.“

Nach der Ausbildung fragte ihn der Besamungsverein in Neustadt an der Aisch, ob er sich vorstellen könne, dort zu arbeiten. Andre Seifert konnte es sogar sehr gut. Dafür absolvierte er zunächst eine mehrwöchige Weiterbildung im Bereich Tierzuchttechnik. Dabei vertiefte er sein Wissen über Fruchtbarkeitsstörungen sowie über die Gewinnung, Behandlung und Einführung des Samens.

Nie stehen bleiben

Anschließend war er zunächst im Außendienst tätig und beriet landwirtschaftliche Betriebe bei Themen rund um die Paarung und Fortpflanzung ihrer Rinder. In dieser Zeit eignete er sich in Kursen weiteres Wissen an, etwa über die Trächtigkeitsuntersuchung per Ultraschall: „Ich habe den Ehrgeiz, mich ständig weiterzubilden, nicht auf einem Stand stehen zu bleiben.“ Die nächste Qualifizierung – die zum Fachagrarwirt für Besamungswesen – war für ihn ein logischer Schritt. In erster Linie wollte er sich die nötigen Kenntnisse aneignen, um sein Beratungsangebot zu erweitern. „Und natürlich hat das Geld auch eine Rolle gespielt“, fügt er hinzu und lacht.

Eineinhalb Jahre dauerte die Weiterbildung: „Jeden Monat hatten wir eine einwöchige Schulung – in Neustadt, in Echem, in Berlin, in Verden“, erzählt er. Etwa 6.000 Euro kostete die Weiterbildung. Diese Kosten übernahm sein Arbeitgeber. Für die Dauer der Schulungen war Andre Seifert zudem von der Arbeit freigestellt.

Thematisch umfasste die Weiterbildung mehrere Blöcke: Management der Fruchtbarkeit, Anatomie und Physiologie, Organisation der Tierzucht und Besamung. Daneben standen auch Vertragsrecht und Betriebswirtschaft auf dem Lehrplan – und Rhetorik. „Dabei ging es um den richtigen Umgang mit den Kunden, also wie wir unsere Beratung am besten anlegen.“ In der Abschlussprüfung, die einen schriftlichen und einen praktischen Teil umfasste, stellten die Teilnehmer ihr Wissen unter Beweis: „Bei der praktischen Prüfung mussten wir zum Beispiel einen Embryonentransfer durchführen, Futtermittel untersuchen und bewerten sowie Untersuchungen im Labor durchführen.“ Embryotransfer ist eine Biotechnik, bei der Embryonen einer Kuh auf ein Spendertier übertragen werden.

Draußen der eigene Chef

Einen typischen Arbeitstag gibt es bei Andre Seifert nicht: „Ich bekomme vom Büro eine Liste mit Kunden, die einen Termin wünschen. Alles andere kann ich mir frei einteilen.“ Er führt Trächtigkeitsuntersuchungen und Embryonentransfers durch und berät rund um das Thema Fruchtbarkeit. Daneben leitet der 25-Jährige auch Lehrgänge beim Besamungsverein – etwa über die Ultraschalluntersuchung. Rund 80.000 Kilometer legt der Fachagrarwirt pro Jahr mit dem Auto zurück. „Mich stört das nicht. Ich fahre gern Auto, und draußen bin ich mein eigener Chef."

Der Kontakt zu den Kunden gefalle ihm an seinem Job am meisten: „Mit der Zeit lernt man die Landwirte richtig gut kennen.“ Aber durch seine Arbeit bekommt er eben auch mit, wenn Landwirte ihre Tiere schlecht behandeln. „Wenn mir da etwas auffällt, spreche ich es auch an.“ Denn er schätzt die Tiere zu sehr, als dass er die Augen verschließen könnte.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/6338