Kapitän – Küsten­fischerei

Es ist ein so vielseitiger und vor allem handwerklicher Beruf.

Bei Wind und Wetter

Torben Hinners (40) ist Kapitän der Küstenfischerei und hat seinen eigenen Kutter. Um den steuern und Krabben fischen zu dürfen, besuchte er eine Weiterbildung.

Torben Hinners und seine Mannschaft leben nach dem Tidenkalender, also nach dem Rhythmus von Ebbe und Flut. Bei Flut fährt er mit seiner „Goedeke Michel“ hinaus, einem 18 Meter langen Kutter mit einem 300-PS-Dieselmotor. Von Cuxhaven aus geht es meist in Richtung Elbe, um nach Krabben zu fischen.

Auf dem Kutter arbeiten sie zu dritt: Torben Hinners, sein Decksmann und ein Auszubildender. Alle zwei bis drei Stunden wechseln sie sich ab, behalten vom Ruderhaus aus den Schiffsverkehr im Auge, holen den Fang an Bord und sortieren den Beifang aus. Sie sind meist drei Tage und zwei Nächte unterwegs. Nicht nur diesen Rhythmus, auch das Leben mit der Natur, mit Wind und Wetter, muss man mögen.

Viel Erfahrung und etwas Glück

Die Krabben werden gleich auf dem Schiff verarbeitet, gekocht und gekühlt: „Das läuft heute alles vollautomatisch ab. Wir kontrollieren in erster Linie, dass die Anlagen laufen“, erläutert Torben Hinners. Wo es sich lohnt, zu kreuzen, und wo sich ein guter Fang machen lässt, ist Erfahrungssache: „Ein Quäntchen Glück gehört aber auch dazu.“ Vermarktet wird der Fang von einer Erzeugergemeinschaft, in der sich die Krabbenfischer genossenschaftlich organisiert haben.

Kapitän in der Küstenfischerei zu werden, war eigentlich gar nicht Torben Hinners Plan gewesen. Dass er als ausgebildeter Radio- und Fernsehtechniker doch noch eine Ausbildung zum Fischwirt absolvierte, lag an einem Praktikum bei seinem Vater, der ebenfalls Krabbenfischer war. Nach seiner Seefahrtzeit besuchte er zwei Jahre lang in Vollzeit die staatliche Seefahrtschule Cuxhaven, beschäftigte sich mit Nautik, erwarb nicht nur die B-Patente für die Fischerei, sondern auch die A-Patente für Handelsschiffe. Gebühren fallen an der staatlichen Schule keine an, für den Lebensunterhalt nutzte er eigene Mittel. Nach mehreren Jahren als Offizier auf großen Schiffen entschied er sich schließlich für die Küstenfischerei und legte sich seinen eigenen Kutter zu. „Ich wollte nicht für eine Reederei oder Chartergesellschaft arbeiten, sondern mein eigener Herr sein“, sagt er.

Fangtechnik und Meteorologie

Um einen solchen Kutter fahren zu dürfen, braucht es ein Befähigungszeugnis – Torben Hinners erwarb es in seiner Zeit auf der Seefahrtschule. Möglich ist es auch, nur die Qualifizierung zum Kapitän in der Küstenfischerei zu absolvieren, die lediglich ein halbes Jahr in Vollzeit in Anspruch nimmt; wer sie absolvieren will, muss ausgebildeter Schiffsmechaniker, Matrose oder Fischwirt mit Schwerpunkt kleine Hochsee- und Küstenfischerei sein und eine Seefahrtzeit von 12 Monaten vorweisen können.

Die Teilnehmer einer solchen Qualifizierung befassen sich mit terrestrischer und technischer Navigation sowie Schifffahrtsrecht, sie erwerben Kenntnisse der Schiffskonstruktion, Schiffssteuerung, Ladungs- und Fangtechnik, Sicherheitstechnik und der Bedienung von Schiffsmotorenanlagen. Dazu kommen Lerneinheiten in Meteorologie und Ozeanografie, in der Biologie der Seefische, der Pflege des Fangs und in Bezug auf das Nachrichtenwesen. Schließlich erhalten die Teilnehmer eine Einweisung als Feuerschutz- und Rettungsbootsleute, „und auch ein umfangreicher Erste-Hilfe-Kurs gehört dazu“, erläutert Torben Hinners.

Seine Kenntnisse muss er regelmäßig auffrischen, um seinen Kutter steuern zu dürfen. Etwas anderes zu machen, kann er sich heute nicht mehr vorstellen: „Es ist ein so vielseitiger und vor allem handwerklicher Beruf“, sagt er. „Man ist unter anderem Maler, Schlosser, Fischer und Nautiker.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/59006