Betriebswirt (Fachschule) – Agrarbetrieb

Ein Hof kann noch so gut bewirtschaftet sein – ohne vernünftige Verträge kann es sehr teuer werden.

Unternehmer in Gummistiefeln

Über die Jahre bildete sich Martin Turber (31) kontinuierlich weiter, um sich das nötige Fachwissen für die Selbstständigkeit anzueignen. Im Rahmen einer kaufmännischen Qualifizierung lernte er unter anderem, Betriebsanalysen zu erstellen.

Martin Turbers Weg zum landwirtschaftlichen Unternehmer ähnelt dem vieler Landwirte in Bayern: „Nach dem Berufsgrundbildungsjahr habe ich auf einem Hof gelernt und gearbeitet, den staatlich geprüften Wirtschafter im Bereich Landwirtschaft und den Landwirtschaftsmeister gemacht“, sagt der heute 31-Jährige. Der nächste logische Schritt war für ihn, sich zum Agrarbetriebswirt weiterzubilden. Mit der einjährigen Vollzeitweiterbildung konnte er seine Kenntnisse in Betriebswirtschaft und Unternehmensführung ausbauen. Dieses Wissen kommt ihm heute bei der Führung des Familienbetriebs im mittelfränkischen Höttingen zugute, auf dem er nicht nur Kühe hält, sondern auch Gerste anbaut, die er an Brauereien verkauft.

Reale Szenarien

Die einjährige Vollzeitweiterbildung absolvierte er an der Höheren Landbauschule Triesdorf. Zu den Pflichtfächern gehörten Unternehmensführung und Unternehmerpersönlichkeit: Ersteres setzte sich aus den Bereichen Steuern, Recht und Betriebsführung zusammen, bei Letzterem ging es etwa um Kommunikation und Informationsmanagement. Darüber hinaus konnte jeder Teilnehmer aus mehreren Wahlfächern seinen Lehrplan gemäß den eigenen Interessen zusammenstellen. Zu den Fächern gehörten unter anderem Ökolandbau und Einkommenskombinationen: „Dabei geht es um zusätzliche Erwerbsalternativen zur landwirtschaftlichen Produktion wie Urlaub auf dem Bauernhof oder ein Hofladen“, erzählt Martin Turber. Er selbst entschied sich für Finanzanlagen, Programmierung und Kommunikation. „Wir haben reale Szenarien durchgespielt und gefilmt“, erinnert er sich. Es ging beispielsweise darum, was man beachten sollte, wenn man einen Kredit beantragt. Die Teilnehmer bekamen Tipps zum Aufbau ihrer Präsentation und zur Wahl überzeugender Argumente. Zum Schluss sahen sie sich die Aufnahmen an und besprachen, was man im Hinblick auf das eigene Auftreten noch besser machen könnte: „Danach achtet man sehr darauf, was man mit seinen Händen anstellt.“

Abends widmete sich Martin Turber den Hausaufgaben und festigte sein neu erworbenes Wissen. „Das Lernpensum war zu schaffen und fiel mir relativ leicht. Der Stoff hat mich aber auch sehr interessiert“, ergänzt er.

An der staatlichen Schule entstanden keine Lehrgangskosten. Lediglich für Kopien sowie für die Teilnahme an Exkursionen musste der angehende Betriebswirt aufkommen. Diese Kosten sowie seinen Lebensunterhalt finanzierte er aus privaten Rücklagen sowie mit Unterstützung seiner Familie.

Nüchternes Kalkulieren

Nach seiner Weiterbildung prüfte Martin Turber seinen Hof ganz nüchtern: „Kann ich meinen Betrieb ohne Mehrkosten – etwa für Umbaumaßnahmen – auf Ökolandbau umstellen? Kann ich mit benachbarten Höfen Maschinenkooperationen eingehen?“

Ohne nennenswerte Auswirkungen auf den laufenden Betrieb wandelt sich das Unternehmen nun in einen ökologisch bewirtschafteten Hof. Und mit einem benachbarten Landwirt teilt sich Martin Turber Spezialmaschinen; dafür setzte er entsprechende Verträge auf: „Ein Hof kann noch so gut bewirtschaftet sein – ohne vernünftige Verträge, etwa bei einer Maschinenkooperation, kann es sehr teuer werden.“ Auch bei seinen anderen Tätigkeiten – etwa bei der Erarbeitung von Plänen zur Landnutzung oder zum Viehbestand sowie bei der Vermarktung der eigenen Produkte – profitiert Martin Turber von dem Wissen aus seiner Weiterbildung.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/411