Verkehrs­planung, Verkehrs­management

Nachtaufnahme von fahrenden Autos mit Langzeitbelichtung

Die Arbeitswelt im Überblick

Die Akademiker*innen aus dem Bereich Verkehrsplanung und Verkehrsmanagement sorgen dafür, dass öffentliche Verkehrsmittel pünktlich sind, der Verlauf neuer Straßen umweltverträglich ist und die Passagiere am Flughafen einen guten Service genießen. Welche Möglichkeiten bietet der Arbeitsmarkt? Welche Trends sind wichtig?

Millionen Deutsche pendeln Tag für Tag in die Arbeit oder zur Schule, nehmen den Bus ins Freibad oder besuchen Freunde in der Nachbarstadt. Dabei verlassen sie sich darauf, dass die Straßen frei und gut ausgebaut sind, dass Busse und Bahnen pünktlich fahren und auch der Verbindungsplan im Netz stets aktuell ist. Hinter diesen Leistungen stecken die Hochschulabsolventen und -absolventinnen aus dem Bereich Verkehrsplanung und Verkehrsmanagement.

In dieser Arbeitswelt sind die unterschiedlichsten Berufe vertreten. Als Verkehrsbetriebswirt*in im Management eines Verkehrsverbundes sorgst du etwa dafür, dass S-Bahnen und Anschlussbusse im optimalen Takt fahren. Oder du überprüfst, ob sich die geplante Expressbuslinie rechnet. Als Verkehrsingenieur*in kümmerst du dich etwa um den Verlauf neuer Radwege oder U-Bahn-Linien. Und als Fluglots*in behältst du den Überblick über den Luftraum: Du leitest die Piloten so an, dass Flugzeuge stets einen sicheren Abstand zueinander einhalten.

Egal ob man für den Verkehr auf der Straße, der Schiene, dem Wasser oder in der Luft zuständig ist – von Akademikern und Akademikerinnen dieser Arbeitswelt wird nicht nur Fachwissen aus dem Studium erwartet, sondern auch Planungs- und Organisationsfähigkeit. Da man oft im Team arbeitet, sind Kommunikationsstärke und Teamfähigkeit ebenfalls ein Muss. Technisches Verständnis und ein Sinn für Zahlen und Statistiken runden das Profil ab.

Ein wichtiger Arbeitgeber für die Akademiker*innen dieses Berufsfeldes ist der öffentliche Personennahverkehr, kurz ÖPNV. Auch die deutschen Flughäfen sind als Arbeitgeber interessant, ebenso Bahnkonzerne, Verkehrsmittelhersteller, Bauunternehmen und Ingenieurbüros für Verkehrsplanung. Zudem werden im Öffentlichen Dienst, etwa im Bereich Bahnwesen oder in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, Spezialisten auf dem Gebiet der Verkehrsplanung benötigt.

Ralf Beckmann, Experte der Bundesagentur für Arbeit, erläutert die Situation am Arbeitsmarkt: „Bei der Berufsgruppe Überwachung und Steuerung des Verkehrsbetriebs handelt es sich um eine kleine Gruppe, für die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren kaum eine Rolle gespielt hat. Allerdings fiel auch die Zahl der gemeldeten Stellen überschaubar aus. Räumliche Mobilität und Flexibilität bei der Wahl des Arbeitgebers sind beim Berufseinstieg daher unverzichtbar.“

Aus dem Luftverkehr ist der Autopilot nicht mehr wegzudenken, und auch fahrerlose U-Bahnen und Züge sind bereits weltweit im Einsatz. Nun steht mit dem selbstfahrenden Auto die nächste Zukunftsvision kurz vor dem technischen Durchbruch. Verkehrsforscher beschäftigen sich intensiv mit dieser Technologie, wissen jedoch, dass diese am grundsätzlichen Problem der Verkehrsplanung wenig ändern kann – dem hohen Verkehrsaufkommen auf der Straße, das Staus verursacht und die Umwelt ebenso schädigt wie die Gesundheit der Menschen.

Angesichts stetig wachsender Verkehrsströme ist die Weiterentwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) also unabdingbar, aber auch von gänzlich neuen Mobilitätskonzepten können wertvolle Impulse ausgehen. Große Hoffnungen setzen Verkehrsplaner*innen etwa in das Carsharing. Vor allem im innerstädtischen Bereich könnte es in Kombination mit gut ausgebauten Fahrradwegen und einem leistungsfähigen ÖPNV zu einem wichtigen Mobilitätsmodell werden. Auch technische Innovationen, beispielsweise intelligente Smartphone-Apps zur Suche nach freien Parkplätzen, könnten den Verkehr in Zukunft effizienter machen. Und nicht zuletzt ist es ein wichtiges Thema, die Ladeinfrastruktur für emissionsfreie Elektromobile aufzubauen.

Bei der Verwirklichung ihrer Konzepte müssen Verkehrsplaner*innen sowie die Manager*innen von Verkehrsunternehmen und Flughafengesellschaften einerseits die Rentabilität beachten, aber andererseits auch die Bürger einbeziehen. Anwohner sind schließlich direkt davon betroffen, wenn ein Flughafen erweitert oder eine neue Straße gebaut werden soll. Für Akademiker*innen dieser Arbeitswelt wird es also immer wichtiger, dass sie sich mit neuen Methoden der Bürgerbeteiligung auseinandersetzen. <<

Portrait von Marcus Gersinske.

Interview mit Marcus Gersinske vorm Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV)

Verkehr steuern und finanzieren

Herr Gersinske, welche Trends werden das Mobilitätsmanagement in Zukunft bestimmen?
Marcus Gersinske: Das Eigentum am eigenen Auto wird langfristig betrachtet nicht mehr so interessant sein. Bereits heute zeigt sich, dass die junge Generation gerne Sharing-Angebote nutzt, zum Beispiel E-Scooter und Leihfahrräder, aber auch Car Sharing-Modelle sind in Städten im Kommen. Dabei spielen Apps auf dem Smartphone eine sehr große Rolle. Sie vernetzen die verschiedenen Verkehrsträger und vereinfachen den Umstieg auf umweltfreundlichere Transportmittel, machen die Nutzung, Buchung und Abwicklung flexibler. Damit sind sie ein wichtiger Baustein der Verkehrswende zum Schutz des Klimas. Eine hoch vernetzte Mobilität beinhaltet auch Busse und Bahnen. Sie sind der Motor der Mobilitätswende. Corona wird diese Tendenzen nicht aufhalten.

Wie sehen die Arbeitsmarktchancen speziell für Akademiker*innen aus?
Marcus Gersinske: Die Verkehrswende erfordert mehr Personal. Ziel ist ja, dass bis 2030 ein Drittel mehr Busse und Bahnen unterwegs sind und ein Viertel mehr Güterverkehr über die Schienen läuft. Von den aktuell 151.000 Beschäftigten allein im öffentlichen Personenverkehr gehen aber bis 2030 zirka 50 Prozent in Rente. Deshalb sucht die Mobilitätsbranche viele gute, junge, fachlich qualifizierte Leute. Im akademischen Bereich sind insbesondere Ingenieure und IT-Experten gefragt. Auch Geographen und Verkehrsplaner haben sehr gute Berufsperspektiven. Außerdem braucht die Branche viele technische und kaufmännische Fachkräfte, die eine Berufsausbildung oder ein duales Studium absolviert haben.

Wie steht es denn um die Entwicklungsmöglichkeiten?
Marcus Gersinske: Unternehmen in unserem Verband legen großen Wert darauf, dass neue Mitarbeitende schnell Verantwortung übernehmen. Es gibt Programme, die Azubis oder Berufseinsteiger gezielt an die Hand nehmen und Schritt für Schritt in ihrem Sinne fördern. Gerade weil in den kommenden zehn Jahren sehr viele Beschäftigte in den Ruhestand gehen, sind die Chancen für ein Weiterkommen auf der Karriereleiter sehr gut. Die Branche bietet vielfältige Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung, etwa im Rahmen eines berufsbegleitenden Masterstudiums ÖPNV und Mobilität.<<

Absolventen der Fachrichtungen Ingenieur- und Wirtschaftsingenieurwesen, Informatik und Wirtschaftsinformatik, Luft- und Raumfahrt, Immobilienwirtschaft und Logistik – für eine „gute Reise“ sorgen bei Fraport viele Expertinnen und Experten. Wissen und Können sind aber nicht nur an unserem Flughafen in Frankfurt gefragt. Immer wichtiger werden unsere Beteiligungen im Ausland. Erfolgsfaktoren an allen Standorten sind: persönlicher Einsatz, Teamgeist, interkulturelle Kompetenz und Fremdsprachenkenntnisse – natürlich Englisch, aber auch Spanisch, Russisch oder Chinesisch.

Hochschulabsolventen sind bei uns vor allem an konzeptionellen und planerischen Aufgaben beteiligt. Wesentlicher Bestandteil des Aufgabengebietes ist es, konkrete Konzepte für das Verkehrsangebot zu erarbeiten, zu bewerten und diese in der Öffentlichkeit zu vertreten. Neben dem Abschluss in einem einschlägigen Studienfach ist es vorteilhaft, wenn die Absolventen erste Erfahrungen im Verkehrswesen und dem Projektmanagement, etwa im Rahmen eines Praktikums, sammeln konnten.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Betriebswirtschaftslehre
  • Flugsicherheit
  • Fremdsprachen
  • Kalkulation, Kostenanalyse
  • Kundenberatung, -betreuung
  • Marketing
  • Personen- und Reiseverkehr
  • Projektmanagement
  • Recht (Straßen- und Verkehrsrecht, Flugrecht, Wirtschaftsrecht etc.)
  • Verkehrsmanagement
  • Verkehrsplanung, Regionalplanung

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Entscheidungsstärke, Führungskompetenz
  • Kommunikations- und Präsentationsstärke
  • Planungs- und Organisationsstärke
  • Reise-/Mobilitätsbereitschaft
  • Selbstorganisation
  • Team- und Kooperationsfähigkeit
  • Überzeugungsfähigkeit, Durchsetzungsstärke
  • Urteilsvermögen
  • Verantwortungsbewusstsein
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/verkehrsplanung-verkehrsmanagement