Anpassungs­qualifizierung: Gestaltung von Masken

Bei der Anfertigung von Silikonteilen habe ich mich gleich viel sicherer gefühlt.

Köpfe aus Silikon

Bereits während ihrer Ausbildung hatte Andrea Petrovic (35) viel über die Gestaltung von Masken gelernt – doch Materialien und Techniken ändern sich. Eine Fortbildung zum Umgang mit Silikonen brachte ihr wertvolle neue Kenntnisse.

Früher gehörte im Bereich Maske die Arbeit mit Schäumen zu den Standards – so auch für Andrea Petrovic. „Mittlerweile aber wünschen viele Regisseure und Ausstatter vermehrt real wirkende Körperteile. Die Maskenabteilung entscheidet sich inzwischen oft für die Anfertigung aus Silikon“, erklärt die ausgebildete Maskenbildnerin. „Das Material hat einige Vorteile, unter anderem ist es transparenter – so sieht nachgebildete Haut viel echter aus.“

Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, besuchte sie ein Seminar zum Thema Formenbau und Arbeiten mit Silikon. „Wir benötigten für die laufenden Inszenierungen sehr naturnahe Darstellungen, zum Beispiel den abgeschlagenen Kopf des Hauptdarstellers aus Silikon für die Enthauptung im Stück ‚Judith‘.“ Durchgeführt wurde die Schulung von der Berlin Skin Arts School in den Räumen des Staatstheaters Kassel, wo Andrea Petrovic zu der Zeit arbeitete. Die Werkstätten des Theaters stellten das Material zur Verfügung. Für die Dauer des Workshops wurde die Maskenbildnerin von ihrem Arbeitgeber freigestellt, dieser übernahm auch die Kosten in Höhe von etwa 500 Euro.

Mehr Sicherheit gewonnen

Der Kurs dauerte insgesamt fünf Tage mit jeweils sechs bis acht Stunden Unterricht täglich. Zunächst vertieften die Teilnehmer ihr Wissen in Bezug auf den Werkstoff. „Anschließend bekamen wir gezeigt, wie man aus dem Material eine Form baut oder auch fertige Gesichtsteile und sogenannte Dummys wie zum Beispiel eine Hand.“ Danach standen praktische Übungen auf dem Programm, in denen Andrea Petrovic und ihre Kollegen die Techniken selbst ausprobieren konnten.

Nach dem Workshop konnte die Maskenbildnerin das neu erworbene Wissen direkt in die Praxis umsetzen: „Bei der Anfertigung von Silikonteilen habe ich mich gleich viel sicherer gefühlt und kann seitdem mit weniger Produktverlust und in kürzerer Zeit arbeiten.“ Während sie vor der Schulung vor allem kleine Teile aus Silikon gefertigt hatte, waren es nach dem Kurs auch mal ganze Köpfe oder andere Körperteile.

Sensibel im Umgang mit Künstlern

Inzwischen ist Andrea Petrovic am Nürnberger Staatstheater angestellt und nutzt auch hier laufend das zusätzliche Wissen. Sie ist bei der Vorbereitung der Darsteller für alles zuständig, was „mit Haut und Haar zu tun hat“.

Ihre rund achtstündigen Arbeitstage beginnen meist mittags in der Werkstatt, wo sie unter anderem Perücken für die Vorstellung am Abend vorbereitet. Wenn alle dringenden Arbeiten erledigt sind, widmet sie sich zum Beispiel den erforderlichen Silikonteilen für die kommende Produktion. Weil dabei auch verschiedene Chemikalien eine Rolle spielen, informiert sie sich jeweils vorab, ob besondere Schutzmaßnahmen erforderlich sind, etwa spezielle Handschuhe. In diesem Zusammenhang hat sie mittlerweile auch eine interne Gefahrenschulung durchlaufen.

Nach der 17-Uhr-Pause geht es in die Maskenräume, wo sie zunächst die Darsteller für die Abendvorführung schminkt und frisiert. Auch im Laufe der Vorführung ist die Maskenbildnerin immer vor Ort: „Im Laufe des Stückes muss zum Beispiel auch mal jemand älter geschminkt oder eine Maske aufgefrischt werden“, erläutert sie. Am Ende der Vorstellung nimmt Andrea Petrovic den Schauspielern die Perücken ab und hilft beim Abschminken. Fingerspitzengefühl im Umgang mit den mal aufgeregten, mal introvertierten Künstlern ist in ihrem Beruf genauso wichtig wie Kreativität und handwerkliches Geschick.

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