Technikerin – Werkstoff­technik

Ich wollte mein Fachwissen erweitern.

Auf Biegen und Brechen

Grobbleche aus Stahl werden für Konstruktionen wie Brücken oder Hochhäuser verwendet. Anna-Lisa Johann (25) ist Technikerin der Fachrichtung Werkstofftechnik. Sie kontrolliert die Qualität und Eigenschaften des Stahls.

Anna-Lisa Johann ist ausgebildete Werkstoffprüferin und arbeitet bei den Dillinger Hüttenwerken, einem Grobblechhersteller in Dillingen. Um beruflich voranzukommen, absolvierte sie eine Weiterbildung zur Technikerin der Fachrichtung Werkstofftechnik. „Ich wollte mein Fachwissen erweitern“, sagt die 25-Jährige.

Schule am Wochenende

Die berufsbegleitende Weiterbildung an der Fachschule für Technik des Berufsförderungswerks Saarland in Saarbrücken erstreckte sich über einen Zeitraum von vier Jahren. Anna-Lisa Johann besuchte den Wochenendunterricht freitags von 17 bis 21 Uhr sowie samstags von 7.15 bis 14 Uhr. „Es war anstrengend, nach meiner Schicht im Freitagabendverkehr sowie am folgenden Tag frühmorgens zur Schule zu fahren. Mit dem Auto war ich hin und zurück rund zwei Stunden unterwegs.“ Unter der Woche wiederholte sie nach Feierabend den Lernstoff und traf sich mit einer Lerngruppe. „Mein Ehemann hat mich im Haushalt und bei der Betreuung meiner kleinen Tochter sehr unterstützt.“

In einer Klasse mit 16 weiteren Teilnehmern vertiefte sie ihr fachspezifisches Wissen in Prüftechnik, im Herstellen und Verarbeiten von metallischen und nichtmetallischen Werkstoffen sowie im Hinblick auf Werkstoffeigenschaften. Zudem standen allgemeine Fächer wie etwa Deutsch, berufsbezogenes Englisch, Betriebswirtschaftslehre und Arbeitsorganisation auf dem Lehrplan. Der Unterricht wurde durch ein zweitägiges Laborpraktikum ergänzt. Die Kosten der Technikerschule betrugen inklusive Prüfungsgebühr rund 7.500 Euro. Dank eines Weiterbildungsstipendiums der Industrie- und Handelskammer zahlte Anna-Lisa Johann nur 1.000 Euro aus eigenen Ersparnissen.

Zerreißproben für Stahlbleche

Seit dem Abschluss der Weiterbildung führt die Technikerin im Prüflabor die Prüfungen aus dem Bereich der zerstörenden Materialprüfung noch sicherer und selbstbewusster durch. „Unsere Stahlprodukte werden weltweit beim Bau von Brücken, Stadien und Pipelines eingesetzt. Da kommt es auf eine einwandfreie Qualität an. Fehler darf ich mir nicht erlauben“, betont sie. Sie arbeitet im Schichtdienst, in ihrem Fall entweder nachmittags oder nachts: „Wir produzieren rund um die Uhr. Das heißt, dass auch nachts das Prüflabor im Einsatz ist.“

Anna-Lisa Johann setzt spezielle Verfahren zur Prüfung der mechanisch-technischen Eigenschaften der Stahlproben ein, die einen Durchmesser von jeweils wenigen Millimetern bis zu einem halben Meter haben. „Arbeitssicherheit ist sehr wichtig. Da die Stahlstücke sehr schwer oder spitz sein können, arbeite ich mit Handschuhen und Stahlkappenschuhen.“ Je nach Auftrag aus Qualitätssicherung, Forschungsabteilung oder von externen Kunden prüft sie die Zugfestigkeit, Härte oder weitere Materialeigenschaften. Die Versuche führt sie mit Prüfmaschinen durch, die sie mittels spezieller Software steuert. „Mithilfe des Kerbschlagbiegeversuchs wird zum Beispiel eine gekerbte Probe bei unterschiedlichen Temperaturbedingungen geschlagen, um deren Zähigkeit festzustellen.“ Die Ergebnisse ihrer Messungen dokumentiert die Technikerin am PC und reicht sie an den Schichtdienstleiter weiter, der wiederum die Prüfprotokolle erstellt.

Für die Zukunft wünscht sich Anna-Lisa Johann eine leitende Position im Prüflabor. Aber auch die Qualitätssicherung oder Forschung wären mögliche Einsatzgebiete.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/58412