Nicht-ärztliche*r Praxisassistent*in

Die Weiterbildung hat mir geholfen, noch besser auf die Patienten einzugehen.“

Medizinische Versorgung zu Hause

Mit medizinischem Fachwissen, Einfühlungsvermögen und einem aufmerksamen Blick versorgt Elke Sido (53) Patient*innen zu Hause. Dabei steht die nicht-ärztliche Praxisassistentin im engen Austausch mit dem*der behandelnden Allgemeinmediziner*in.

Wer aus gesundheitlichen Gründen keine Arztpraxis aufsuchen kann, benötigt medizinische Versorgung zu Hause. Ebenso wie in Hausarztpraxen müssen jedoch nicht alle Aufgaben zwingend von einem*einer Mediziner*in übernommen werden. „Bei meinen Hausbesuchen nehme ich Laborparameter ab, betreue Langzeitblutdruckmessungen und Langzeit-EKGs oder kümmere mich um Wundverbände“, fasst die nicht-ärztliche Praxisassistentin (NäPa) Elke Sido zusammen. 

Sie übernimmt auch geriatrische Screenings: „Da geht es darum, eine Einschätzung der alltagspraktischen Fähigkeiten eines Patienten zu kriegen.“ Die medizinischen Anweisungen dazu erhält sie vorab von der Hausärztin des medizinischen Versorgungszentrums (MVZ), in dem sie angestellt ist. „Sie informiert mich darüber, was ich bei welchem Patienten beachten muss und welche Untersuchungen ich durchführe“, erzählt Elke Sido. Je nach Bedarf absolviert sie täglich etwa zwei bis sechs Hausbesuche, die meisten Patient*innen sind fußläufig von der Praxis erreichbar, notfalls fährt sie mit ihrem eigenen PKW oder einem Fahrrad, dass das MVZ zur Verfügung stellt. Immer mit dabei: die Hausbesuchstasche mit entsprechender Grundausstattung. Dazu gehören unter anderem ein Blutdruckmessgerät, Stethoskop, Blutzuckermessgerät, Schere, Pinzette und Verbandsmaterial, Maßband, Stift, Schreibblock und ein Handy, das vom MVZ gestellt wird. „Das benötige ich, um eventuell Fotos für die Dokumentation zu machen oder mit der Ärztin Kontakt aufzunehmen, per SMS, Telefonat oder Videochat.“, sagt Elke Sido. 

„Noch am selben oder spätestens am nächsten Tag erfolgt der Rückfluss. Wir besprechen den Hausbesuch und die Ärztin überlegt, ob sie selber noch einmal zu Patienten fahren muss. Außerdem planen wir gemeinsam die nächsten Hausbesuche und wie die Behandlung fortgesetzt wird.“ 

Tätigkeitsfeld erweitern

Elke Sido hat eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten in der Tasche. Bereits vor ihrer Qualifizierung zur nicht-ärztlichen Praxisassistentin stattete sie Hausbesuche ab. Allerdings wollte sie diese Tätigkeiten intensivieren. Deshalb sagte sie sofort zu, als ihr Arbeitgeber, das Medizinische Versorgungszentrum Quadriga in Berlin Köpenick, 2015 mit dem Angebot zur NäPa-Fortbildung auf sie zukam. Die Fortbildung absolvierte sie zwischen 2015 und 2016 bei der Ärztekammer Berlin. 

Voraussetzung für die Qualifikation ist eine Ausbildung zum*zur Arzthelfer*in bzw. zum*zur Medizinischen Fachangestellten oder ein Abschluss nach dem Krankenpflegegesetz (bisher Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger*in, künftig voraussichtlich Abschluss Pflegefachmann*frau) sowie mindestens drei Jahre Berufserfahrung in einer hausärztlichen oder fachärztlichen Praxis. Je nach Dauer der bisherigen Berufstätigkeit umfasst die Weiterbildung zwischen 190 und 270 Stunden, die – je nach Anbieter – in etwa vier bis neun Monaten absolviert werden. Sie besteht aus mehreren Phasen Theorie-Unterricht sowie einer praktischen Fortbildung, die zwischen 20 und 50 Stunden umfasst. Um den Abschluss zu erlangen, müssen die Teilnehmer*innen über den gesamten Zeitraum mehrere Hausbesuchsprotokolle erstellen sowie eine mindestens 60-minütige Lernerfolgskontrolle ablegen.

Ein Schwerpunkt: Geriatrie

Da hauptsächlich ältere, multimorbide Patient*innen zu Hause versorgt werden, liegt ein Schwerpunkt der Weiterbildung bei geriatrischen Krankheitsbildern. Für Elke Sido besonders wichtig: „Die Weiterbildung hat mir geholfen, noch besser auf die Patienten einzugehen und ein spezielles Augenmerk auf bestimmte Erkrankungen zu legen, die im Alter häufig auftreten, beispielsweise Diabetes oder Herzerkrankungen.“ Weitere Themen der ein- bis zweimal die Woche stattfindenden Weiterbildungskurse: Welche Möglichkeiten haben die Fachkräfte, in einem medizinischen Notfall direkt einzugreifen? Wann sollten sie den*die Arzt*Ärztin kontaktieren und wann den Rettungsdienst?

In der Weiterbildungsphase (praktische Fortbildung) begleitete Elke Sido ihre Hausärztin bei Hausbesuchen, beobachtete zunächst, übernahm später die Patientenbetreuung unter Aufsicht und fertigte Protokolle an. Das gab ihr die nötige Sicherheit für ihre heutige Tätigkeit: „In meinem Bereich kann ich kann mittlerweile selbstständiger arbeiten und die Arztpraxis entlasten“, fasst sie zusammen. 

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/129410