Wagen­meister (Schienen­verkehr)

Der Rangierbahnhof hat mich schon immer fasziniert.

Mit Sicherheit voraus!

Stefan Altmann (32) ist Wagenmeister bei der Deutschen Bahn in Nürnberg. Er kontrolliert Güterwagen auf Schäden und Mängel und entscheidet, ob ein Wagen für die Weiterreise geeignet ist.

Ein Güterzug kann bis zu 700 Meter lang sein und über 40 Wagen zählen. Am Nürnberger Rangierbahnhof kommen sie auf über 13 Einfahrgleisen an. Die Wagen werden abgekoppelt, getrennt und je nach Zielort auf den verschiedenen Richtungsgleisen bereitgestellt, auf denen neue Züge gebildet werden. Hier überprüfen Wagenmeister die Züge auf den betriebssicheren Zustand von Ladung und Technik und führen eine volle Bremsprobe durch, bevor ein Zug den Bahnhof in Richtung seines Bestimmungsorts verlassen darf.

Einer der Wagenmeister ist Stefan Altmann. Bei Wind und Wetter ist er draußen an den Gleisen unterwegs, arbeitet im Schichtdienst und muss selbstbewusst Entscheidungen treffen und diese verantworten. Er garantiert mit seiner Freigabe, dass der Zug samt Ladung sicher von A nach B kommt.

Auf welchem Gleis ein Zug, den er als Nächstes prüfen muss, steht, erfährt Stefan Altmann von einem Disponenten. Alle relevanten Daten über den Zug entnimmt er dem CDD: „Das ist ein kleines, mobiles Gerät für unsere Datenkommunikation“, erklärt der 32-Jährige. Hier ist zum Beispiel verzeichnet, in welcher Reihenfolge die Wagen stehen müssen und auf welche Besonderheiten er achten muss, etwa zulässige Geschwindigkeit und Gefahrengutaufkleber.

Eigenverantwortlich entscheiden

Kleinere Schäden behebt der Wagenmeister gleich vor Ort: „Mal müssen Reibelemente wie Bremssohlen ersetzt, Spannbänder nachgezogen oder Ladegutrückstände entfernt werden.“ Wie er bei einer Prüfung vorzugehen hat, ist in Regelwerken vorgeschrieben.

Manchmal kann es auch passieren, dass auf der Fahrt nach Nürnberg Ladungen wie Hölzer oder Metallteile verrutscht sind und über den Wagen hinausragen. Stefan Altmann muss dann entscheiden, ob die Ladung in dem Zustand auf der Schiene bleiben kann oder nicht.

Eine seiner wichtigsten Aufgaben ist die Bremsprobe. Am Rangierbahnhof stehen Stefan Altmann drei unterschiedliche Methoden zur Verfügung. „Es gibt zum einen eine mobile Station neben dem Gleis, zum anderen die Option, die Bremstüchtigkeit per Funk zu ermitteln, oder ganz klassisch, mithilfe einer Lok.“

Hinzu kommt, dass er auch im mobilen wagentechnischen Service eingesetzt wird: „Kommt es unterwegs zu Problemen, fahren wir in ganz Nordbayern zu den Einsatzorten und untersuchen Züge vor Ort.“

Ausbildung und Prüfung

Um Wagenmeister werden zu können, musste Stefan Altmann eine sechsmonatige Ausbildung durchlaufen. Die Voraussetzung dafür ist eine abgeschlossene Ausbildung in einem Metall- oder Elektroberuf. Als der ausgebildete Gießereimechaniker von der Qualifizierung zum Wagenmeister im Güterverkehr erfuhr, bewarb er sich: „Aufgewachsen bin ich in der Nähe vom Güterbahnhof. Der Rangierbahnhof hat mich schon immer fasziniert.“ Vor Beginn der Qualifizierung absolvierte er ein zweimonatiges Praktikum in der Güterwagenwerkstatt. Dann ging es wieder auf die Schulbank: In sechs Monaten werden zehn Module thematisiert, in denen auch Lernzielkontrollen erfolgen: „Es geht zum Beispiel um Wagentechnik, Sicherung von Ladung und um die Ausbildung zum Bremsprobeberechtigten.“

Sich das neue Wissen aneignen zu müssen, schreckte ihn nicht, im Gegenteil. Seine nächsten Ziele sind eine Weiterbildung zum „Wagenmeister im kombinierten Verkehr“ und eine im Bereich „Wagentechnischer Service“.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/29045