Technikerin – Grabungs­technik

Es gibt zahlreiche archäologische Denkmäler, die Tausende von Jahren im Boden überdauert haben.

Historische Puzzleteile

Sarah Rudolf (25) ist bei Wind und Wetter unterwegs. Mit Spitzhacke und Schaufel macht sie Spuren längst vergangener Epochen sichtbar, vermisst und fotografiert die Funde.

Normalerweise ist Sarah Rudolf mit Stiefeln und wetterfester Kleidung im Freien unterwegs: „Ob in der Stadt, auf dem Feld oder in einer Höhle – es gibt zahlreiche archäologische Denkmäler, die Tausende von Jahren im Boden überdauert haben und etwas über das Leben vergangener Zeiten erzählen.“ Die 25-Jährige fahndet nach steinzeitlichen Siedlungsresten, Grabhügeln oder mittelalterlichen Burgen: „Ob Keramik, Getreide- und Holzreste oder Gebäudeumrisse – man lernt, aus den Funden zu lesen, wie unsere Vorfahren gelebt haben“, sagt sie.

Von Botanik bis CAD

Wie man fachgerecht Bodenschichten abträgt, Funde zeichnet oder tachymetrische Aufmaße nimmt, lernte sie im ersten der insgesamt drei Jahre ihrer berufsbegleitenden Fortbildung zur geprüften Grabungstechnikerin. Die praxisorientierte Weiterbildung findet an archäologischen Landesämtern statt. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem handwerklich-technischen Beruf. Sarah Rudolf hatte eine zweijährige berufliche Ausbildung zur Archäotechnikerin an der Universität Tübingen absolviert und einige Jahre lang an internationalen Projekten mitgearbeitet. Den Lehrgang, der auch Vermessungstechnikern oder Tischlern offensteht, absolvierte sie am Denkmalamt in Esslingen.

Im Rahmen der Weiterbildung beschäftigte sie sich zunächst mit verschiedenen Epochen und Grabungstechniken. „Ich habe von Tauchgrabungen bis hin zu komplexen Stadtkerngrabungen sehr viel Neues kennengelernt.“ Darüber hinaus standen Themen wie Fotopraxis, Nivellierung oder Geländebegehung auf dem Programm.

Zweimal pro Jahr fanden Blockseminare statt, an denen angehende Grabungstechniker aus den Landesdenkmalämtern bundesweit teilnahmen. Die Inhalte reichten von rechtlichen und organisatorischen Grundlagen über Grabungs- und Restaurierungstechniken bis hin zu Geologie und Biologie. Auch naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden, Messmethoden und Auswertungsverfahren der Fernerkundung standen auf dem Programm.

Grabungen planen und organisieren

Die theoretischen Prüfungen werden am Ende der drei Jahre abgelegt, die praktische Prüfung hingegen findet ein halbes Jahr vor dem Abschluss statt. Sarah Rudolf hat diese bereits hinter sich, ihr Projekt war eine römische Villa: „Man führt von A bis Z eine komplette Grabung durch, organisiert das Team und die Geräte, plant den Ablauf, führt die Grabung durch, dokumentiert die Funde und bearbeitet alles digital nach.“

Die Erfahrung, die sie bei der Realisierung ihres Projekts gesammelt hat, konnte sie gleich im Berufsalltag anwenden. Sie ist am Denkmalamt angestellt, bezieht ein Gehalt und ihr Arbeitgeber kommt für die Kosten der Weiterbildung auf. Sarah Rudolf verbringt viel Zeit draußen, plant Grabungen und führt sie durch. Dabei beachtet sie zeitliche und finanzielle Vorgaben: „Man arbeitet sehr selbstständig, muss etwa bei Rettungsgrabungen schnell Entscheidungen treffen.“ Ebenso wichtig ist die Dokumentation: Funde müssen vermessen, fotografiert, maßstäblich gezeichnet und beschrieben werden. Dabei kommt auch spezielle Software zum Einsatz.

Sarah Rudolfs Blick in die Zukunft ist realistisch: „Es gibt kaum feste Stellen, meist arbeitet man projektgebunden und zeitlich befristet.“ Doch tauschen möchte sie mit niemandem, denn dafür schätzt sie ihren Beruf zu sehr.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/6069