Pflege und Patienten­versorgung

Blick auf eine geöffnete Krankenakte, auf der eine Pillendose und ein Kugelschreiben liegen.

Die Arbeitswelt im Überblick

In kaum einem anderen Berufsfeld arbeitet man so eng mit Menschen zusammen wie in der Pflege und Patientenversorgung. Im Kern geht es dabei darum, für alle Beteiligten die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Welche Trends zeichnen sich am Arbeitsmarkt ab?

Im pflegerischen Bereich übernehmen Hochschulabsolvent*innen hauptsächlich konzeptionelle, organisatorische und leitende Aufgaben in Kliniken, Krankenhäusern, Altenheimen oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Sie kümmern sich um die Aus- und Weiterbildung von Pflegepersonal und entlasten Ärzt*innen und Therapeut*innen. Dabei zielt ihre Arbeit darauf ab, für Patient*innen, Pflegepersonal und Ärzt*innen gute Bedingungen zu schaffen, um eine medizinische, ethische und wirtschaftlich bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. Dazu strukturieren sie beispielsweise Arbeitsabläufe, schreiben Dienstpläne, kümmern sich um die Einhaltung der gesetzlichen Dokumentationspflichten und entwickeln neue Pflegeansätze, etwa für den Einsatz neuer Technologien.

Arztassistent*innen und studierte Hebammen sind näher an den Menschen dran und übernehmen auch medizinisch-versorgende Tätigkeiten. Pflegepädagog*innen unterrichten unter anderem an klinikinternen Berufsfachschulen und beschäftigen sich dabei intensiv mit Themen an der Schnittstelle zwischen Medizin, Hygiene, Recht, Ethik, Soziologie und Psychologie – oder sie gehen in die akademische Lehre an Hochschulen. Dort sind Pflegewissenschaftler*innen auch forschend tätig. Weiterhin finden sie Anstellung bei Sozial- und Wohlfahrtsverbänden oder bei Versicherungen.

Aufgrund der vielseitigen Einsatzmöglichkeiten sind die Anforderungen im Berufsfeld Pflege und Patientenversorgung breitgefächert. Als Führungskraft in der Pflege trägst du große Verantwortung für andere Menschen. Du musst fähig sein, Entscheidungen zu treffen, über Kommunikationsstärke verfügen und stets Verschwiegenheit wahren. Organisationstalent und Belastbarkeit sollten dich auszeichnen, ebenso wie Aufgeschlossenheit und Empathie für die Probleme der Mitarbeitenden und Patient*innen. Bei einem zunehmend ökonomisierten Gesundheitswesen sind kaufmännische Fähigkeiten sowie rechnerisches Denken ebenfalls zentral – gerade in Leitungspositionen bei Einrichtungen in freier Trägerschaft.

Pflegepädagog*innen sollten auch pädagogisches Geschick mitbringen und gut beobachten und analysieren können. Denn schließlich gilt es den Leistungs- und Entwicklungstand der Studierenden oder Auszubildenden beurteilen zu können. Diese Fähigkeit kommt auch forschenden Pflegewissenschaftler*innen zugute, die darüber hinaus Spaß am Durchdringen komplexer Zusammenhänge haben sollten. Arztassistent*innen und Hebammen wiederum brauchen zudem räumliches Vorstellungsvermögen, Fingerfertigkeit sowie Stressresistenz, um etwa Untersuchungsergebnisse richtig zu interpretieren oder Wunden unter Zeitdruck zu versorgen.

Die Ausgaben für Pflege sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Viele Milliarden Euro wurden für pflegerische Leistungen ausgegeben. Die Gründe für die Kostensteigerungen sind vielfältig, einer der wichtigsten ist der sogenannte demografische Wandel: Die Menschen werden im Durchschnitt immer älter, die Fallzahlen altersbedingter Krankheiten steigen. Auch die Corona-Pandemie gibt dem Berufsfeld zunehmende Bedeutung.

Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin der Bundesagentur für Arbeit, beurteilt die Perspektiven in diesem Berufsbereich positiv: „Der Gesundheitssektor ist eine Branche mit Zukunft. Entsprechend gute Arbeitsmarktchancen bieten sich Pflegewissenschaftlern. Arbeitslosigkeit spielt bei dieser Berufsgruppe kaum eine Rolle. Allerdings gibt es bislang in dieser Berufsgruppe nur relativ wenige Beschäftigte mit einem akademischen Hintergrund. Entsprechend klein ist auch die Zahl der für Akademiker gemeldeten Stellen."

Was potenzielle Arbeitgeber betrifft, so gibt es viele Optionen: Krankenhäuser, Praxen, Pflegeheime, Rehabilitationszentren, berufliche Schulen und Hochschulen.

In vielen Bereichen des Arbeitsfelds Pflege und Patientenversorgung wurden früher vor allem Fachkräfte mit Berufsausbildung beschäftigt. Mittlerweile gibt es jedoch zahlreiche Studiengänge. Expert*innen erwarten, dass Hochschulabsolvent*innen in Zukunft vor allem bei der Besetzung von Führungspositionen im Vorteil sein könnten. Trotzdem ist es auch für akademisch qualifizierte Kräfte von großem Vorteil, praktische Erfahrungen zu besitzen. Für viele Pflegestudiengänge wird eine einschlägige Berufsausbildung sogar vorausgesetzt. Zudem gibt es duale Studienangebote, die Berufsausbildung und akademische Lehre kombinieren.

Übrigens: Auch nach dem Studium hört das Lernen nicht auf: Pflegewissenschaftler*innen sollten sich zum Beispiel über gesetzliche Änderungen – etwa über modifizierte Voraussetzungen zur Anerkennung einer Pflegebedürftigkeit – ebenso auf dem Laufenden halten wie über neue Software und technische Innovationen. Dank Fortschritten in der Robotertechnologie könnten beispielsweise schon bald technische Assistenzsysteme auf den Markt kommen, die Pflegekräfte bei Routinetätigkeiten wie der Essen- oder Medikamentenabgabe unterstützen. „Pflegeroboter“, die menschliche Pflegekräfte ersetzen können, sind aktuell aber noch Zukunftsmusik. <<

Portrait von Johanna Knüppel.

Interview mit Johanna Knüppel vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe

Pflege ist der Jobmotor der Zukunft

Frau Knüppel, wie hat sich der Pflegesektor in den vergangenen Jahren verändert?
Johanna Knüppel: In den letzten Jahren sind viele pflegerische Studiengänge entstanden. Der Bedarf ist gestiegen, das sieht man am Stellenmarkt: Pflegepädagogen und Führungskräfte aller Ebenen sind sehr gefragt, aber auch Pflegeexperten mit speziellem Fachwissen. Auch für den Bereich Altenhilfe entwickelt sich ein boomender Markt, in dem Pflegemanager gebraucht werden. Die Versorgungssituationen werden immer komplexer: Sie zu bewältigen und auch zu steuern, erfordert hohe Kompetenz.

Welche Voraussetzungen müssen Berufseinsteiger*innen erfüllen?
Johanna Knüppel: Für die Aufbau-Studiengänge sollten sie pflegerische Berufserfahrung mitbringen. Ansonsten wird selbstverständlich Belastbarkeit erwartet, denn der Druck in diesem Berufsfeld nimmt aufgrund von wirtschaftlichen Zwängen, denen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen unterliegen, stetig zu.

Wie sehen die Karrierechancen und Entwicklungsmöglichkeiten in diesem Bereich aus?
Johanna Knüppel: Die beruflichen Aussichten für Akademiker sind gut. Neben den weiterbildenden Studiengängen Pflegemanagement, Pflegewissenschaft und Pflegepädagogik bieten zahlreiche grundständige Studiengänge mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung, beispielsweise der Bachelor of Nursing, große und kontinuierlich wachsende Chancen auf dem Arbeitsmarkt Gesundheitswesen. <<

Schon jetzt sind Pflege-Fachleute auf dem Arbeitsmarkt begehrt und können auf gute Tarif-Gehälter und sichere Arbeitsplätze setzen. Der Bedarf in den Krankenhäusern ist groß. Wer Interesse an medizinischen Themen hat und auf der Suche nach einer erfüllenden und sinnvollen Tätigkeit ist, wird im Krankenhaus fündig. Künftig kann man den Pflegeberuf auch in Form eines vierjährigen Studiums erlernen. Zahlreiche Hochschulen bieten zudem Aufbau-Studiengänge an, die es allen Pflegekräften ermöglichen, sich zu spezialisieren und damit beachtliche Karriereoptionen zu schaffen.

Eine gute pflegerische Versorgung, etwa für psychisch kranke Menschen, setzt viele Kernkompetenzen voraus. Dazu gehören eine fundierte theoretische und praktische Ausbildung sowie eine ausgeprägte Reflexionsfähigkeit der eigenen Tätigkeit. Am besten geht das durch praktische Erfahrungen. Möglich ist das zum Beispiel im Rahmen eines dualen Studiums in der Pflege, wie es etwa von den Bezirkskliniken Mittelfranken in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule Nürnberg angeboten wird.

Pflegepädagogen sind sehr begehrt, nicht nur an beruflichen Schulen und Hochschulen, sondern auch in vielen anderen Bereichen des Gesundheits- und Sozialwesens. Das merken wir hier deutlich; wir hätten nach Ausschreibungen gerne mehr Bewerber. Voraussetzung für eine Tätigkeit an unserer Schule ist neben der pädagogischen Qualifikation auch praktische Erfahrung im erlernten Gesundheitsberuf. Elementar für diesen anspruchsvollen und schönen Beruf sind fachliche und soziale Kompetenzen – also vor allem das Interesse, Menschen in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung begleiten zu wollen, um sie zu einem professionellen Pflegehandeln zu befähigen.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Gesundheitsvorsorge (Prävention)
  • Gesundheitswissenschaften
  • Leitungsaufgaben und Mitarbeiterführung
  • Patientenbetreuung
  • Pflege-, Medizinpädagogik
  • Pflegemanagement
  • Pflegewissenschaften
  • Rehabilitation
  • Unterricht, Lehrtätigkeit

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz
  • Einfühlungsvermögen (Empathie)
  • Entscheidungsstärke
  • Kommunikationsstärke
  • Motivationsfähigkeit
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • psychische und emotionale Stabilität
  • Selbstorganisation
  • Urteilsvermögen
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Verschwiegenheit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/pflege-patientenversorgung