Gehobener und höherer Dienst

Vertragsmappe und Füller

Die Arbeitswelt im Überblick

Der gehobene und höhere Dienst bietet ein breites Spektrum an Berufen – für alle, die gerne zum Wohl der Gesellschaft beitragen möchten. Welche Trends sind wichtig für das Berufsfeld?

Beamt*innen dieser Arbeitswelt arbeiten für die innere und äußere Sicherheit des Landes, zum Beispiel bei der Polizei oder im Justizvollzugsdienst. Auch in der allgemeinen Verwaltung – von kommunalen Behörden über Kreis- und Bezirksverwaltungen bis hin zu Landes- oder Bundesministerien – werden sie benötigt. Menschen mit einer Leidenschaft für Zahlen sind bei der Bundesbank ebenso wie bei der Finanz- und Steuerverwaltung gern gesehene Mitarbeiter*innen.

Bereits heute und auch zukünftig werden Spezialist*innen im IT-Bereich benötigt, die – angesichts der Problematik von Big Data und Cyberkriminalität – Vorkehrungen treffen, um die Bürger*innen zu schützen.

Bei so vielen unterschiedlichen Berufen sind die Arbeitsabläufe naturgemäß sehr unterschiedlich. Eine Gemeinsamkeit gibt es aber dennoch: Rechtliche Fachkenntnisse sind die Grundlage aller Arbeitsschritte. Du erwirbst sie im Rahmen des vergüteten Vorbereitungsdienstes für die Beamtenlaufbahn. Im Laufe des Berufslebens übernimmst du als Beamt*in im gehobenen oder höheren Dienst später oft leitende Aufgaben. Du planst, organisierst, leitest und kontrollierst Verwaltungsprozesse und übernimmst nicht selten Personalverantwortung.

Neben den notwendigen Fachkenntnissen solltest du für eine Tätigkeit in der Verwaltung vor allem eine sorgfältige, systematische Arbeitsweise an den Tag legen. Weil du oftmals viel Kontakt zu den Bürger*innen hast, sind auch Kommunikationsstärke, Servicedenken und Freude am Umgang mit Menschen unverzichtbar. Ebenso ist Teamfähigkeit wichtig, denn häufig musst du dich mit anderen Mitarbeitenden oder Abteilungen abstimmen. Außerdem kann es in manchen Berufen wichtig sein, über Durchsetzungsfähigkeit zu verfügen sowie schnell und zielsicher Entscheidungen treffen zu können, etwa im Polizeidienst.

Der Öffentliche Dienst beschäftigt mehrere Millionen Mitarbeiter*innen und ist damit einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Rund ein Drittel davon ist in den für Abiturient*innen relevanten Laufbahngruppen des gehobenen und höheren Dienstes angesiedelt. Zu den wichtigen Aufgabenbereichen gehören die Finanzverwaltung, die politische Führung und zentrale Verwaltung sowie die soziale Sicherung.

Die meisten Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes waren bei den Bundesländern und den Kommunen tätig, deutlich weniger waren es auf Bundesebene sowie bei den Sozialversicherungen, also zum Beispiel bei der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung.

Wie sich der Personalbedarf im Öffentlichen Dienst in den kommenden Jahren entwickeln wird, lässt sich nur schwer vorhersagen. Auf der einen Seite sind die Anforderungen an den Staat in vielen Bereichen gestiegen. Durch Corona und davor durch die Flüchtlingszuwanderung wurden zuletzt zahlreiche zusätzliche Mitarbeiter*innen benötigt, unter anderem für Gesundheits- und Ordnungsämter, den Polizeidienst oder den Sozial- und Bildungsbereich. Auf der anderen Seite stehen die beständigen Bemühungen, die deutschen Verwaltungen durch Personaleinsparungen „schlanker“ zu machen. Was wird in Zukunft überwiegen? Das hängt nicht zuletzt von politischen Entscheidungen und der öffentlichen Haushaltslage ab.

Ein Trend in der Öffentlichen Verwaltung ist das Bestreben, die Bürger*innen direkter an Entscheidungen zu beteiligen. Transparenz und Mitbestimmung werden heute nicht mehr nur über Arbeitskreise und Bürgerversammlungen erreicht, sondern auch über Online-Beteiligungsformate. So werden Verwaltungen direkt mit den Ansichten, Bedürfnissen und Wünschen der Bürger*innen konfrontiert, zudem lässt sich die Akzeptanz für manche umstrittene Projekte steigern.

Ein zweiter wichtiger Trend: Verwaltungsprozesse sollen effizienter werden – zum Beispiel durch die Digitalisierung und den verstärkten Einsatz von Spezialsoftware und Online-Verfahren. Auch die Serviceorientierung von Behörden lässt sich durch den Einsatz von IT steigern – Stichwort: E-Government: Immer mehr Kommunen und Behörden stellen den Bürger*innen Formulare und Anträge online zur Verfügung, darüber hinaus gibt es erste Apps, über die Bürger*innen informiert oder gewarnt werden. Ganz wichtig ist dabei, dass die sensiblen Daten vor Hackerangriffen und Datenmissbrauch geschützt werden müssen. <<

Portrait von Dr. Frank Zitka.

Interview mit Dr. Frank Zitka von der Gewerkschaft DBB Beamtenbund und Tarifunion

Berufseinsteiger*innen haben sehr gute Chancen

Herr Dr. Zitka, in welche Richtung entwickelt sich der Öffentliche Dienst?
Frank Zitka: Allein wegen der generellen Überalterung des Öffentlichen Dienstes – in den nächsten zehn Jahren werden über eine Million Beschäftigte in den Ruhestand wechseln – müssen demnächst viele Stellen neu besetzt werden. Hinzu kommt der akute Personalbedarf durch den vermehrten Flüchtlingszuzug und die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Die Politik beginnt auf diesen Bedarf zu reagieren und passt die Stellenpläne entsprechend an. Uns fehlen aber immer noch über 300.000 Leute. In den kommenden Jahren haben Berufseinsteiger also gute Chancen im Öffentlichen Dienst.

Was macht den Reiz aus, im Öffentlichen Dienst zu arbeiten?
Frank Zitka: Das Engagement für unsere Gesellschaft und der sichere Arbeitsplatz. Es gibt zwar gegenüber einzelnen Branchen in der Privatwirtschaft Einkommensnachteile, dafür hat man eine lebenslange Anstellung. Die Bezahlung ist also im Prinzip angemessen, es gibt im Öffentlichen Dienst kein hartes Lohndumping wie in vielen Bereichen der Privatwirtschaft.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten haben Akademiker*innen?
Frank Zitka: Da ist gerade im höheren Dienst vieles möglich. Die meisten Karrierewege im Öffentlichen Dienst sind allerdings stark vorgezeichnet. Es gibt feste Aufstiegschancen, die sich an Aufgaben und Berufsjahren orientieren. In der Regel weiß man beim Berufseinstieg, was in den nächsten Jahren auf einen zukommt. <<

Die Polizei Berlin freut sich über Abiturientinnen und Abiturienten im gehobenen Dienst der Schutz- und Kriminalpolizei, die gerne im Team arbeiten, kommunikativ sind und sich mit Freude den unterschiedlichen Anforderungen in einer Weltmetropole wie Berlin stellen. Die Verhütung und Verfolgung von Straftaten gehört ebenso dazu wie beispielsweise die Sicherung von Demonstrationen. Um hier „punkten“ zu können, sind insbesondere gute deutsche Sprachkenntnisse, ein einwandfreier Leumund und körperliche Fitness gefragt. Alle Infos sind auf der Homepage der Polizei Berlin zu finden.

Der Umweltschutz ist eine Daueraufgabe für Behörden. Seine Wichtigkeit zeigt sich schon durch die Ausstrahlung auf viele andere Lebensbereiche wie Gesundheit, Wirtschaft, Tourismus und die Natur als unsere Lebensgrundlage. Schwerpunkte unserer Arbeit bilden der Klimaschutz und die Energiewende, Naturschutz, Kreislaufwirtschaft und Umwelttechnik. Bei uns arbeiten Akademiker mit den unterschiedlichsten Ausrichtungen: Volks- und Betriebswirte, Juristen ebenso wie Naturwissenschaftler, Umwelttechniker, Ingenieure und Spezialisten für Information und Kommunikation. Interdisziplinarität und Teamarbeit haben einen hohen Stellenwert.

„Weltweit wir!“ Wer bei uns einsteigt, setzt deutsche Außenpolitik mit um – sei es durch politische Länderanalysen oder Hilfe für in Not geratene Deutsche. Neben der deutschen Staatsangehörigkeit sollten Bewerber überdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten, politisches Interesse sowie gute Sprachkenntnisse mitbringen. Auch sollten sie belastbar, kontaktfreudig und flexibel sein, denn sie wechseln alle paar Jahre den Einsatzort. Dafür bieten wir eine sichere, lebenslange Beschäftigung. Voraussetzung im höheren Dienst ist ein Master- oder vergleichbares Studium. Für den gehobenen Dienst bieten wir ein praxisorientiertes duales Studium an.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Beamtenrecht
  • Controlling
  • Haushaltsrecht
  • Informations- und Kommunikationsmanagement
  • Kosten- und Leistungsrechnung
  • Personalwesen
  • Statistik
  • Vertragsrecht
  • Verwaltungsrecht

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • Entscheidungsstärke
  • Führungskompetenz
  • Kommunikationsstärke
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
  • systematische Arbeitsweise
  • Teamfähigkeit
  • Überzeugungsfähigkeit
  • Urteilsvermögen
  • Verantwortungsbewusstsein
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/gehobener-und-hoherer-dienst