Anpassungs­qualifizierung: Werkstoffe im Flugzeug­bau

Geschäftsreisejets sind nach modernsten Standards konstruiert.

Neue Muster in der Luftfahrt

Im Flugzeugbau kommen heutzutage innovative Kompositwerkstoffe zum Einsatz. Luftfahrttechniker wie Sascha Lehmann (35) reparieren Bauteile, die aus solchen Materialien bestehen.

Verbundwerkstoffe, etwa glasfaserverstärkte oder kohlenstoffverstärkte Kunststoffe, ersetzen zunehmend herkömmliche Metallkonstruktionen, denn sie sind leichter und langlebiger. Jedoch sind sie auch schwieriger zu handhaben.

Sascha Lehmann ist seit einigen Jahren Leiter der Abteilung für Faserverbundreparaturen bei der Rheinland Air Service GmbH in Mönchengladbach. Sein Arbeitgeber bietet Dienstleistungen für Kunden aus der Luftfahrt an, unter anderem Wartung, Reparatur und Betankung von Luftfahrzeugen. „Für meine Tätigkeit sind Anpassungsqualifizierungen notwendig, um die Qualität der Arbeit zu sichern“, sagt der ausgebildete Fluggerätmechaniker und Techniker der Fachrichtung Luftfahrttechnik. Um sich über Neuerungen zu informieren, nahm er am Grundlagenlehrgang zur „IHK-Fachkraft für Faserverbundwerkstoffe/CFK“ teil, der von der Management & Technologie Akademie, kurz mtec-akademie, in Stade angeboten wird.

Zwischen Wissenschaft und Anwendung

Für den einwöchigen Unterricht stellte Sascha Lehmanns Arbeitgeber ihn frei. Auch übernahm er die Kosten für den Kurs in Höhe von rund 1.600 Euro sowie für Unterbringung und Anreise.

In kleiner Klassenrunde vertieften die Teilnehmer ihre Kenntnisse in Bezug auf Herstellungs- und Reparaturverfahren für Faserverbundstrukturen sowie Werkstoffprüfung. Darüber hinaus beschäftigten sie sich mit weiterführenden Themen wie Umwelteinflüssen und Recycling. Auf dem Lehrplan standen dabei nicht nur anwendungsbezogenes Wissen, etwa was die Einsatzbereiche der Stoffe betrifft, sondern auch wissenschaftliche Aspekte. „Wir führten Berechnungen der Faserdichte durch und beschäftigten uns mit der Zusammensetzung.“ Am Ende des Zertifikatslehrgangs stand ein halbtägiges Praxistraining im Ausbildungszentrum der Airbus Operations GmbH an, bei dem die Teilnehmer gruppenweise Bauteile aus vorbereiteten Werkstoffen erstellten. Im Austausch mit den Teilnehmern aus verschiedenen Branchen konnte Sascha Lehmann wertvolle Anregungen für die eigenen Reparaturverfahren sammeln.

Strukturen durchleuchten

Sein Wissen gibt der Techniker an die rund 15 Mitarbeiter weiter, die in den Werkstätten seiner Abteilung tätig sind –etwa in der Lackierung, der Oberflächenversiegelung, im Composite Repair oder in der Flügelklappeninstandsetzung. Damit bereitet er sie auf neue Aufgaben vor: „Mein Arbeitgeber erweitert künftig seinen Kundenkreis von den privaten Fluggeräten und regionalen Airlines auf die Business Aviation“ – also auf den Geschäftsflugverkehr. „Geschäftsreisejets sind nach modernsten Standards konstruiert.“

Neben der Anleitung der Mitarbeiter gehört es zu den Aufgaben des Technikers, Reparaturen an Bauteilen oder deren Austausch zu veranlassen. Treten bei einem Flugzeug Mängel an den Faserverbundstrukturen auf, geht der Auftrag intern an Sascha Lehmann, der die Vorinspektion übernimmt und die weiteren Schritte koordiniert. „Oberflächliche Schäden wie Lackrisse oder Beulen nehme ich visuell wahr, während die tieferen Faserschichten mit Ultraschall durchleuchtet werden.“ Der Techniker kalkuliert die Kosten der Reparatur und stellt die Umsetzung der strengen EU-Sicherheitsbestimmung sicher – vom Chemikalien- und Lärmschutz bis hin zur korrekten Lagerung der Werkstoffe.

Für seine berufliche Zukunft stellt sich Sascha Lehmann vor, noch mehr Verantwortung zu übernehmen und die Prüferlizenz für das komplette Flugzeug zu erwerben.

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