Lehr­amt

Schulkreide, Tafel, Schule

Die Arbeitswelt im Überblick

Im Lehramt hast du viel mit Menschen zu tun – und mit Fächern, die dich interessieren. Welche Bedingungen und Möglichkeiten gibt es am Arbeitsmarkt. Was sind aktuelle Trends?

Sie sind in der Primar- oder Sekundarstufe tätig, an Gesamtschulen oder Gymnasien, allgemeinbildenden oder beruflichen Schulen – je nach Schulart und Klassenstufe kann sich der Berufsalltag von Lehrer*innen oft stark unterscheiden. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten. Auf Grundlage des Lehrplans und des Wissensstandes ihrer Klasse bereiten Lehrer*innen den Unterricht vor. Dafür greifen sie nicht nur auf bestehende Unterrichtsmaterialien zurück, sondern werten auch aktuelle Fachliteratur und Medien aus. Sie erstellen Klassenarbeiten, korrigieren und bewerten diese – und das nicht selten abends oder am Wochenende. Gute Lehrer*innen wissen lernschwache und begabte Schüler*innen gleichermaßen zu fördern und schaffen es, Einwandererkinder, die die Sprache nicht gut beherrschen, in ihren Unterricht zu integrieren. Außerdem führen Lehrer*innen Elterngespräche und kümmern sich um die Organisation von Klassenfahrten und anderen Schulveranstaltungen.

Grundvoraussetzung für den Beruf ist, dass du gerne mit Menschen arbeitest und keine Scheu hast, vor einer größeren Gruppe zu sprechen. Wichtig sind gute Nerven, Geduld und Durchsetzungsfähigkeit. Zudem solltest du Selbstdisziplin mitbringen und dich gut organisieren können – wenn du Aufgaben gerne mal auf den nächsten Tag verschiebst, könntest du später im Beruf Probleme bekommen. Als Lehrer*in solltest du Freude an deinem Fach haben und diese weitergeben können. Zudem benötigst du Kenntnisse in Didaktik und Pädagogik sowie Offenheit und Interesse für Konzepte und Tools, die für einen digitalen Unterricht notwendig sind. Diese Kompetenzen erwirbst du (noch) nicht im Studium oder im anschließenden Lehramtsreferendariat. Deshalb ist in diesem Punkt Kreativität und Eigeninitiative gefragt.

Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte der Bundesagentur für Arbeit, berichtet, dass sich die Arbeitsmarktlage für Lehrer in den vergangenen Jahren positiv entwickelt hat: „Teilweise klagen Arbeitgeber über Besetzungsengpässe. Die Situation stellt sich jedoch nach Bundesländern, Schulformen und Schulfächern unterschiedlich dar.“

Wie die Beschäftigungssituation in Zukunft aussehen wird, ist nur schwer vorherzusehen. Viele Prognosen rechnen eigentlich mit grundsätzlich sinkenden Schüler*innenzahlen in den kommenden Jahren und einem dementsprechend rückläufigen Lehrer*innenbedarf. Was aber passiert, wenn Corona durch Klassenteilungen mehr Lehrkräfte erfordert? Und wie verändert sich der Bedarf, wenn die Politik das Rentenalter für Lehrer*innen herauf- oder heruntersetzt? Solche gesellschaftlichen Entwicklungen und politischen Entscheidungen sind nicht immer vorhersehbar. Die Lehrer*innenbedarfsprognose von heute kann also morgen schon veraltet sein.

Je unsicherer die Prognosen, desto wichtiger ist Flexibilität: Wer Lehramt studieren will, sollte hinsichtlich der Unterrichtsfächer variabel sein und die Bereitschaft mitbringen, nach dem Studienabschluss in ein anderes Bundesland oder an eine andere Schulform als ursprünglich geplant zu wechseln. Zudem gibt es nicht nur beim Staat, sondern auch im privaten Bildungsbereich Stellen.

Bildung ist Ländersache, weshalb sich die Schulsysteme in Deutschland sehr stark unterscheiden. So können die beruflichen Bedingungen verschieden sein. Während beispielsweise ein Teil der Bundesländer ihre neuen Lehrer*innen verbeamtet, beschäftigt sie der andere Teil stattdessen auf Angestelltenbasis. Die Studienwege ins Lehramt unterscheiden sich ebenso – in manchen Bundesländern wurde der Zugang vornehmlich auf Bachelor und Master umgestellt, in anderen ist weiterhin das Staatsexamen maßgeblich. Generell gilt: Der Lehrberuf und die Lehramtsausbildung wandeln sich beständig. Wenn du über ein Lehramtsstudium nachdenkst, solltest du dich daher vorab genau über den aktuellen Stand informieren, etwa bei den Hochschulen und auf den Internetseiten der jeweiligen Kultusministerien. Diese stellen länderspezifische Bedarfsprognosen bereit.

Die Bildungsstandards der einzelnen Bundesländer sollen in Zukunft mehr und mehr vereinheitlicht werden, um eine bessere Vergleichbarkeit der Leistungen zu erreichen und den Wechsel in ein anderes Bundesland für Schüler*innen und Lehrer*innen zu erleichtern. Dieser Trend zeigt sich in der steigenden Bedeutung von Bildungsvergleichsstudien wie PISA.<<

Portrait Heinz-Peter Meidinger

Interview mit Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes

Humor hilft im Unterricht

Herr Meidinger,  wie hat sich der Lehrer*innen-Beruf in den vergangenen Jahren verändert?
Heinz-Peter Meidinger: Natürlich hat die wachsende Heterogenität der Schülerschaft die Anforderungen an den Lehrerberuf verändert. Diagnosefähigkeit und individuelle Förderung sind wichtiger geworden. Aber trotz fortschreitender Digitalisierung wird die zentrale Rolle der Lehrkraft als wesentliches Medium des Lernprozesses erhalten bleiben. Wer den Lehrer der Zukunft auf eine Rolle als Lernbegleiter oder Moderator reduzieren will, irrt sich.

Welche Fähigkeiten sollten Lehrer*innen  mitbringen?
Heinz-Peter Meidinger: Es sind mehrere Persönlichkeitsmerkmale, die angehende Lehrkräfte bereits ins Studium mitbringen sollten: Erstens sollten sie Kinder mögen, also Empathiefähigkeit mitbringen. Zweitens sollten sie für ihre Fächer brennen und ihre Begeisterung dafür auf die Kinder übertragen können. Und drittens sollten angehende Lehrkräfte Humor haben. Der hilft, den Unterricht aufzulockern, und zeigt überdies, dass man sich selbst nicht zu ernst nimmt.

Beim Lehramt für Grundschulen haben angehende Lehrkräfte sehr gute Chancen auf eine feste Anstellung in Bayern. Für den Bereich der Mittelschulen zeichnen sich langfristig beste Einstellungschancen ab. Gleiches gilt für das Lehramt Sonderpädagogik. Beim Lehramt für Realschulen ist bereits in sehr vielen Fächerverbindungen die Einstellungssituation günstig, in den kommenden Jahren werden sich die Einstellungschancen weiter erhöhen. Auch beim Lehramt für Gymnasien wird sich die Lage in den nächsten Jahren kontinuierlich verbessern. Das Jahr 2025 erfordert bei der Einstellung für den Gymnasialbereich einen Sonderbedarf, da erstmals in diesem Jahr die Schülerinnen und Schüler des neuen 9-jährigen Gymnasiums die Jahrgangsstufe 13 erreichen werden. Auch an den beruflichen Schulen sind die Einstellungsaussichten auf längere Sicht grundsätzlich sehr günstig. Zusammenfassend kann man also sagen, dass für angehende Lehrkräfte in den nächsten Jahren in allen Lehramtsbereichen gute bis sehr gute Einstellungschancen erwartet werden.

Lehrerin oder Lehrer in NRW zu werden heißt, einen Beruf mit besten Zukunftsaussichten zu ergreifen. Deswegen läuft mit Schlau machen - Lehrer werden eine umfassende Lehrer-Werbekampagne. Die Einstellungschancen in Nordrhein-Westfalen sind in den kommenden zehn Jahren für die Lehrämter an Grundschulen, an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen (Sekundarstufe I), an Berufskollegs und für das Lehramt für sonderpädagogische Förderung sehr gut. Mit welchen Fächerkombinationen sich sogar hervorragende Einstellungschancen ergeben, darüber informiert der Chancenrechner.“

Wer sich für den Lehrerberuf entscheidet, sollte vor allem gern mit Schülern arbeiten und sich für seine Unterrichtsfächer begeistern können. Im sächsischen Schuldienst sind die beruflichen Perspektiven für Absolventen der Lehramtsstudiengänge sehr gut. Einen besonders großen Einstellungsbedarf gibt es für Lehrkräfte in ländlichen Regionen und außerhalb der Ballungszentren Dresden und Leipzig. Welche Schularten und Fächerkombinationen besonders gebraucht werden und wie der Traum vom Lehrerberuf im Seiteneinstieg gelingen kann, erfahren alle Interessierten auf unserer Internetseite.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Didaktik
  • Dokumentation
  • Erziehungswissenschaft, Pädagogik
  • Lernzielkontrolle
  • Methodik
  • Schulpsychologie
  • Unterrichtsmethoden
  • weitere Anforderungen unterscheiden sich je nach Fachgebiet und Einsatzbereich des Lehrers/der Lehrerin

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • Durchsetzungsvermögen
  • Einfühlungsvermögen
  • Geduld
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Konfliktfähigkeit
  • Kritikfähigkeit
  • Motivationsfähigkeit
  • Organisationsvermögen
  • Präsentationsfähigkeit
  • Urteilsvermögen
  • Verantwortungsbewusstsein
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/lehramt