Baumpfleger

Leitern benutze ich eher selten, da sie die Bäume schädigen können. Ich klettere am liebsten.

Baumpflege als Beruf

Wenn ein Baum durch morsche Äste oder Sturmschäden die Sicherheit von Spaziergängern gefährdet, rückt Martin Windisch (35) mit der Säge an. Nur ein Fachmann sieht dem Baum später an, dass er Äste, Zweige und Blätter lassen musste.

Das Klettern liegt bei Martin Windisch in der Familie. Als sein Bruder, ein Dachdecker, mit dem Industrieklettern anfing, tat er es ihm gleich und absolvierte einen Seilkletterkurs. Einige Jahre später folgte eine weitere Schulung, in der er schnellere Aufstiegstechniken und den Umgang mit der Motorsäge trainierte.

Diese Kurse stellten für Martin Windisch nicht nur den Einstieg in das Baumklettern dar, sondern bildeten auch die Grundlage für die Selbstständigkeit des heute 35-Jährigen. „Ich komme aus der grünen Branche“, erklärt der ausgebildete Landwirtschaftlich-technische Laborant, „und fand die Verknüpfung von Baumpflege und Klettern für mich total passend.“ Er gründete seinen eigenen Betrieb; heute wird er von Kommunen und Hausverwaltungen mit der Baumkontrolle und -sanierung beauftragt.

Arbeitsplatz im Grünen

Den Großteil seines Arbeitslebens verbringt Martin Windisch im Freien – nur wenn das Wetter nicht mitspielt, bleibt er im Büro: „Bei starkem Regen oder Sturm ist es viel zu gefährlich, in einem 10 bis 50 Meter hohen Baum zu klettern, vielleicht sogar mit Motorsäge. Arbeitssicherheit ist das A und O in unserem Beruf – und Schwindelfreiheit“, fügt er schmunzelnd hinzu. Weil Baumpfleger aus Sicherheitsgründen immer im Team klettern, kooperiert er in der Bearbeitung von Aufträgen mit Kollegen. Wie Martin Windisch in den Baum kommt, hängt von der Größe ab. Bei größeren Bäumen könne man etwa den Hubsteiger einsetzen. „Leitern benutze ich eher selten, da sie die Bäume schädigen können. Ich klettere am liebsten“, sagt er.

Seine Aufträge umfassen Baumschnitt und -fällung ebenso wie etwa Entfernung von Fassadenbewuchs oder den Kronenentlastungsschnitt von Naturdenkmälern. „Wir mussten etwa die mächtige Krone einer 300 Jahre alten Eiche ausschneiden, weil sie laut Gutachten nur noch eingeschränkt bruchsicher war“, nennt er ein Beispiel. „Die Gefahr, dass bei starkem Wind Äste auf den Kirchplatz herabfallen, war einfach zu groß.“ Zusammen mit dem Sachverständigen sowie Vertretern von Kirchengemeinde und Naturschutzbehörde legt Martin Windisch vor Ort die Maßnahmen fest – er wägt ab, was statisch möglich ist, nimmt aber auch Rücksicht auf die Wünsche des Eigentümers.

Neben der Ausführung der Sanierungsarbeiten gehören auch organisatorische Aufgaben zum Alltag des Baumpflegers: „Ich vereinbare die Termine mit dem Kunden, plane den Einsatz der Maschinen, treffe Entscheidungen hinsichtlich Sicherheit und Absperrungen und achte darauf, dass alle ihre persönliche Schutzausrüstung tragen.“

Höherer Standard und neue Impulse

Seine Auftraggeber erwarten hohe Qualität. Auch aus diesem Grund entschied sich Martin Windisch vor Kurzem dafür, eine Weiterbildung zum Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung zu absolvieren: „Der Fachagrarwirt hat mir neuen Input gegeben, und ich konnte meine Kenntnisse etwa in Baumschadendiagnose, Baustellenvorbereitung, Arbeitsschutz, Unfallverhütung, Recht, Betriebswirtschaft und natürlich Baumpflege und -sanierung ausbauen.“ Die Zeit, in der er die Doppelbelastung aus Beruf und Fortbildung auf sich nahm, empfand er durchaus als fordernd: „Letztlich hat es mir aber viel gebracht, weil ich die Kunden auf der Grundlage von noch mehr Hintergrundwissen beraten kann.“

Auf lange Sicht sieht sich der zweifache Familienvater als Sachverständiger für Baumsanierung: „Schon jetzt bilde ich mich durch Lektüre und Fachvorträge weiter. Man lernt eben nie aus.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/590