Fachkranken­pfleger – Onkologie

Immer wenn Zeit bleibt, rede ich mit den Patienten, erkläre ihnen die weiteren Behandlungsschritte und spende ihnen Trost.

Nah am Patienten

Medikamente verabreichen und Trost spenden: Wer wie Michael Kießling (36) in der Pflege von Krebspatienten arbeitet, braucht nicht nur fundiertes fachliches Wissen, sondern vor allem auch soziale Kompetenz.

Michael Kießling hatte mehrere Jahre als Gesundheits- und Krankenpfleger in der Versorgung von Krebspatienten am Universitätsklinikum Würzburg gearbeitet, als er den Wunsch verspürte, beruflich mehr Verantwortung zu übernehmen. „Eine berufsbegleitende Weiterbildung auf onkologischem Gebiet schien mir sinnvoll, zumal man damit ein breites Spektrum an Fachgebieten – vom Hautkrebszentrum über die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie bis hin zur Strahlentherapie – abdeckt“, erläutert er.

Theorie und Praxis in Balance

Die Weiterbildung dauerte insgesamt zwei Jahre, der Unterricht fand jeden Donnerstagnachmittag am Universitätsklinikum statt. Dafür wurde Michael Kießling von der Arbeit freigestellt. Er vertiefte seine Kenntnisse über die Krebsmedizin und ihre Fachbereiche und beschäftigte sich mit Themen rund um die spezielle Pflege von onkologischen Patienten. Außerdem ging es in den Kursen um Diagnostik und Therapie. Auch die kommunikativen und koordinierenden Fähigkeiten im Umgang mit Krebspatienten wurden trainiert. „Der Unterricht verlief sehr abwechslungsreich“, erinnert er sich. „Während uns die Fachärzte das Wissen theoretisch vermittelten, gaben uns die pflegefachlichen Leiter Projekte und Fallbeispiele, die wir in Gruppenarbeit lösten.“

Zum Festigen des Gelernten traf sich Michael Kießling mit anderen Teilnehmern; außerdem standen in einem Online-Forum zusätzlich Lernmaterialien zum Download bereit. Es galt, einiges an Freizeit zu investieren: „Im zweiten Jahr mussten wir eine Facharbeit erarbeiten, für die ich die Unibibliothek aufsuchte und Online-Recherchen betrieb. Dafür nutzte ich auch die Wochenenden“, ergänzt Michael Kießling.

Im praktischen Teil der Weiterbildung durchlief er unterschiedliche Stationen am Universitätsklinikum – von der Inneren Medizin bis hin zur Palliativstation. Die Kosten der internen Weiterbildung übernahm sein Arbeitgeber.

Ohne Berührungsängste

Nach seiner Weiterbildung wechselte Michael Kießling zunächst in das Hauptkrebszentrum, dann auf eine Station der allgemeinen und viszeralen Chirurgie mit onkologischem Schwerpunkt. Bereits kurz nach dem Abschluss übernahm er verantwortungsvolle Aufgaben im Bereich des Nebenwirkungsmanagements.

Der Fachkrankenpfleger arbeitet im Schichtdienst, auch am Wochenende ist er regelmäßig im Einsatz. Er betreut Patienten jeden Alters und mit unterschiedlichsten Befunden. Zu seinen Kernaufgaben zählen die Grundpflege, die Medikamentenverabreichung nach ärztlicher Vorgabe, das Wechseln von Infusionen und Drainagen sowie die Vor- und Nachbereitung bei Operationen. Maßnahmen und Ergebnisse dokumentiert er sorgfältig. Während der Visite gibt er Auffälligkeiten an die behandelnden Ärzte weiter und diskutiert die Therapien. „Immer wenn Zeit bleibt, rede ich mit den Patienten, erkläre ihnen die weiteren Behandlungsschritte und spende ihnen Trost. Berührungsängste darf man in der Onkologie nicht haben“, betont er. „Empathie und Sozialkompetenz sind genauso wichtig wie fachliches Wissen um Therapiechancen und deren Nebenwirkungen.“

Mit seiner Weiterbildung hat Michael Kießling den Grundstein für seine berufliche Weiterentwicklung gelegt. Mittlerweile ist er stellvertretender Stationsleiter und übernimmt in dieser Funktion weitere Aufgaben wie das Erstellen der Dienstpläne und die Praxisanleitung.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/14458