Industrie­meister – Gießerei

Uns wurden etwa Qualitätsmanagementsysteme nähergebracht.

Damit die Schmelzleistung stimmt

Nach seiner Weiterbildung zum Industriemeister der Fachrichtung Gießerei übernahm Benjamin Höckrich (37) mehr Verantwortung. Vor allem plant und steuert er mittlerweile Arbeitsprozesse.

Benjamin Höckrich absolvierte eine Ausbildung zum Industriemechaniker und arbeitete dann in Festanstellung bei der Real Alloy Germany GmbH. Die Leichtmetallgießerei ist auf das Recycling von Aluminium spezialisiert. Später war der 37-Jährige als Stellvertreter des Schichtmeisters tätig – und machte sich zunehmend Gedanken über seine berufliche Zukunft. „Mehr hätte ich mit meinem damaligen Ausbildungsstand nicht erreichen können“, erläutert er.

Vor einiger Zeit entschied sich sein Arbeitgeber, einigen Mitarbeitern die Weiterbildung zum Industriemeister der Fachrichtung Gießerei zu ermöglichen. Zunächst erhielten zwei der festen Schichtmeister den Zuschlag. Als jedoch einer der beiden kurzfristig absprang, bekam Benjamin Höckrich seine Chance.

Von Ofentypen bis Qualitätssicherung

Den Lehrgang zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung absolvierte er in Teilzeit an der VDG Akademie Düsseldorf. Zweieinhalb Jahre lang besuchte er neben der Arbeit den Unterricht. Der fand blockweise statt – zwischen vier- und fünfmal im Jahr, jeweils vierzehn Tage: „Dafür wurde ich immer freigestellt.“

Zu den vermittelten Inhalten gehörten neben naturwissenschaftlichen und technischen Fächern vor allem betriebliche Grundlagen. Es ging etwa um betriebswirtschaftliches Handeln und um die Zusammenarbeit im Betrieb. Im berufsbezogenen Teil kamen gießereispezifische Inhalte hinzu. „Wir lernten verschiedene Ofentypen und Gießverfahren kennen“, nennt er Beispiele. Weitere Themen waren Personalführung, Umweltschutz, Arbeitssicherheit und Qualitätssicherung: „Uns wurden etwa Qualitätsmanagementsysteme nähergebracht.“ Den Ausbildereignungsschein machte er in dieser Zeit ebenfalls. „Als Führungskraft ist man ja häufig auch für die Azubis verantwortlich – und wir haben alles gelernt, was zum Thema Ausbildung dazugehört.“

Die Abende während der Blockunterrichtphasen nutzte er zum Lernen. Er traf sich dafür auch mit einigen Mitschülern. Die Abschlussprüfung legte er vor der Industrie- und Handelskammer ab. Die Schulgebühr inklusive Unterrichtsmaterialien und Prüfungskosten belief sich auf rund 6.000 Euro. Hinzu kamen Kosten für Unterkunft, Verpflegung sowie für die Fahrten – bei Benjamin Höckrich waren das weitere 6.000 Euro. Mit der Finanzierung hatte er Glück: „Das hat alles mein Arbeitgeber übernommen.“

Neue Aufgaben und mehr Verantwortung

Seine Schicht beginnt mittlerweile eine halbe Stunde früher: Im Gespräch mit dem abzulösenden Kollegen erfährt er, ob es irgendwelche Besonderheiten oder Störungen gegeben hat. Organisation, Planung und Kontrolle – das sind die zentralen Inhalte seiner Tätigkeit. „Wir haben Vorgaben hinsichtlich Schmelzleistung und Qualität, und ich muss dafür sorgen, dass die eingehalten werden.“ Wenn Störungen auftreten, lässt der Industriemeister diese schnell beheben. Ein weiteres neues Feld ist die Personalplanung. Die Mitarbeiter unter Berücksichtigung ihrer speziellen Fähigkeiten so passgenau wie möglich einzusetzen – das ist eine Herausforderung, die Benjamin Höckrich besonders schätzt.

Der Industriemeister kann sich gut vorstellen, in Zukunft noch mehr Verantwortung zu übernehmen und sich eventuell auf einen bestimmten Bereich zu spezialisieren – Umweltschutz fände er etwa spannend. Und noch einen Wunsch hat er: „Raus aus dem Schichtdienst.“ Auf der Grundlage seiner Qualifikation ist es durchaus möglich, auf eine entsprechende Stelle zu wechseln.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/6168