Techniker – Bekleidungs­technik (ohne Schwerpunkt)

Für mich ist der ganze Prozess von der Idee bis zum fertigen Produkt sehr reizvoll.

Zwischen Kreativität und Handwerk

Bekleidungstechnikerinnen und -techniker sorgen in der schnelllebigen Modebranche dafür, dass die Kleidung in der richtigen Passform und Qualität zur Kundschaft kommt. Der Bekleidungstechniker Julian Alm (31) machte sich nach dreijähriger Tätigkeit in der Industrie selbständig und hat nun jeden Schritt – vom Entwurf bis zum fertigen Kleidungsstück – buchstäblich selbst in der Hand.

Julian Alm hat sich für eine Schneiderausbildung entschieden, damit er am Ende des Tages das Ergebnis seiner Arbeit in Händen halten kann. Innerhalb von zwei Jahren absolvierte er an den Modeschulen in Nürnberg eine Ausbildung zum Modenäher und erwarb in einem weiteren Jahr den Facharbeiterbrief zum Modeschneider. Um mehr Betätigungsoptionen in der Industrie zu haben, entschied er sich direkt im Anschluss für die Weiterbildung zum/zur Bekleidungstechniker/in. Der zweijährige Vollzeitlehrgang war kostenlos. Für seine Lebenshaltung erhielt Julian Alm neben 140 Euro Meister-BAföG (heute: Aufstiegs-BAföG) finanzielle Unterstützung von seinen Eltern.

Nach erfolgreich abgeschlossener Weiterbildung zum staatlich geprüften Bekleidungstechniker bewarb er sich erfolgreich bei einem Bekleidungsunternehmen.

Weitreichende Verantwortung

„Designer entwerfen Modelle und wir Techniker sind zuständig für Passform, Maße, Qualität und Verarbeitungsweisen“, erklärt Julian Alm. Am Anfang einer jeden Kollektion legen Produktmanager und -managerinnen fest, welche Produkte zu welchen Themen hergestellt werden. Die Designabteilung entwickelt nach diesen Vorgaben die Kollektionen. Im nächsten Schritt wird in den produzierenden Ländern ein Prototyp gefertigt, und dann kommen Bekleidungstechniker und -technikerinnen ins Spiel. Nach einer Anprobe mit dem Musterstück legen sie zum Beispiel Änderungen für Verarbeitungsweisen fest. Mit diesen Änderungswünschen erstellt der Produktionsbetrieb ein Verkaufsmuster und anschließend Größensätze. Wenn es der Zeitplan zulässt, sind hierfür Auslandsreisen nicht unüblich, damit die Freigabe für die Produktion möglichst schnell erfolgen kann. „Ich habe das immer sehr gerne gemacht, weil ich viel Verantwortung hatte und Einfluss auf die verschiedenen Stadien unterschiedlicher Produkte im Herstellungsprozess ausüben konnte“, erzählt Julian Alm. „Die englischen Fachbegriffe lernt man, sobald man mit Agenturen oder Firmen aus dem Ausland zu tun hat“, fügt er hinzu. Im Laufe der Zeit erweiterte sich sein Aufgabenbereich: Er wirkte unterstützend bei Preisverhandlungen und der Lieferterminplanung mit.

Produktionsprozess in Eigenregie

Vor eineinhalb Jahren machte sich Julian Alm mit dem eigenen Modelabel „JA Braut- und Abendmode“ selbständig. „Für mich ist der ganze Prozess von der Idee bis zum fertigen Produkt sehr reizvoll. Ich habe viel Spaß am Konstruieren von Schnitten und an der Ausarbeitung von Details“, erzählt der 31-Jährige, der nun in kleiner Stückzahl oder für Einzelaufträge fertigt. „Die ersten Aufträge erhielt ich über Bekannte oder Verwandtschaft. Bald kamen weitere über meine eigene Homepage hinzu.“

„Das Schöne am Beruf des Bekleidungstechnikers ist, dass er Kreativität, Praxis und Kommunikation verbindet“, erzählt Julian Alm. „Man sollte stressresistent sein und ein gutes Augenmaß haben. Und weil es im Entwicklungsprozess viele Änderungen gibt, sollte man dafür offen sein.“ Seine Kunden und Kundinnen haben entweder schon konkrete Vorstellungen oder Julian Alm unterbreitet Vorschläge für ein Kleidungsstück. Beim ersten Treffen hält der Bekleidungstechniker Bildmaterial und Muster für den Stoff bereit und erarbeitet in enger Absprache mit dem Kunden oder der Kundin ein Outfit oder ein Kleid. Nach dem Zuschnitt und dem Zusammennähen erfolgt eine erste Anprobe des Modells. Nach kleinen Korrekturen näht er das Kleidungsstück fertig.

Momentan bereitet sich Julian Alm auf eine Tätigkeit als Prüfer bei der IHK vor, um in Zukunft Prüfungen für Textil- und Modeschneider/innen abnehmen zu können.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/5920