Anpassungs­qualifizierung: Arbeits­techniken und -mittel in der Restaurierung

Wenn ich bei der Arbeit auf eine alte Metallverbindung stoße, kann ich einschätzen, wie sie entstanden ist.

Werkzeug selbst geschmiedet

Nicht alle Arbeitsgeräte, die ein Restaurator im Handwerk braucht, werden industriell gefertigt. In einem Seminar lernte der Zimmerermeister Mathias Gläser (48), sich spezielle Werkzeuge selbst anzufertigen.

Einen guten Restaurator zeichnet in den Augen von Mathias Gläser nicht nur handwerkliches Geschick aus: „Es geht auch um den Respekt vor dem historischen Kulturgut.“ Auch das war für den Zimmerermeister und geprüften Restaurator im Zimmererhandwerk ein Grund dafür, ein Seminar zum Thema „Werkzeugschmieden“ zu besuchen: „Wenn ich nun bei der Arbeit auf eine alte Metallverbindung stoße, kann ich einschätzen, wie sie entstanden ist“, erläutert er. „Und ich habe gleich ein Gefühl dafür, wie belastbar das Material ist.“

Das Seminar, das Mathias Gläser an der Akademie des Handwerks auf Schloss Raesfeld besuchte, richtete sich an Handwerker aus verschiedenen Fachbereichen. Neben Zimmerern nahmen auch Tischler, Steinmetze und Steinbildhauer, Stuckateure, Maurer, Maler und Dachdecker daran teil. Sie alle hatten gemein, dass sie in der Denkmalpflege arbeiten. Weil in diesem Arbeitsbereich immer wieder einmal historische Arbeitsgeräte benötigt werden, ist das Wissen um die Herstellung solcher Werkzeuge für die Fachkräfte sehr wertvoll.

Die Techniken eines Schmieds

Der Seminarleiter gab einen Überblick über die verwendeten Werkstoffe und führte die Teilnehmer in die Werktechniken eines Schmieds ein. Die Handwerker lernten beispielsweise, wie sie ein Stück Eisen mit dem Meißel spalten und wie sie es lochen müssen, um etwa die Klinge einer Axt am Holz befestigen zu können. Das Aufdornen, also das Vergrößern von Löchern im Schmiedestahl, gehörte ebenso zum Seminarprogramm wie das Breiten und Strecken, wodurch das Eisen in die gewünschte Form gebracht wird. Weiterhin wurde das Härten und Schärfen der Werkzeuge erläutert. Ungehärtetes Eisen ist für bestimmte Handwerksbereiche, etwa den von Steinmetzen, zu weich. Zwar arbeitet Mathias Gläser vor allem mit Holz, doch auch er härtete eines seiner selbst geschmiedeten Werkzeuge – einen Löffelbohrer: „So bleibt er länger scharf.“

Das zweitägige Seminar kostet in der Regel 330 Euro. Als Mitglied in der Fachgruppe der Restauratoren im Handwerk bezahlte Mathias Gläser jedoch nur 50 Euro.

Besseres Verständnis für das Material

Der 48-Jährige führt einen eigenen Zimmerer- und Restaurierungsbetrieb. Er ist oft auf Baustellen unterwegs. Zunächst führt er jeweils eine Bestandsaufnahme durch, anschließend erstellt er Sanierungskonzepte unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Gesichtspunkte. Bei der Ausführung der Arbeiten nutzt er oft die Werkzeuge, die er im Seminar hergestellt hat – etwa eine Stoßaxt oder Bauklammern: „Damit kann ich Rundhölzer, die ich auf historische Weise bearbeiten will, in der Lage sichern, damit sie nicht wegrollen“, erklärt er. Wenn er bei der Arbeit an einem historischen Gebäude Holzverbindungen sichern muss, benötigt der Restaurator solche Bauklammern in verschiedenen Größen: „Die selbst geschmiedeten sind einfach stabiler und sicherer als gekaufte.“

Die Werkzeuge könnte Mathias Gläser zwar auch bei einem Schmied in Auftrag geben, doch er betont: „Ich kann das Material besser verstehen und schätzen, wenn ich selbst daran gearbeitet habe.“ In seinem Berufsbereich sei das Wissen über die historischen Arbeitstechniken sehr wichtig. Beim Restaurieren arbeite man sozusagen rückwärts – und dabei müsse man genau wissen, wie Holz- und Stahlverbindungen aufgebaut sind.

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