Chorsänger

Die Proben fangen morgens an und können bis in die späten Abendstunden dauern.

Das Wesen eines Chors

Thomas Bernardy (29) weiß genau, wie er seinen lyrischen Bariton in den prächtigen Chor der Verdi-Oper „Aida“ einbringen kann. In seinem Beruf ist neben einer gut ausgebildeten Stimme ein musikalisches Gehör unverzichtbar.

Thomas Bernardy ist freiberuflicher Künstler: Er arbeitet als Chorsänger, außerdem ist er als Solist und Schauspieler tätig. Das sind drei ganz unterschiedliche Tätigkeiten, und jede hat ihre Besonderheiten: „Als Chorsänger muss man eine sehr gute Intonation mitbringen“, erklärt er. „Schon minimale Abweichungen können sich auf den Klang des Chors auswirken. Man braucht daher ein Gespür für den Klang, für das Wesen eines Chors. Das ist eine zentrale Voraussetzung, um die eigene Stimme in das Gesamtgefüge einbringen zu können.“ Die musikalische Intelligenz des Künstlers sei dabei gefordert. „Ein Chorsänger muss hören können, welche Stimmfarben die Kollegen haben und wie man sich da einfügen kann.“ Denn gewollt ist ein Chorklang, aus dem man keine Einzelstimmen heraushört. Es müsse die Bereitschaft vorhanden sein, das eigene Ego zurückzustellen. Zudem braucht es natürlich eine perfekt ausgebildete Stimme.

Vielfältige Kompetenzen

Das Singen im Chor ist laut Thomas Bernardy wie ein Handwerk, bei dem viel Übung den Meister macht. Schon als Schüler sang er in diversen Chören und hatte Musik- und Gesangsunterricht. Nach seinem Schulabschluss durchlief er dann eine Ausbildung in Musiktheorie, Klavier und Blattsingen an der Stage School Hamburg. Zusätzlich nahm er privaten Gesangsunterricht bei einem Opernsänger: „Ich wollte die klassische Richtung weiter ausbauen“, sagt er. Als Chorsänger muss er sich heute auf das klassische Repertoire ebenso verstehen wie auf barocke Koloraturen und avantgardistische Gegenwartsmusik.

Der klassische Gesangsunterricht zahlte sich aus: Zuletzt stand Thomas Bernardy bei den Eutiner Festspielen in der Verdi-Oper „Aida“ und in der Operette „Der Vogelhändler“ auf der Freilichtbühne. „Standardopern muss man als Chorsänger im Repertoire haben“, betont er. „Bei den Proben wird dann verstärkt am Ausdruck und an der Homogenität des Chores gearbeitet.“

Neben aller Stimmbildung muss ein Chorsänger zudem vom Blatt singen sowie Partituren und Dirigentenschlagbilder lesen können: „Es kommen viele Kompetenzen zusammen, die man sich erarbeiten muss.“

Von Bühne zu Bühne

Das Dasein als freier Künstler mit wechselnden Engagements hat für den 29-Jährigen einen besonderen Reiz: „Ich bin gerne unterwegs, arbeite an unterschiedlichen Häusern, mal in Bamberg, mal in Hamburg oder Nürnberg.“ Für die intensive mehrwöchige Probezeit wohnt er vor Ort: „Das sind lange Tage. Die Proben fangen morgens an und können bis in die späten Abendstunden dauern. Es gibt aber Pausen, weil man nicht immer dran ist.“ Für die Auftritte reist er dann jeweils an, wenn die Vorstellungen nicht mit großer Häufigkeit erfolgen.

Seine Engagements ergeben sich mal aus einem Vorsingen, mal wird er weiterempfohlen, mal ist er einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. „Wichtig ist, dass man sich ein Netzwerk aufbaut“, betont er. Einfach sei das Künstlerleben nicht immer. Den Beruf wechseln möchte er dennoch nicht: „Künstler zu werden war für mich eine alternativlose Entscheidung.“ Dass er neben seinen Engagements als Chorsänger auch als Schauspieler arbeitet, ist für ihn nicht nur eine wirtschaftliche Frage: „Als Chorsänger spielt das Schauspielerische kaum eine Rolle, es macht mir aber sehr viel Freude.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/8398