Tourismus und Frei­zeit­wirtschaft

Weisse Strandkörbe auf Sandstrand am Meer.

Die Arbeitswelt im Überblick

Profis rund um die Tourismus- und Freizeitwirtschaft sorgen dafür, dass die Menschen ihre freien Tage genießen können – sei es im Badeurlaub oder auf Städtereise.Wie entwickeln sich die Beschäftigungschancen trotz Corona? Was sind die Trends?

So manche Führungsposition in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft wird von Akademikern oder Akademikerinnen besetzt: Wenn es etwa gilt, eine Urlaubsregion zu vermarkten oder ein großes Event betriebswirtschaftlich und technisch zu planen, kommen oftmals entsprechend qualifizierte Hochschulabsolvent*innen zum Zug. Neben dem Vergnügen ihre Gäste haben sie dabei die aktuellen Hygienemaßnahmen im Blick.

Touristikbetriebswirt*innen entwickeln beispielsweise Reiseangebote für Touristikkonzerne, führen Verhandlungen mit Geschäftspartnern aus Hotellerie, Gastronomie und Flugbranche und stellen Gesamtpakete für die Reisenden zusammen. Verkehrsamtsleiter*innen haben die Aufgabe, die Übernachtungszahlen trotz Auflagen in ihrer Region zu steigern. Event-Manager*innen organisieren die passenden Räume für eine Veranstaltung, buchen Künstler*innen und kümmern sich um das Marketing. An der Schnittstelle zwischen Auftraggebern und Agenturen haben sie dabei stets die Kosten im Blick. Ingenieur*innen für Veranstaltungstechnik stellen dagegen sicher, dass bei großen Events vom Ton über die Beleuchtung bis hin zu Spezialeffekten alles reibungslos funktioniert.

In dieser Arbeitswelt sind Organisationstalent, Belastbarkeit sowie Kommunikations- und Verhandlungsgeschick gefordert. Tourismusprofis müssen außerdem flexibel und kreativ agieren und spontan Lösungen entwickeln können, wenn unvorhergesehene Probleme auftauchen. Die Arbeitszeiten können durchaus unregelmäßig sein, mit Terminen auch am Wochenende sollte man rechnen. Dafür bietet sich oftmals die Chance, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen.

Deutschland zählt zu den beliebtesten Reisezielen in Europa: Pro Jahr übernachten normalerweise mehrere Hundert Millionen ausländischer Gäste in Deutschland. Insbesondere der Städtetourismus profitiert davon. Die Branche galt bisher als einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Zu den potenziellen Arbeitgebern insbesondere für Akademiker*innen zählen neben Touristikkonzernen und Reiseveranstaltern auch Fluggesellschaften oder Kur- und Touristikämter. Auch im Eventsektor finden Hochschulabsolvent*innen Beschäftigung, zum Beispiel bei Veranstaltungsagenturen, Messe- und Kongresszentren sowie Konzert- und Theaterveranstaltern, die ihre Angebote mittlerweile auch virtuell anbieten. In beiden Bereichen ist Selbstständigkeit eine interessante Option, wenn man neue Konzepte anstrebt, etwa als Agenturinhaber*in oder mit einem Ingenieurbüro für Veranstaltungstechnik.

Die jeweilige konjunkturelle und epidemiologische Lage beeinflussen die Nachfrage nach den Dienstleistungen dieser Arbeitswelt, etwa im Messe- und Veranstaltungsmanagement oder bei Fernreisen. Freizeit und Wellness sind dennoch vielen Menschen wichtig. Die Bereitschaft, dafür Geld auszugeben, ist hoch. Dies bestätigt auch Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin der Bundesagentur für Arbeit: „Dank der hohen Nachfrage nach Freizeit- und Sportaktivitäten hat sich die Beschäftigtenzahl positiv entwickelt. Die Arbeitslosigkeit fällt aber insgesamt vergleichsweise hoch aus – Tourismus-, Freizeit- und Sportberufe stehen bei Berufsanfänger*innen hoch im Kurs. Die Corona-Krise hat in der Tourismus- und Veranstaltungsbranche zu einem Einbruch geführt, was die geringe Nachfrage nach Personal noch weiter hat sinken lassen.“

Das Internet hat das Arbeitsumfeld in allen Bereichen der Tourismus- und Freizeitwirtschaft stark verändert. Der Online-Reisemarkt wächst beständig. Ganz allgemein sind Computer und Smartphone mittlerweile das zentrale Informations- und Buchungsmedium für viele Reisende und Eventbesucher*innen geworden – dies eröffnet Chancen für Hochschulabsolvent*innen, die mit sozialen und virtuellen Medien vertraut sind und gute Ideen haben, wie man Angebote auf Smartphones und Tablets für die Branche nutzen kann. Um gegen die flexible und teilweise auch günstigere Konkurrenz aus dem Netz bestehen zu können, setzen stationäre Reisebüros auf besondere Qualität und individuelle Beratung.

Wichtige Trends in der Tourismusbranche sind auch die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Immer mehr Reisende achten darauf, dass die Veranstalter bestimmte soziale und ökologische Standards einhalten, zum Beispiel bei der Entlohnung der Angestellten oder beim Einkauf regionaler Lebensmittel. <<

Portrait von Nicole von Stockert.

Interview mit Nicole von Stockert vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW)

Große Sehnsucht nach Freizeitangeboten

Frau von Stockert, wie geht es der Tourismuswirtschaft?
Nicole von Stockert: Die Corona-Krise trifft die Tourismusbranche hart. Lockdowns, Reisewarnungen, dauerhafte Beschränkungen und Auflagen und allgemein die Verunsicherung, die das Virus und die politischen Maßnahmen mit sich gebracht haben, haben dazu geführt, dass die Menschen deutlich weniger gereist sind und weniger Ausflüge gemacht haben. Die grundsätzliche Reiselust der Menschen ist aber nach wie vor vorhanden, und wir halten es für denkbar, dass die Sehnsucht nach Reisen und Freizeitangeboten in den belastenden Pandemiemonaten sogar noch wächst. Wir rechnen deshalb damit, dass sich die Branche wieder erholen wird, wenn Impfstoffe und/oder Medikamente vorhanden sind. Wann dies sein wird, wissen wir leider noch nicht.

Was bedeutet dies für Hochschulabsolvent*innen im Bereich Tourismuswirtschaft?
Nicole von Stockert: Genaue Prognosen sind schwierig, da nicht vorhersehbar ist, wie lange diese Krise dauern wird. Wenn wir aber davon ausgehen, dass relativ zeitnah Impfstoffe eingesetzt werden können und danach auch eine Erholung im Tourismus einsetzt, werden sich auch die Chancen auf dem touristischen Arbeitsmarkt parallel dazu erholen.

Gibt es neue berufliche Anforderungen, die sich aus den jüngsten Entwicklungen ergeben? Welche Qualifikation sollte man mitbringen?
Nicole von Stockert: An den generellen Anforderungen ändert sich wenig: Service- und Dienstleistungsmentalität, Interesse an internationalen Zusammenhängen oder auch die Bereitschaft zum Arbeiten jenseits klassischer „nine to five“-Zeiten sollte man mitbringen. Denn egal ob Airline, Hotel, Freizeitpark oder Reiseveranstalter: Der Gast steht im Mittelpunkt, abends und am Wochenende arbeiten gehört häufig dazu, und Tourismus ist in vielen Sektoren ein globales Geschäft.
Es ist davon auszugehen, dass er (noch) digitaler, individueller und nachhaltiger werden wird. Dazu tragen zum Teil die Erfahrungen aus der Corona-Krise bei, zum Teil – gerade beim Klimaschutz – hat sich die Entwicklung aber auch schon zuvor abgezeichnet. Die gefragten Qualifikationen sind so vielfältig wie die Arbeitsfelder im Tourismus. Und Absolventen mit spezifischen Tourismusschwerpunkten haben ebenso Chancen wie Generalisten, darunter Betriebswirtschaftler, ITler, Juristen oder Marketing- und Kommunikationsexperten. <<

Tourismus heißt Dienstleistung: Auf die Kunden zugehen, immer bereit sein, Wünsche zu erfüllen – das ist wichtig. Viel Einsatz ist gefordert, auch außerhalb der üblichen Bürozeiten. Interessenten sollten betriebswirtschaftliche Kenntnisse mitbringen, bei Geografen ist auch Wissen im Bereich Raumplanung hilfreich. Und die Bereitschaft zur Fortbildung muss gegeben sein. Grundsätzlich wird sich die Corona-Krise auf den Tourismusstandort Deutschland auswirken, was sich auch auf die aktuellen Berufsaussichten in der Tourismusbranche niederschlagen wird.

Messemanager sind Organisationstalente, Netzwerker und gute Verkäufer. Eine solide betriebswirtschaftliche Grundlage gehört dazu. Wer eine Karriere im Messewesen anstrebt, sollte frühzeitig Erfahrungen in der Veranstaltungsorganisation sammeln. Praktika bei Messen, Event-Agenturen oder Festivals helfen, die eigenen Talente und die Belastbarkeit zu testen. Das Messewesen bietet viele Perspektiven – vom Messe-, Kongress- und Eventmanagement über Marketing bis hin zu Berufen in der IT oder Verwaltung.

Die Tourismusbranche bietet vielfältige Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten für Akademiker. Neben den Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher und touristischer Studiengänge stellt unsere Branche auch für Informatiker oder E-Commerce-Fachleute eine reizvolle Option dar. Absolventen können entweder national oder international direkt einsteigen oder im Rahmen von Traineeprogrammen starten. Begeisterungsfähigkeit, unternehmerisches Denken, Kreativität, Analysefähigkeit und eine hohe IT-Affinität sind Kompetenzen, die im Tourismus sehr gefragt sind.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Betriebswirtschaftslehre (Kalkulation, Controlling, Finanzplanung)
  • Event- bzw. Kultur-Management
  • Fremdsprachenkenntnisse
  • Kunden- bzw. Gästebetreuung, Beratung
  • Marketing und Werbung
  • Reiseveranstaltung, Reisevermittlung, Reiseleitung
  • Veranstaltungs-, Tontechnik 

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Kommunikationsstärke
  • Kontaktstärke
  • Kreativität
  • Kundenorientierung
  • Mitarbeiter- und Menschenführung
  • Mobilitätsbereitschaft und Flexibilität
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Teamfähigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/tourismus-und-freizeitwirtschaft