Fahr­zeug­technik, Luft- und Raum­fahrt­technik, Schiffs­technik

beleuchtete Autokarosserie

Die Arbeitswelt im Überblick

Expert*innen der Fahrzeugtechnik, der Luft- und Raumfahrttechnik sowie der Schiffstechnik arbeiten an der Mobilität von morgen – neuartige Motoren, innovative Verbundstoffe und ausgefeilte Elektronik bestimmen das Bild. Was tut sich am Arbeitsmarkt? Welche Trends bestimmen das Berufsleben?

Akademiker*innen dieser Arbeitswelt suchen nach Lösungen, um unsere Verkehrsmittel bequemer, schneller, sicherer und umweltfreundlicher zu machen. Als Ingenieur*in der Fahrzeugtechnik forschst du zum Beispiel in der Entwicklungsabteilung eines Automobilherstellers am Elektromobil der Zukunft. In der Luftfahrttechnik programmierst du Simulationen, um die Materialien und Bauteile eines neuen Jets zu testen. Und im Schiffbau kannst du etwa an der Konstruktion von Luxusjachten oder Kreuzfahrtschiffen mitwirken.

Egal für welchen Beruf du dich entscheidest: Von Akademikern und Akademikerinnen wird erwartet, dass sie neben dem Fachwissen aus dem Studium auch Kompetenzen wie Planungs- und Organisationstalent sowie Kommunikationsstärke und Teamfähigkeit mitbringen. Sie arbeiten meist gemeinsam an der Realisierung von Projekten und übernehmen oftmals leitende Funktionen. Neben technischen Kenntnissen ist auch betriebswirtschaftliches Verständnis wichtig.

Mögliche Arbeitsplätze bieten sich in vielen unterschiedlichen Branchen. Zentral zu nennen sind natürlich die Fahrzeughersteller und deren Zulieferbetriebe: Die Automobilindustrie gilt als eine der wichtigsten Branchen des Landes. Sie steht in hartem internationalen Wettbewerb und setzt in diesem Zuge vor allem auf hohe Qualitätsstandards und technologische Innovationskraft. Gut ausgebildeten Hochschulabsolvent*innen bieten sich hier zahlreiche Stellen.

In der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, im Schiffbau und bei weiteren Verkehrsmittelherstellern gibt es Jobs – dazu zählen auch kleinere Industriebereiche wie die Bahntechnik oder die Land- und Baumaschinentechnik. Zudem bieten sich auch Karriereperspektiven außerhalb der Industrie, unter anderem im Bereich Service und Wartung von Bahn- oder Fluggesellschaften. Allerdings hat die gesamte Luft- und Raumfahrtbranche schwer mit der Corona-Pandemie zu kämpfen. Nicht zuletzt kommen auch Ingenieurbüros sowie Hochschulen und Forschungsinstitute als Arbeitgeber infrage.

Ralf Beckmann, Experte der Bundesagentur für Arbeit, bewertet die Beschäftigungslage differenziert: „Ingenieure der Maschinen- und Fahrzeugtechnik fanden bisher einen guten Arbeitsmarkt vor. Nachdem es in den vergangenen Jahren sogar Engpässe an qualifizierten Kräften gegeben hatte, dürfte die gestiegene Zahl an Studierenden und Absolventen nun zum Abbau dieser Engpässe beitragen. Zudem hat die Automobilbranche mit einem Strukturwandel zu kämpfen, was sich auch auf den Arbeitsmarkt auswirkt.“ 

Die Verkehrsmittelhersteller stehen in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen. Die Automobilindustrie muss beispielsweise mit Hochdruck an der Reduzierung des Energieverbrauchs arbeiten. Superleichte Karosserien aus Carbon, Leichtmetallen und Verbundwerkstoffen sollen ebenso zu einem verringerten Verbrauch und Schadstoffausstoß der Fahrzeuge beitragen wie innovative Elektro- und Hybridmotoren. Ein weiterer wichtiger Branchentrend sind elektronische Fahrassistenzsysteme. Bis die Zukunftsvision, das selbstfahrende Automobil, jedoch auf deutschen Straßen unterwegs sein wird, ist noch viel Arbeit von Softwareentwickler*innen und Ingenieur*innen nötig.

Der Flugzeugbau ist ebenfalls von zahlreichen technologischen Innovationen geprägt. Dank neuer Werkstoffe etwa sind Großraumflugzeuge heute leichter denn je und trotzdem stabil. Die Materialien werden in aufwendigen Tests geprüft, was Arbeitsplätze bei den Herstellern und deren Zulieferfirmen sichert. Der deutsche Schiffbau hat sich weitestgehend aus der Massenproduktion zurückgezogen. Stattdessen konstruieren die Ingenieur*innen der Schiffstechnik hierzulande oftmals technisch anspruchsvolle Spezialanfertigungen, beispielsweise Forschungsschiffe für die Ozeanografie.

In der Bahntechnik geht es nicht nur darum, moderne Hochgeschwindigkeitszüge zu konstruieren. Auch die Weiterentwicklung der technischen Infrastruktur steht auf der Agenda – zum Beispiel das europaweite Angleichen der Signaltechnik auf einen einheitlichen Standard. Die Hersteller von Bau- und Landmaschinen setzen ebenfalls auf Hightech – zum Beispiel auf „smarte“ Traktoren, die mittels Sensoren feststellen, wann der Korntank des Mähdreschers voll ist. <<

Portrait von Stefan Berndes.

Interview mit Dr. Stefan Berndes aus der Abteilung Luftfahrt, Ausrüstung und Werkstoffe beim Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e.V. (BDLI)

Kluge Köpfe für Zukunftstechnologien

Herr Berndes, wie sieht der Arbeitsmarkt derzeit für Hochschulabsolvent*innen im Bereich Luft- und Raumfahrttechnik aus?
Stefan Berndes: Hochqualifizierte Ingenieure und Ingenieurinnen sowie Fachkräfte prägen unsere international aufgestellte Branche. Mehr als die Hälfte verfügt über einen Hochschulabschluss, im Segment Raumfahrt sogar 75 Prozent. Die Corona-Pandemie hat die Luft- und Raumfahrt in eine schwere Krise gestürzt. Jetzt geht es darum, diese Krise zu meistern und die Zukunft zu sichern. Für unsere Industrie stehen im zivilen Bereich Nachfolgeprogramme der bekannten Kurz- und Mittelstrecken-Flugzeugen, wie Boeing 737 und Airbus 320, an. Im militärischen geht es um die Nachfolger der Kampfflugzeuge Tornado und Eurofighter, die zukünftig gemeinsam mit Drohnen verbunden operieren sollen. Die Fähigkeit, neue Technologien zu entwickeln, muss unserer Branche erhalten bleiben. Von strategischer Bedeutung ist, Zukunftstechnologien für die nächste Generation von klimaneutralen Flugzeugen zu entwickeln ebenso wie für Produktweiterentwicklungen der laufenden Flugzeugprogramme. Hier wird es wieder herausfordernde Aufgaben auch für gut ausgebildete und engagierte Ingenieure und Ingenieurinnen sowie Fachkräfte geben, wenn die aktuelle Krise überwunden ist.

Welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger*innen gestellt?
Stefan Berndes: Wichtig ist die Begeisterung für Luft- und Raumfahrttechnologien neben einer guten fachlichen Ausbildung. Komplexe multinationale Programme erfordern die Beherrschung verschiedener Sprachen ebenso wie interkulturelle Kompetenz. International ausgerichtete Denkweise in Verbindung mit dem Interesse, als Teamplayer mit Kollegen verschiedenster Nationalitäten und Kulturen auch im Ausland zu arbeiten, spielen ebenfalls eine große Rolle. <<

Trotz der noch andauernden Schifffahrtskrise, wegen Überkapazitäten in der Containerschifffahrt, bietet die maritime Branche interessante Aufgabenfelder. Über 90 Prozent des globalen Warenaustausches erfolgt mit dem Seeschiff, weil es ökonomisch und ökologisch das effizienteste Transportsystem ist. Die deutsche maritime Branche nimmt hier eine Spitzenposition ein. Aktuelle marktwirtschaftliche und technologische Entwicklungen erfordern einen stetigen Verbesserungsprozess hinsichtlich Umwelt- und Emissionsvorschriften, Digitalisierung und Big-Data sowie Effizienzsteigerungen und der Offshore-Energiewende. Hier bieten sich „klugen Köpfen” interessante Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Deutsche Bahn bietet derzeit rund 10.000 Auszubildenden, dual Studierenden und Trainees die Möglichkeit, in über 500 verschiedenen Berufen und 25 dualen Studiengängen in unserem Unternehmen das Fundament ihrer beruflichen Laufbahn zu legen. Wir haben ein klares Ziel: In den nächsten Jahren wollen wir zehntausende neue Kollegen und Kolleginnen an Bord holen, die mit uns die Zukunft der Deutsche Bahn mitgestalten werden. Wir bieten Jobsicherheit und eine langfristige berufliche Perspektive. Hochschulabsolventen der unterschiedlichsten Fachrichtungen, sei es im ingenieurwissenschaftlichen, kaufmännischen oder IT-Bereich, können bei uns mit einem Traineeprogramm oder als Direkteinsteiger durchstarten.

Bei uns gibt es unterschiedliche Tätigkeitsfelder für Ingenieure, unter anderem in der Produktentwicklung, im Qualitätswesen oder in der Prozessplanung. Wir erwarten neben fachspezifischen Qualifikationen in Bereichen wie Fahrzeug- und Maschinenbau auch verhandlungssichere Englischkenntnisse, da unser Unternehmen global ausgerichtet ist. Außerdem sind erste Erfahrungen in der Automobilwirtschaft, etwa durch Praktika, bei einer Bewerbung immer gern gesehen.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Aerodynamik, Aeromechanik, Avionik
  • Betriebs- und Sicherungsleittechnik
  • Elektronik, Elektrotechnik
  • Entwicklung, Konstruktion
  • Fahrzeugbau, -technik
  • Fertigungs- und Maschinentechnik
  • Qualitäts- und Projektmanagement
  • Schadensanalyse, Wartung und Reparatur
  • Schiffsbetriebstechnik
  • Softwaretechnik, Software-Engineering
  • Verkehrstechnik

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Kommunikationsstärke
  • Lernbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsstärke
  • Präsentationsstärke, Überzeugungsfähigkeit
  • Reise-/Mobilitätsbereitschaft
  • Selbstorganisation
  • Sorgfalt
  • Team- und Kooperationsfähigkeit
  • Zuverlässigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/fahrzeugtechnik-luft-und-raumfahrttechnik-schiffstechnik