Erziehung, päda­gogische Arbeit mit Kindern und Jugend­lichen

Früchte aus Holz liegen auf einem Spielbrett.

Die Arbeitswelt im Überblick

Im Bereich der Erziehung und pädagogischen Arbeit werden akademische Fachkräfte immer gebraucht. Sie unterrichten Kindergartenkinder in Englisch, geben Schulkindern Musik- und Theaterunterricht oder beraten Jugendliche bei Problemen in der Schule. Was sind die Trends?

Akademiker*innen im Bereich der Erziehung und pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben eine verantwortungsvolle Aufgabe. Sie vermitteln den Heranwachsenden nicht nur Wissen, sondern fördern sie und wecken ihr Interesse an Themen wie Musik, Religion oder Sport. In praktischen Projekten zeigen sie den Kindern und Jugendlichen beispielsweise, wie spannend es sein kann, die Natur zu erforschen oder an einem Theaterstück mitzuwirken. Neben der pädagogischen Betreuung und Begleitung der Heranwachsenden gehören auch analytische und beratende Aufgaben zu diesem Arbeitsfeld, etwa in der Erziehungsberatung, der Schulpsychologie oder der pädagogischen Forschung an Hochschulen und Instituten. Dort waren sie zuletzt auch verantwortlich für die Einhaltung und Umsetzung von Hygienevorschriften.

Für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen brauchst du neben Fachkenntnissen in Bereichen wie Didaktik und Erziehungswissenschaften ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Kommunikationsstärke. Wichtig ist, dass du Menschen motivieren kannst und viel Geduld sowie emotionale Stabilität mitbringst. Außerdem solltest du Durchsetzungsvermögen besitzen, beispielsweise wenn du Jugendprojekte oder Sportstunden leitest. Nicht zuletzt sind planerisches Talent sowie eine gute Selbstorganisation sehr wichtig.

Akademiker*innen dieser Arbeitswelt arbeiten vielfach im öffentlichen Bildungssektor, beispielsweise an Kindertageseinrichtungen, an öffentlichen Musikschulen oder im Bereich Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit. Chancen eröffnen sich auch bei nicht-staatlichen Trägern, etwa bei kirchlichen oder privaten Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Abgesehen von einer festangestellten Tätigkeit bestehen auch Möglichkeiten zur Selbstständigkeit, unter anderem im Bereich Musik- oder Sportunterricht.

Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte der Bundesagentur für Arbeit, erklärt: „Der Ausbau der frühkindlichen Bildung, der Schulsozialarbeit und der Ganztagsschulen hat in den vergangenen Jahren zu einer positiven Arbeitsmarktentwicklung im Bereich der Sozialen Arbeit beigetragen. Freie Stellen werden aber oft befristet oder in Teilzeit angeboten.“

Nicht zu vergessen: Die hohe Zahl der Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, belebt den hiesigen Arbeitsmarkt – beispielsweise wenn es um die Sprachförderung oder die kulturelle Integration von Kindern und Jugendlichen mit Fluchthintergrund. Erzieher/innen und Sozialarbeiter/innen könnten ebenfalls von dieser Entwicklung beruflich profitieren.

Ein Trend im Bereich der pädagogischen Arbeit ist der staatlich geförderte Ausbau der frühkindlichen Betreuung. Das Recht auf eine Kinderbetreuung für ab Einjährige ist gesetzlich verankert. Es werden deshalb zahlreiche Kitas neu gebaut – mit der Folge, dass ein Fachkräfteengpass herrscht. Expert*innen fordern, dass nicht mehr nur in Gebäude, sondern vor allem in die Qualität der Betreuung und insbesondere die Qualifizierung und Bezahlung der Kita-Mitarbeiter*innen investiert werden müsse. Ein ähnliches Bild gibt sich durch die verstärkte inklusive Betreuung und Beschulung von Kindern mit Beeinträchtigungen. Auch diese ist gesetzlich verbrieft und muss von Schulbegleiter*innen mit pädagogischem Background oder Schulpädagog*innen vor Ort getragen werden. 

Expert*innen rechnen zudem damit, dass benachteiligte Kinder durch die Pandemie noch mehr Unterstützung in ihrer Entwicklung brauchen. Nicht zu vergessen: die Sprachförderung oder die kulturelle Integration von Kindern und Jugendlichen mit Fluchthintergrund.

Von all diesen Entwicklungen könnten Akademiker*innen dieser Arbeitswelten profitieren – einerseits, indem sie selbst leitende Aufgaben in inklusiven Kindertages- und Bildungsstätten übernehmen, andererseits, indem sie sich um die berufliche Aus- und Weiterbildung des pädagogischen Personals kümmern. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die öffentliche Hand bei klammen Kassen weiterhin Gelder für gesellschaftliche Aufgaben wie diese bereitstellt. Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte der Bundesagentur für Arbeit, erklärt: „Der Ausbau der frühkindlichen Bildung, der Schulsozialarbeit und der Ganztagsschulen hat in den vergangenen Jahren zu einer positiven Arbeitsmarktentwicklung im Bereich der Sozialen Arbeit beigetragen. Freie Stellen werden aber oft befristet oder in Teilzeit angeboten.“

Auch im Bereich der privaten Kinderbetreuung, in dem die finanzielle Ausstattung nicht selten besser ist als im öffentlichen Sektor, ergaben sich zuletzt neue Beschäftigungsmöglichkeiten. Als Pädagog*in kannst du etwa in der Betriebskita eines Unternehmens arbeiten. Fachkräfte mit Spezialkenntnissen – zum Beispiel Sprach-, Kunst- oder Musikpädagog*innen – sind ebenfalls in privaten Kitas gefragt. <<

Portrait von Petra Maurer.

Interview mit Petra Maurer, der Vorstandsvorsitzenden des Berufsverbands der Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftler, BV-PÄD. e.V.

Aufbruch zum digitalen Lernen

Frau Maurer, welche aktuellen Entwicklungen gibt es derzeit im Bereich Pädagogik?
Petra Maurer: Die Corona-Krise dominierte zuletzt sowohl das Studium als auch die Praxis in vielen Berufsfeldern, in denen Erziehungswissenschaftler*innen tätig sind. Digitale Formate sind derzeit Alltag für die Studierenden. Und es ist für viele eine Herausforderung für das soziale Miteinander-Lernen, das so gerade nicht möglich ist. Welche Auswirkungen die Pandemiebekämpfung auf das Lebenslange Lernen und die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hat, damit beschäftigt sich die pädagogische Fachwelt schon heute. Ich bin mir sicher, dass dies auch in die Studiengänge der Erziehungswissenschaften zukünftig einfließen wird.

Wie wichtig sind Masterstudiengänge in dem Bereich?
Petra Maurer: Masterstudiengänge sind – wie in allen anderen Studiengängen – bedeutsam, um das eigene Profil zu schärfen, und deshalb für Karrierewege in der Wissenschaft, im Öffentlichen Dienst oder in der Wirtschaft eine der wichtigen Voraussetzungen.

Was würden Sie Absolvent*innen noch raten?
Petra Maurer: Nach wie vor empfehlen wir allen Absolventen und Absolventinnen sich frühzeitig mit den diversen Praxisfeldern vertraut zu machen. Die Universitäten berücksichtigen das in den Studiengängen. Auch Praktika sind ungemein wichtig, um einen echten Eindruck von pädagogischer Arbeit zu bekommen. Schon wenn es um sogenannte Nebenjobs geht, sollten möglichst unterschiedliche pädagogische Praxisfelder ausgewählt werden, um potenzielle berufliche Handlungsfelder kennenzulernen. <<

In den pro familia Beratungsstellen arbeiten Pädagogen, Psychologen und Sozialarbeiter u.a. in der Schwangeren- und Paarberatung oder in der Sexualpädagogik mit Jugendlichen, Eltern und Multiplikatoren. Ein abgeschlossenes Studium ist Voraussetzung; weitere fachspezifische Qualifikationen müssen erworben werden. Eine positive Einstellung zu unseren Grundsätzen für sexuelle und reproduktive Rechte ist unabdingbar. Bei steigendem Beratungsbedarf sinkt die öffentliche Förderung – eine Aussage über berufliche Perspektiven ist deshalb schwierig.

Eine Erziehungsberatungsstelle bietet Pädagoginnen und Pädagogen ein breit gefächertes Spektrum an Aufgaben rund um die Themen Beziehung und Erziehung – sowohl auf individueller wie auch familiärer Ebene. Der Kontakt mit Kindern und Jugendlichen findet in themenspezifischen Gruppen, in Einzel- und in Familiensitzungen statt. Dafür sind Kompetenzen in Gesprächsführung ebenso nötig wie kind- und jugendgemäße Beratungsformen. Regelmäßige Teamsupervision ist wertvoller Bestandteil des Tätigkeitsfeldes. Die Kooperation mit anderen Fachleuten im Gesundheitswesen wie auch der Kinder- und Jugendhilfe erweitert den Aufgabenbereich.

Für die Kinder- und Jugendarbeit brauchen Absolventinnen und Absolventen der Sozialen Arbeit Kenntnisse in Sozialplanung und Social Entrepreneurship, um Projekte für Kinder und Jugendliche anzukurbeln. Auch ein Forschungsantrag muss rasch geschrieben sein. Sie müssen wissen, wie man eine Perspektivenwerkstatt durchführt. Partizipation ist das Zauberwort: Kinder, Jugendliche, Eltern und Freunde sollten beteiligt werden, um weiteres Interesse daran aufzubauen. Know-how in Public Management ist gefragt, um in Organisationen und in Netzwerken kompetent handeln zu können.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Didaktik
  • Dokumentation
  • Erziehungswissenschaft, Pädagogik
  • Lernzielkontrolle
  • Methodik
  • Schulpsychologie
  • Unterrichtsmethoden
  • weitere Anforderungen unterscheiden sich je nach Fachgebiet und Einsatzbereich des Lehrers / der Lehrerin

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • Durchsetzungsvermögen
  • Einfühlungsvermögen
  • Geduld
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Konfliktfähigkeit
  • Kritikfähigkeit
  • Motivationsfähigkeit
  • Organisationsvermögen
  • Präsentationsfähigkeit
  • Urteilsvermögen
  • Verantwortungsbewusstsein
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/erziehung-padagogische-arbeit-mit-kindern-und-jugendlichen