Diabetes­beraterin

Gerade bei anspruchsvollen Patienten ist es wichtig, mit fachlichen Argumenten aufzuwarten.

Beratung für ein besseres Leben

Immer mehr Menschen sind von Diabetes mellitus betroffen. Joana Ludwigs (28) Aufgabe als zertifizierte Diabetesberaterin ist es, die Patienten dabei zu unterstützen, mit ihrer Situation im Alltag umzugehen.

Als sie nach ihrer Ausbildung zur Diätassistentin am Diabeteszentrum Bad Mergentheim übernommen wurde, wollte Joana Ludwig zügig in einer Weiterbildung zur Diabetesberaterin DDG an der hauseigenen Akademie ihr Fachwissen ausbauen. „In unserer Einrichtung orientieren wir uns üblicherweise an den hohen Standards der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Um hier in der Beratung zu arbeiten, ist das Zertifikat zwar nicht obligatorisch, aber dennoch wünschenswert.“

Die insgesamt zwölfwöchige Schulung verteilte sich auf fünf Blöcke über einen Zeitraum von einem Jahr. Anders als viele der 23 Teilnehmer aus ganz Deutschland musste die 28-Jährige keine langen Anreisen auf sich nehmen. Sie konnte die Lernphasen gut mit den 584 praktischen Einheiten unter Anleitung vereinbaren, die sie an ihrer Arbeitsstelle absolvierte.

Unterricht und Videoanalyse

Im Unterricht, der jeweils von 8.30 Uhr bis 16.45 Uhr stattfand, vertiefte sie ihre Kenntnisse des Krankheitsbildes. Sie beschäftigte sich mit den spezifischen Folgeerkrankungen, etwa Nierenversagen. Zudem standen das Patientenrecht, Ernährungsberatung sowie soziale und psychologische Faktoren auf dem Lehrplan. Verschiedene Fachärzte und Therapeuten brachten den Teilnehmern die Problematiken mithilfe von Fallbeispielen aus der Praxis näher. „In Rollenspielen übten wir nicht nur, im Gespräch die Patientensituation kompetent zu analysieren, sondern auch die Art und Weise des Umgangs“, erzählt die Diabetesberaterin, die dabei nicht nur von direktem Feedback ihrer Kollegen profitierte, sondern auch von der Auswertung des Videomaterials der Gesprächssequenzen.

In Lerngruppen direkt nach dem Unterricht wurden die Themen zeitnah vertieft und Erfahrungen ausgetauscht. Um sich für die abschließenden Prüfungen und den Fachvortrag vorzubereiten sowie die notwendigen Hausarbeiten zu erstellen, nutzte Joana Ludwig die Wochenenden. Ihr Arbeitgeber übernahm einen Teil der Weiterbildungskosten in Höhe von 3.000 Euro. Für die Kursphasen wurde sie teils freigestellt, teils nahm sie sich Urlaub.

Coaching statt Verbote

Mittlerweile geht Joana Ludwig mit Selbstsicherheit und einem breiten Fachwissen in die Einzelfall- und Gruppenbetreuung: „Gerade bei anspruchsvollen Patienten ist es wichtig, mit fachlichen Argumenten aufzuwarten, die dem neuesten Stand entsprechen.“ Ziel der Diabetesberaterin ist es, als Coach zielgruppengerecht mit dem Patienten, egal ob Jungendlicher oder Rentner, Lösungsansätze zu entwickeln. Empathie und Kommunikationsgeschick sind grundlegend, um Erfolge zu erzielen.

Rund die Hälfte ihrer Arbeitszeit widmet Joana Ludwig den Grundkursen und den aufbauenden Diabetes-Trainings, um einzelne Themen wie Überzuckerung, Insulinberechnung und Vorbeugungsmaßnahmen wie Bewegung und Ernährung gemeinsam zu erarbeiten: „Wichtig ist, dass ich meine Kursteilnehmer kennenlerne, mich sowohl mit ihrem Krankheitsprofil als auch mit ihren persönlichen Vorlieben beschäftige. Nur so kann ich auf ihre individuellen Bedürfnisse eingehen.“ Immobile Patienten werden auf Station in ihren Zimmer besucht und beraten. Ihre Erkenntnisse dokumentiert sie zeitnah und bespricht mit ihrem Team regelmäßig aktuelle Patientenfälle. Auch finden interdisziplinäre Teamsitzungen mit Ärzten, Pflegern oder Psychologen statt.

Hin und wieder gibt die Diabetesberaterin externe Vorträge beispielsweise in Selbsthilfegruppen oder bei Veranstaltungen der Diabetes-Akademie.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/13889