Transport, Lager und Logistik

Container am Hafen in Nürnberg

Die Arbeitswelt im Überblick

Ohne eine perfekt funktionierende Logistik liefe vieles in unserem Alltag nicht. An den Schnittstellen zwischen Transport, Lager und Logistik steuern Akademiker*innen alle wichtigen Prozesse. Welche Chancen bietet der Arbeitsmarkt? Und was sind die Trends?

Gute Logistik sorgt dafür, dass Güter – ob Toilettenpapier aus Polen, Milch von der Molkerei aus Nord- nach Süddeutschland, Smartphones aus Ostasien oder deutsche Maschinenteile für die Fabrik in Amerika – stets zur rechten Zeit an dem Ort sind, an dem sie gerade gebraucht werden. Die Aufgabe von Logistikexpert*innen ist es, diese Warenströme sorgfältig zu planen und zu organisieren – rund um die Uhr werden Tag für Tag Waren zugestellt.

Als Projektmanager*in bei einer Reederei oder Spedition stellst du etwa sicher, dass Liefertermine und Qualitätsstandards eingehalten werden. Akademiker*innen sind nicht nur dafür zuständig, dass Waren von A nach B transportiert werden. In Handelsunternehmen organisieren Logistikbetriebswirt*innen auch die Lagerung und Distribution von Waren. So gewährleisten sie, dass auch bei Lieferengpässen, kein Mangel herrscht. Oder sie arbeiten im Controlling und werten Statistiken und Wirtschaftsdaten von Logistikprozessen aus. Ingenieur*innen kümmern sich dagegen oft um die technischen Aspekte der Logistik – also darum, dass der Fuhrpark und die Sortieranlagen stets auf dem aktuellen Stand der Technik sind.

Generell muss die gesamte Lieferkette reibungslos und effizient funktionieren, trotz und gerade in Krisenzeiten. Der Schlüssel dazu ist – neben betriebswirtschaftlichem Wissen und kaufmännischem Gespür – Teamfähigkeit, die nicht nur über Grenzen hinweg immer wichtiger wird. Absolvent*innen aus diesem Bereich sollten über kommunikative und interkulturelle Kompetenzen verfügen und offen sein für unterschiedliche Mentalitäten. Sichere Fremdsprachenkenntnisse, am besten über das obligatorische Englisch hinaus, sind in dieser Arbeitswelt Pflicht. Allgemein helfen Kommunikationsstärke und Durchsetzungsvermögen beim Kontakt zu Kund*innen und Geschäftspartner*innen im In- und Ausland.

Auch wenn Corona die Transport- und Logistikbranche hart trifft, gilt der Bereich als einer der größten Wirtschaftszweige Deutschlands. Arbeitsplätze finden sich nicht nur bei Speditionen, Postdienstleistern und anderen spezialisierten Logistikbetrieben. Vielmehr werden die Expert*innen dieser Arbeitswelt in Unternehmen praktisch aller Wirtschaftszweige beschäftigt – etwa in der Industrie, im Handel und bei Verkehrsunternehmen. Auch Beratungsgesellschaften oder Forschungsinstitute sind mögliche Arbeitgeber.

Ralf Beckmann, Experte der Bundesagentur für Arbeit, beschreibt die Situation am Arbeitsmarkt als positiv: „Die Arbeitslosigkeit befand sich in den letzten Jahren auf einem niedrigen Niveau, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg an. Insgesamt bietet dieses Teilberufsfeld gute Chancen für Berufseinsteiger."

Aufgrund des hohen Kostendrucks in der Logistik muss die Lieferkette – „Supply Chain“ genannt – bestmöglich organisiert sein. Schon länger sind sogenannte RFID-Chips im Einsatz, die es ermöglichen, per Funk Lagerbestände zu erfassen und Lieferungen zu verfolgen. In Zukunft könnte die Supply Chain sogar komplett automatisiert werden: In der „intelligenten“ Fabrik von morgen sollen computergesteuerte Maschinen automatisch Nachschub oder Ersatzteile bestellen. Expert*innen sprechen hierbei von „Industrie 4.0“ oder „Logistik 4.0“: Noch größere Veränderungen für die Transportbranche könnte der 3-D-Druck mit sich bringen: Wenn Unternehmen ihre Ersatzteile einfach und preisgünstig an Ort und Stelle selbst „ausdrucken“, würde das Transporte zwischen den Fabriken überflüssig machen. Einige Speditionen überlegen deshalb, in Zukunft selbst einen 3-D-Druckservice anzubieten. Das Ergebnis ist eine Art De-Globalisierung, das heißt Ersatzteile, die bisher aus Asien importiert werden mussten, können nun auch kostengünstig im Inland hergestellt werden. Dieser Trend des „Reshorings“ wird durch Corona noch verstärkt. 

Ein wichtiges Thema, das die Logistikbranche umtreibt, ist der Klimaschutz. Wer Energie und Ressourcen einspart, reduziert CO2-Emissionen und gleichzeitig die Kosten. Wasserstoffmobilität oder die vollständige Elektrifizierung des Verkehrs werden diskutiert, Konzepte für mehr Güter wieder zurück auf die Schiene entwickelt oder neue Möglichkeiten des automatisierten Fahrens getestet: Beim sogenannten „Platooning“ fahren Lkw im Windschatten der anderen und halten nur minimalen Abstand. Möglich macht das ein digitales System, das die Fahrweise der Lkw automatisch aneinander anpasst. Der Verkehr fließt gleichmäßiger, dadurch sinken Kraftstoffverbrauch und Emissionen. <<

Portrait von Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer.

Interview mit Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer, Vorsitzender des Vorstands der Bundesvereinigung Logistik (BVL)

Zwischen Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Herr Professor Wimmer, welche Trends gibt es im Wirtschaftsbereich Logistik?
Thomas Wimmer: Die drei Top-Themen der nächsten Jahre sind die Digitalisierung der Geschäftsprozesse, die Transparenz in der Wertschöpfungskette und der allgegenwärtige Kostendruck. Ebenfalls zu den Top-Trends zählen die Nachhaltigkeit logistischer Abläufe und der Fachkräftemangel.

Welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger*innen gestellt?
Thomas Wimmer: Besonders gesucht werden Ingenieure und Wirtschaftsingenieure, Betriebswirte und Informatiker mit einem Studienschwerpunkt in Logistik oder Supply-Chain-Management. Neben den fachlichen Qualifikationen sind analytische Fähigkeiten, Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenz und Entscheidungsfreude unerlässlich, ebenso wie IT-Kenntnisse.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es für Akademiker*innen?
Thomas Wimmer: Die Aufgaben in der Logistik werden von Jahr zu Jahr komplexer, und die Unternehmen suchen hoch qualifizierte Mitarbeiter, um ihren Kunden nachhaltige, innovative Leistungen und Lösungen anbieten zu können. Wir registrieren einen tendenziell wachsenden Arbeitsmarkt für Akademiker in der Logistik. <<

Teamfähigkeit, Mehrsprachigkeit und die Freude am Umgang mit unterschiedlichsten Menschen sind Voraussetzungen für einen erfolgreichen Berufsstart im internationalen Transportgeschäft. Bei uns geht es nicht nur um Themen wie Logistik, Container-Umschlag und Kombinierter Verkehr. Akademiker finden eine Reihe von interessanten Tätigkeiten, zum Beispiel in der Planung von Terminals oder der Beschaffung von Kränen, Schiffen und Waggons. Zudem sind IT-Fachleute, Juristen, Marketing- und Vertriebsexperten sowie Kaufleute mit einem logistischen Bezug gefragt.

Wer sich für ein Logistikstudium an einer dualen Hochschule entscheidet, kann in einem mittelständischen Unternehmen erste Praxiserfahrung sammeln. Die Hierarchien sind flach, und man kann in sämtliche Bereiche hineinschnuppern. Von den Studierenden erwarten wir ein hohes Maß an Motivation und Flexibilität. Es kann schon mal sein, dass man spontan selbst mit Hand anlegen muss. Wer bei uns arbeitet, muss bereit sein, früh Verantwortung zu übernehmen. Generell sind die Karrierechancen nach dem Studium im Mittelstand gut.

Die Luftfracht ist eine Branche für Macher und Teamplayer. Wer Lust auf ein dynamisches und internationales Umfeld hat, ist hier richtig. Man kann schnell Verantwortung übernehmen, an spannenden Projekten mitwirken und eigene Ideen einbringen. Der Einstieg gelingt Wirtschaftswissenschaftlern, Ingenieuren und Logistikern und – aufgrund der Digitalisierung – zunehmend auch IT-Experten. Ob Handling, Netzplanung oder das Mitgestalten großer Digitalisierungsprojekte: Unsere Jobs sind vielfältig, und die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten, besteht fast immer.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Ausschreibung, Vergabe, Leistungsbeschreibung
  • Betriebswirtschaftslehre
  • Kalkulation
  • Maschinentechnik
  • Navigation (Nautik)
  • Personalwesen
  • Personenverkehr
  • Projektmanagement
  • Qualitätsmanagement
  • Sachbearbeitung
  • Spedition, Logistik
  • Straßen-, Schienenverkehr
  • Transport, Verkehr

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Durchsetzungsvermögen
  • Entscheidungsstärke
  • Führungskompetenz
  • Kommunikationsstärke
  • Kooperationsfähigkeit
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Reise-/Mobilitätsbereitschaft
  • Selbstorganisation
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/transport-lager-und-logistik