Hotelmeisterin

Mir gefiel die Idee, auch ausbilden zu können. Also habe ich mich für den Meisterlehrgang entschieden.

Den Gasthof fest im Griff

Von der Hochzeitsgesellschaft über das Tagesgeschäft im Restaurant bis zur Buchführung – in ihrem niederbayerischen Landgasthof behält Hotelmeisterin Henrike Winbeck (48) immer den Überblick.

Als klar war, dass sie den Landgasthof ihrer Eltern übernehmen würde, beschloss die ausgebildete Hotelfachfrau Henrike Winbeck, als Grundlage dafür ihr Wissen zu erweitern. „Außerdem gefiel mir die Idee, auch ausbilden zu können. Also habe ich mich für den Meisterlehrgang entschieden“, erzählt sie. Sie meldete sich an der Industrie- und Handelskammer (IHK) Niederbayern in Passau an, die diese Weiterbildung gemeinsam mit der Berufsschule für Hotellerie und Gastronomie anbot.

Qualifiziert für die Hotelleitung

Der Vollzeit-Lehrgang dauerte viereinhalb Monate – das bedeutete ganztägigen Unterricht von Montag bis Samstag. Im Gasthof trat Henrike Winbeck in dieser Zeit kürzer, die Kursgebühren – sie liegen heute alles in allem bei 3.238 Euro – finanzierte sie aus privaten Rücklagen.

Auf dem Lehrplan standen Volks- und Betriebswirtschaft, Rechnungswesen, Recht und Steuern sowie Unternehmensführung, zudem Mitarbeiterführung, Planung von betrieblichen Abläufen, Beschaffung von Produkten und die Organisation und Vermarktung von Veranstaltungen. In der Prüfung musste Henrike Winbeck neben ihrem sonstigen Fachwissen ihre Ausbildereignung nachweisen. Als Vorbereitung darauf hatte sie – ebenfalls an der IHK – direkt vor dem Meisterkurs einen separaten Lehrgang besucht. In Lerngruppen unterstützten sich die Teilnehmer gegenseitig. „Wir hatten ganz unterschiedliche Stärken und Schwächen – so konnten wir voneinander profitieren“, erzählt sie.

Inzwischen führt die Hotelmeisterin den Landgasthof Winbeck in Bayerbach bei Passau komplett eigenständig. „Ich plane und organisiere den Tagesablauf, den Personaleinsatz und besondere Veranstaltungen, gestalte die Speisekarten, kalkuliere Preise und mache die Buchhaltung“, zählt die 48-Jährige auf. Sie führt ein Team von derzeit zwölf Mitarbeitern und packt selbst überall mit an, wo es gerade nötig ist – mal in der Küche, mal im Service, mal im hauseigenen Garten. Je nach Einsatzort wechselt sie auch ihre Arbeitskleidung: Während etwa in der Küche spezielle Kochkleidung gefordert ist, trägt sie im Umgang mit den Gästen gern ein Dirndl, um die Tradition und ihren Bezug zur Region zu unterstreichen.

Ruhe bewahren – auch im größten Trubel

Wenn Gäste die Räume des Landgasthofs für Geburtstage oder Hochzeiten buchen möchten, kümmert sich die Hotelmeisterin um die Ausrichtung – bis hin zur Dekoration. Einmal im Jahr organisiert sie außerdem im Rahmen eines großen Volksfestes die Abläufe in einem Festzelt mit 3.500 Sitzplätzen inklusive der kompletten gastronomischen Versorgung. Bei all diesen Aufgaben sei es wichtig, auch im Trubel die Ruhe und den Überblick zu bewahren und dabei freundlich und serviceorientiert aufzutreten.

Ungewöhnliche Arbeitszeiten, Arbeit an Wochenenden und Feiertagen ist in der Gastronomie eigentlich die Regel. „Daher ist es schon etwas ungewöhnlich, dass wir in alter Familientradition den Sonntag als Ruhetag haben“, sagt Henrike Winbeck. „Das funktioniert aber, weil unser Hotel mitten in einem Kurgebiet liegt und daher auch an den anderen Wochentagen viel los ist.“ Der Landgasthof hat das ganze Jahr über geöffnet, bis auf die beiden Wochen vor Weihnachten – dann ist Betriebsurlaub.

Die Gastronomin bildet sich regelmäßig zu einer breiten Palette an Themen fort und fungiert selbst als Prüferin bei verschiedenen Weiterbildungen. „Berufliche Ziele sollte man immer haben“, sagt sie.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/10010