Anpassungs­qualifizierung: Verarbeitung von Werk­stoffen

Man nimmt aus den Seminaren Anregungen mit, oft Kleinigkeiten, durch die man die Abläufe im Betrieb verbessern kann.

Ostsee voraus!

Leon Barthel (24) arbeitet auf einer traditionsreichen Werft, in der Motor- und Segelyachten gewartet und repariert werden. Er braucht dafür ein breit gefächertes Fachwissen, das er immer wieder aktualisiert und erweitert.

Am nördlichen Ufer der Travemündung, gut geschützt zwischen dem Fischereihafen und dem Skandinavienkai, einem der größten Fährhäfen Europas, liegt die Böbs-Werft. Die Kräne und das Schwimmdock sowie die Lackier- und Temperhalle reihen sich nahtlos in den Yachthafen mit seinen rund 120 Liegeplätzen ein. Hier können Yachten mit bis zu 25 Metern Länge anlegen, bis ins offene Meer sind es nur eineinhalb Seemeilen.

Leon Barthel durchlief bei seinem Arbeitgeber bereits seine Ausbildung zum Bootsbauer. „Hier werden keine Schiffe in Serie gebaut, sondern ganz unterschiedliche Boote und Yachten gewartet und repariert – vom Mast, Rigg und den Beschlägen bis Unterkante Kiel. Das macht die Arbeit so abwechslungsreich“, erzählt er. Alte Holz­boote, moderne Segelyachten, Freizeit- und gewerblich genutzte Schiffe bekommen hier eine neue Lackierung oder eine Unterwasserschiffsanierung, werden eingewintert und für die Saison wieder fit gemacht.

Bootsbauer als Universalhandwerker

Die abwechslungsreiche Arbeit setzt ein breit gefächertes Fachwissen voraus, das Leon Barthel immer wieder aktualisieren muss: „Wir sind nicht auf bestimmte Modelle spezialisiert, sondern warten ganz unterschiedliche Bootstypen. Jedes Boot hat seine Eigenarten. Ich muss mich mit Teakholz ebenso auskennen wie mit Aluminium, Stahl oder Fiberglas.“ Auch habe sich der Bootsbau in den vergangenen Jahren stark verändert, hin zu mehr Elektro- und Motorentechnik sowie zu komplexen Boardsystemen: „Die Ansprüche der Kunden werden immer höher“, so Leon Barthel.

Bootsbauer sind seit jeher Multitalente, sie führen auch Arbeiten als Schreiner, Schlosser, Lackierer und Elektriker aus. Leon Barthel und seine Kollegen installieren Tiefen- und Geschwindigkeitsmesser, bauen Gasöfen ein- und aus, schreinern Regale, bessern Schadstellen aus, sandstrahlen den Unterwasserschiffbereich auf dem Schwimmdock und bringen bis zu 150 Tonnen schwere Yachten ins Wasser beziehungsweise an Land.

Fachwissen über Lacke

„Um all das leisten zu können, ist es für mich wichtig, mein Wissen auf dem neuesten Stand zu halten“, erzählt er. Das sieht auch sein Arbeitgeber so. Regelmäßig besuchen die Bootsbauer Herstellerschulungen, in denen neue Materialien vorgestellt werden. Ein Beispiel ist etwa die Lackiertechnik. „Salzwasser, raue See sowie An- und Ablegemanöver setzen den Bootsoberflächen enorm zu. Ich habe daher zum Beispiel ein zweitägiges Seminar bei einer Generalvertretung für Hightechprodukte besucht, die auf Lacke- und Farben für Yachten spezialisiert ist. Die Produkte werden zum Teil auch in der Luftfahrt eingesetzt, weil sie extremen Bedingungen standhalten müssen. In dem Seminar ging es um die neuen Produkte und deren Applikationsmöglichkeiten, von der Handlackierung bis zum Kompressor. Viele Parameter wie etwa Luftfeuchtigkeit und Temperatur spielen da zusammen.“

Auch wenn Leon Barthel auf der Werft nicht in der Lackier- und Temperhalle eingesetzt ist, kann er dieses Fachwissen im Arbeitsalltag einbringen: „Man nimmt aus den Seminaren Anregungen mit, oft Kleinigkeiten, durch die man die Abläufe im Betrieb verbessern kann. Außerdem lernt man Fehler zu erkennen, die aufgrund von falscher Verarbeitung entstanden sind.“ Die Workshops kosten rund 400 Euro. Als Nächstes möchte er die Qualifizierung zum Gasprüfer machen

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