Anpassungsqualifizierung: Elektromobilität

Es wird immer mehr Elektrofahrzeuge auf dem Markt geben. Bisher gibt es aber noch wenige Kollegen, die an solchen arbeiten dürfen.

Arbeiten unter Spannung

Kraftfahrzeugmechatroniker Danilo Bornemann (24) ist bereit für die Zukunft des Autos. Dank einer Anpassungsqualifizierung darf er nun an Elektrofahrzeugen unter Spannung arbeiten.

In kaum einer anderen Branche sind neue Technologien so rasant auf dem Vormarsch wie in der Autoindustrie. Schon bald könnten Elektromotoren den Verbrennungsmotor komplett ablösen, denn die E-Mobilität gilt als ein Ausweg aus einer drohenden Klimakatastrophe. Kraftfahrzeugmechatroniker*innen wie Danilo Bornemann brauchen dann zusätzliches Know-how. Nicht nur deshalb hat sich der 24-Jährige entschieden, eine Anpassungsqualifizierung im Bereich E-Mobilität zu absolvieren. „Es wird immer mehr Elektrofahrzeuge auf dem Markt geben. Bisher dürfen aber erst wenige Kollegen an solchen arbeiten“, sagt er. „In unserer Werkstatt gab es nur einen. Wer sich in diesem Bereich weiterbildet, ist also gefragt und hat auch eine gute Verhandlungsbasis für eine bessere Vergütung.“

Gefahren erkennen und absichern

An drei Tagen erlernte er bei der Handwerkskammer Erfurt in Theorie und Praxis, was es bei der Arbeit an E-Fahrzeugen zu beachten gilt. Im Zentrum dabei: das Arbeiten „unter Spannung“, denn während ein konventionelles Fahrzeug nur ein 12-Volt-Stromnetz hat, verfügt ein Elektrofahrzeug über ein Hochvoltstromnetz (HV-Stromnetz). In den Schulungen beschäftigte er sich deshalb mit Fragen wie diesen: Welche Gefahren gehen von Hochvoltfahrzeugen aus? Welche Sicherheitsmaßnahmen gilt es zu beachten? Und wie leistet man bei Stromunfällen erste Hilfe? „Wenn man vorher noch nie so eine Batterie auseinander genommen hat, hat man schon sehr viel Respekt. Schließlich liegen da 800 Volt vor einem“, sagt der Kraftfahrzeugmechatroniker. „Durch die Schulung habe ich meine Berührungsängste verloren, da wir wirklich ganz praktisch gearbeitet haben.“

Nun weiß er genau, welche Messungen er durchführen muss, um niemanden in Gefahr zu bringen, wenn er zum Beispiel die HV-Batterie öffnet, um einzelne Elektrik-Module im Innern auszutauschen. „Manche sind wassergekühlt, andere nicht. Jeder Hersteller hat seine eigenen Systeme. In der Schulung haben wir die wichtigsten HV-Antriebskonzepte kennengelernt, ganz herstellerunabhängig.“

Erst 2019 hat er seine Ausbildung abgeschlossen und damit an der Berufsschule die Basisgrundlagen für das Arbeiten mit HV-Systemen bereits mit auf seinen Weg bekommen. An Fahrzeugen unter Spannung durfte er dennoch nicht arbeiten. Erst mit dieser Schulung ist er berechtigt, beispielsweise noch ungesicherte E-Unfallfahrzeuge entgegenzunehmen und sie zu öffnen. Seine Kollegen mit älteren Abschlüssen dürften überhaupt nicht ans Fahrzeug ran, auch dann nicht, wenn Danilo Bornemann als Fachkundiger das Fahrzeug sozusagen gesichert hat. „Für Arbeiten an spannungslosen HV-Systemen muss man Fachkraft für Hochvoltsysteme sein. Diese Berechtigung gibt es erst seit 2013 mit dem Gesellenbrief inklusive“, merkt er an. „Ältere Kollegen müssen das also nachholen, bevor sie die Schulung für HV-Systeme unter Spannung absolvieren können. Das ist quasi ein Stufenlehrgangssystem.“

Mehr Fachwissen und Führungsverantwortung

Für Danilo Bornemann ist die Anpassungsqualifizierung eine wichtige Grundlage, um fachlich und beruflich voranzukommen. Im nächsten Jahr hat er vor, seinen Meister zu machen, mehr Verantwortung zu übernehmen und Azubis anzuleiten. In seiner eigenen Ausbildung hat er nur zweimal erlebt, wie ein Elektrofahrzeug in der Werkstatt gewartet wurde. „Das wird sicher mehr werden. Man kommt um die Elektromobilität nicht mehr herum. Wenn ich zukünftig Azubis anleiten will, muss ich mich da auskennen“, betont er. „Und zwar herstellerunabhängig, sonst weiß man ja nur über ein System Bescheid und muss immer wieder nachschulen, wenn man die Werkstatt wechselt. Das ist sehr zeitaufwändig“. Deshalb rät er allen Kraftfahrzeugmechatroniker*innen eine solche, herstellerunabhängige Schulung schon bald ins Auge zu fassen.

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