Anpassungs­qualifizierung: Asbest­sachkunde­lehrgang

Wenn ich mich langfristig für einen Kehrbezirk bewerbe, habe ich schon die notwendigen Voraussetzungen dafür.

Schritt für Schritt in Richtung Selbstständigkeit

Irgendwann möchte sich Jan Gröbner (24) für einen eigenen Kehrbezirk bewerben. Weil Berufserfahrung und profunde Kenntnisse wichtige Vergabekriterien sind, bildet sich der Schornsteinfegermeister regelmäßig weiter.

In Deutschland werden Kehrbezirke nach einem Punktesystem vergeben – eine gute Note in der Meisterprüfung bringt ebenso Punkte wie Fortbildungen. Noch kehrt der Schornsteinfegermeister Jan Gröbner zusammen mit seinem Bruder und Chef Ralf Gröbner die Schornsteine rund um Kirchenlamitz im Fichtelgebirge. Doch für die Zukunft ist ein eigener Kehrbezirk durchaus eine interessante Option für ihn. Gemäß dem Motto „Wer rastet, der rostet“ bildet er sich folglich regelmäßig fort. So besuchte er etwa am Aus- und Fortbildungszentrum Mühlbach in Dietfurt den Asbestsachkundelehrgang nach TRGS (Technische Regeln für Gefahrstoffe) 519 Anlage 4C.

Asbest erkennen und bewerten

In dem zweitägigen Seminar – die Kosten in Höhe von 350 Euro zahlte er aus eigener Tasche – lernte Jan Gröbner eine Menge über das stark gesundheitsgefährdende Material, das in Deutschland erst im Jahr 1993 verboten wurde. Eigenschaften, Verwendung und besondere Vorschriften im Zusammenhang mit Asbest wurden in dem Kurs ebenso behandelt wie das Vorkommen und die Identifikation von schwach gebundenen Asbestprodukten. Diese haben einen hohen Asbestanteil und geben wegen ihrer schwachen Bindung Asbestfasern sehr leicht an die Luft ab. Besonderes Augenmerk lag neben der Gerätetechnik und den Schornsteinfegertätigkeiten auf den gesundheitlichen Risiken der besonders stabilen Mineralfaser und den damit notwendigen Sicherheitsvorkehrungen: „Eine Atemschutzmaske ist im Umgang mit Asbest unbedingt erforderlich. Und damit die Asbestfasern nicht freigesetzt werden, verwenden wir das sogenannte Schwamm-Kehrverfahren“, erklärt der 24-Jährige. Wenn Jan Gröbner mit Kunden über anstehende Umbauarbeiten spricht, weist er sie auf gegebenenfalls vorhandenes Asbest hin und gibt Tipps zum Umgang damit. „Die meisten Bauherren sind sich der Gefahren aber bewusst“, ergänzt der Schornsteinfegermeister.

Fit für den eigenen Kehrbezirk

Seine Termine arbeitet Jan Gröbner selbstständig ab. Vor Ort bei den Kunden nimmt er Abgasmessungen und Abgaswege­überprüfungen vor, putzt Ofenrohre und reinigt Schornsteine, ganz traditionell mit Stoßbesen und Kehrleine. Dabei ist er sein eigener Herr: „Das ist einerseits eine große Verantwortung, macht mich aber auch fit für den eigenen Kehrbezirk.“ Seit er den Asbestsachkunde-Kurs gemacht hat, achtet er verstärkt auf das Material: „Ich war überrascht, wie häufig Asbest noch vorkommt – für mich war das immer ein Relikt aus den 70er-Jahren. Es findet sich vor allem in den Dichtungsschnüren alter Ofentüren, als Heizkörperverkleidung oder auch in Heizkesseln aus den 80er-Jahren.“

In seinem Beruf braucht Jan Gröbner nicht nur fundierte Fachkenntnisse, sondern muss auch offen auf Menschen zugehen können. „Als Lehrling war ich noch relativ schüchtern, doch das hat sich schnell gegeben. Ich unterhalte mich gern mit meinen Kunden.“

Um am Ball zu bleiben und Punkte für den eigenen Kehrbezirk zu sammeln, möchte er auch in Zukunft Fortbildungen besuchen und sein Fachwissen schrittweise erweitern. Der nächste Lehrgang, den er ins Auge gefasst hat, ist eine vierwöchige Weiterbildung zum Gebäudeenergieberater: „Wenn ich mich langfristig für einen Kehrbezirk bewerbe, habe ich schon die notwendigen Voraussetzungen dafür“, sagt der Schornsteinfegermeister.

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