Hafen­fach­arbeiter

Mit jeder Schulung, mit jedem Patent ist mein Leben reicher geworden.

Meister aller Gewichtsklassen

Detlef Thunecke (44) ist am Hamburger Hafen tätig. Tonnenschwere Container, landwirtschaftliche Fahrzeuge und die älteste Lok Englands: Der Hafenfacharbeiter hat schon vieles am Haken gehabt.

Täglich laufen Schiffe aus aller Welt im Hamburger Hafen ein. Lebensmittel, Fahrzeuge, Maschinenbauteile und viele weitere Güter werden an Bord der Frachter geschafft oder entladen. Damit diese logistische Meisterleistung gelingt, ist die Arbeit von Spezialisten wie dem Hafenfacharbeiter Detlef Thunecke gefragt.

Der 44-Jährige erzählt, er habe annähernd ein Drittel seines Lebens in Führerständen verbracht. Grundlage dafür ist unter anderem die Qualifizierung zum Baumaschinenführer, zudem erwarb er etliche sogenannte Patente. Dabei handelt es sich um Eignungsprüfungen, um spezielle Gerätschaften zu bedienen oder Kräne zu führen. Er absolvierte im Laufe der Zeit außerdem zusätzliche Prüfungen für Flurförderfahrzeuge, Schwerstapler – die bis zu 45 Tonnen heben – und spezielle Zugmaschinen. „Mit jeder Schulung, mit jedem Patent ist mein Leben reicher geworden“, sagt Detlef Thunecke.

Er arbeitete zunächst mehrere Jahre als Autodrehkranführer in Wolfsburg, anschließend war er bei einer Baufirma tätig. Hier bediente er zwölf Jahre lang Turmdrehkräne auf Baustellen in ganz Deutschland. Schließlich kam er zu seinem heutigen Arbeitgeber, der C. Steinweg (Süd-West Terminal) GmbH & Co. KG.

Von Gefahrgut bis Umschlagtechnik

Nachdem er als Kranführer mehr als fünf Jahre im Hafen tätig gewesen war, absolvierte er die Hafenfacharbeiter-Weiterbildung über drei Monate in Vollzeit. Zugang zur Qualifizierung haben natürlich auch Fachkräfte mit einer Berufsausbildung im Bereich Lager und Logistik, die die geforderte Berufserfahrung in der Hafenarbeit nachweisen können.

Durch Urlaubstage und Überstunden glich Detlef Thunecke die Fehlzeiten aufgrund der Weiterbildung aus. Auf diese Weise bezog er weiterhin sein Gehalt und konnte somit den Lehrgang und seinen Lebensunterhalt finanzieren. Der Fokus der Weiterbildung lag auf den Bereichen Lager-, Transport- und Umschlagtechnik. Daneben erlernten die angehenden Hafenfacharbeiter den Umgang mit Gefahrgut und die organisatorischen Grundlagen des Hafenwesens. Der Stoff erforderte die volle Konzentration der Teilnehmer. Da Detlef Thunecke ein klares Ziel vor Augen hatte, eignete er sich das zusätzliche Wissen mit viel Enthusiasmus an.

Schwer? Wertvoll? – Kein Problem!

Der Hafenfacharbeiter und seine Kollegen sind bei allen Transporten in Zusammenhang mit schweren Lasten im Einsatz. Mit Kranbrücke, Schlepper oder auch kleineren Fahrzeugen bewegen sie zum Beispiel voll beladene Container zu ihren Lagerplätzen: „Das sind bei einigen Aufträgen rund 150 Tonnen Gewicht – zusammen mit einem anderen Fahrer und Fahrzeug sogar 300 Tonnen.“

Bis er die Verantwortung für den Transport von Schwergütern übernehmen und die Sicherheit dafür gewährleisten konnte, war es ein langer Weg. Es brauche dafür neben dem Fachwissen vor allem Verantwortungsbewusstsein: „Für die Tätigkeit als Großgeräteführer braucht man ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl. Ich und meine Kollegen müssen über die ganze Schicht hinweg 200 Prozent Konzentration halten können.“ Ein besonderes Highlight der Karriere von Detlef Thunecke war es, als er Englands älteste Lok aus einem Schiffsbauch hob. Der Zug war von Südafrika nach England unterwegs. Doch die Millimeterarbeit des Hafenfacharbeiters war die einzige Station, die von einem britischen Fernsehsender explizit gelobt wurde: „In Hamburg haben sie einen guten Job gemacht“, hieß es.

Neben seiner Tätigkeit als Hafenfacharbeiter gibt er mittlerweile auch seine Kenntnisse weiter – als Kran-Ausbilder.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/14037