Ausbildung, Weiter­bildung, Hoch­schule

Buecher stehen nebeneinander im Regal

Die Arbeitswelt im Überblick

Menschen berufsbezogenes Wissen oder digitale Kompetenzen vermitteln, sie in Sachen Job und Karriere beraten, an einer Hochschule lehren – in dieser Arbeitswelt bieten sich viele Möglichkeiten. Was sind die Trends?

Unterrichten kann man nicht nur an der Schule – auch in der Erwachsenenbildung und zahlreichen weiteren pädagogischen Bereichen gibt es vielfältige berufliche Möglichkeiten für Akademiker*innen.

Viele Unternehmen beschäftigen beispielsweise Pädagog*innen, die auf Basis von Bedarfsanalysen passgenaue Weiterbildungsangebote für das Personal organisieren. An den Hochschulen lehren Dozent*innen und Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen. Sie erarbeiten sich einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung, halten Übungen, Seminare und Vorlesungen ab und bewerten die Leistungen der Studierenden. Die Beratung ist ebenfalls ein zentrales Thema in dieser Arbeitswelt. Ganz besonders trifft das etwa auf Ausbildungs- oder Studienberater*innen zu.

In diesem Bereich brauchst du vor allem didaktische und pädagogische Methodenkenntnisse, die du im Studium erwirbst. Fundiertes Wissen im jeweiligen Fach, das du lehrst, ist zudem wichtig. Darüber hinaus sind soziale Kompetenzen wie Kommunikationsstärke, Geduld und Einfühlungsvermögen gefragt. Von großer Bedeutung ist nicht zuletzt die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren – schließlich gilt es, sich die Zeit für die Vorbereitung des Unterrichts und das Korrigieren von Prüfungen eigenverantwortlich einzuteilen.

Viele Akademiker*innen dieser Arbeitswelt arbeiten im Öffentlichen Dienst, also beispielsweise an kommunalen Bildungseinrichtungen oder Hochschulen. Einige hier sind freiberuflich unterwegs. Möglichkeiten eröffnen sich auch im privaten Bildungssektor, etwa bei Kammern, Verbänden und anderen Trägern in der Erwachsenenbildung. Nicht zuletzt gibt es Arbeitsstellen im Bereich der innerbetrieblichen Aus- und Weiterbildung, und zwar bei Unternehmen der verschiedensten Wirtschaftsbereiche – von der Automobilindustrie bis hin zur Versicherungsbranche. Chancen zur Selbstständigkeit sind ebenfalls gegeben, beispielsweise in den Bereichen Coaching oder Personalberatung.

Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte der Bundesagentur für Arbeit, erklärt: „Im Bildungssektor finden sich die unterschiedlichsten Berufsgruppen, die in der Aus- und Weiterbildung aktiv sind. Allerdings sind die Stellen oftmals befristet oder es handelt sich um Teilzeitangebote. Neben Festangestellten sind zahlreiche Akademiker auch auf freiberuflicher Basis erwerbstätig.“

Der rasante technologische Fortschritt lässt auch Technik-Know-how rasch altern. Demnach sind Weiterbildungen und Dozent*innen, die up-to-date bei IT-, Digitalisierungs- und Automatisierungsthemen sind, gefragt. Seminare, Kurse und andere Bildungsformate werden nicht erst seit Corona vermehrt online angeboten – Stichwort E-Learning. Hochschulen verlagern ebenfalls ganze Vorlesungsreihen auf Lernplattformen oder bieten Blended Learning-Angebote an, wobei Präsenz- und Online-Phasen sich abwechseln. Damit öffnet sich das akademische System weiter für die wachsende Zielgruppe der berufstätigen Studierenden. Insgesamt könnte die Zahl der Studienanfänger*innen im Zuge des demografischen Wandels jedoch zurückgehen. Das wirkt sich nachteilig auf den Stellenmarkt für Hochschuldozent*innen aus. Demgegenüber steht allerdings die immer stärker werdende Akademisierung der Berufswelt.

Da es immer weniger junge Menschen gibt, die eine Ausbildung ergreifen, zeichnet sich nach Meinung mancher Expert*innen ein Fachkräftemangel ab, insbesondere in technischen und pflegerischen Berufen. Um die drohende Lücke zu schließen, werden Unternehmen in Zukunft noch mehr Aufwand betreiben, um Arbeitskräfte zu rekrutieren und zu qualifizieren. Ein Lösungsansatz besteht darin, Geflüchtete und die vielen anderen Neuankömmlinge in Deutschland als Fachkräfte für den Arbeitsmarkt zu gewinnen. Die Entwicklung und pädagogische Begleitung der notwendigen Ausbildungs- und Integrationsprogramme ist nur ein Beispiel für die vielfältigen Aufgabengebiete, die sich Akademiker*innen in Zukunft bieten könnten. <<

Portrait von Hermann Huba.

Interview mit Dr. Hermann Huba vom Volkshochschulverband Baden-Württemberg

Lebensbegleitendes und digitales Lernen

Herr Huba, welche Trends zeichnen sich derzeit in der Weiterbildung ab?
Hermann Huba: Der Megatrend in der allgemeinen wie in der beruflichen Weiterbildung ist das lebenslange, besser: das lebensbegleitende Lernen. Mit der Berufsausbildung beziehungsweise dem Studienabschluss ist der individuelle Bildungsprozess nicht abgeschlossen. Um beruflich, aber auch im gesellschaftlichen Leben nicht den Anschluss zu verpassen, bedarf es angesichts der sinkenden Halbwertszeit unseres Wissens der kontinuierlichen Weiterbildung – vom Umgang mit Smartphone und Tablet über Grundfragen einer pluralistischen Gesellschaft bis hin zur Fähigkeit zur interkulturellen Begegnung. Das Ziel lebensbegleitenden Lernens ist die soziale Inklusion aller Bevölkerungsgruppen.

Welche Fähigkeiten sollten Berufseinsteiger mitbringen?
Hermann Huba: Um diesem Ziel immer näher zu kommen, sind neben den formalen Qualifikationen vor allem drei Fähigkeiten vonnöten: soziale Fantasie zur erfolgreichen Zielgruppenansprache, pädagogische und andragogische – also die Erwachsenenbildung betreffende – Fantasie zur Erschließung neuer, insbesondere digitaler Lernwelten und leidenschaftliche Freude an der Begegnung mit Menschen.

Wie sehen die Perspektiven für Fachkräfte aus?
Hermann Huba: Wer über die genannten drei Fähigkeiten verfügt, für dessen Entwicklung gibt es in der Arbeitswelt Weiterbildung nur die Grenzen, die er sich selbst setzt. Das ist das Faszinierende an diesem Berufsfeld. <<

Außerschulische politische Bildung erlangt einen immer größer werdenden Stellenwert. Bildungsreferentinnen und -referenten übernehmen koordinierende und leitende pädagogische Tätigkeiten, beispielsweise in Bildungsstätten. Durch die anspruchsvollen Aufgaben und guten Weiterbildungsmöglichkeiten, etwa in Organisationsentwicklung oder Betriebswirtschaft, haben sie sehr gute Chancen auf Leitungspositionen. Ein Masterabschuss ist daher wünschenswert, meist unabdingbar. Flexibilität sollte man mitbringen und Spaß daran haben, auch an Wochenenden Seminare zu begleiten.

Der Einstieg in den Beruf kann über ein Fachstudium in den Bereichen Erwachsenenbildung, Bildungsmanagement oder -wissenschaft erfolgen. Da Bildungsträger häufig eine klare fachliche Ausrichtung haben, sind oft Fachpraktiker einer bestimmten Disziplin mit einer pädagogischen Zusatzqualifikation oder Ausbildungserfahrung gefragt. In größeren Bildungseinrichtungen sind Aufstiegsmöglichkeiten in Leitungsfunktionen möglich. Bildungsmanager verantworten dann größere zusammenhängende Fachbereiche oder Niederlassungen. Somit werden kaufmännische und rechtliche Qualifikationen wichtiger.

Dozentinnen und Dozenten an Fachhochschulen müssen natürlich zunächst einmal über fundiertes Wissen in ihrem Fachgebiet verfügen. Ein abgeschlossenes Masterstudium, häufig auch eine Promotion, ist dabei Voraussetzung. Man muss auch Spaß am Unterrichten haben, auf Menschen zugehen und komplexe Sachverhalte anschaulich erklären können, denn die praxisnahe Lehre steht an Fachhochschulen im Vordergrund. Ebenso ist Forschungskompetenz unerlässlich – nicht zuletzt, um den Studierenden bei deren wissenschaftlichen Arbeiten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Beratung, Coaching
  • Bildungsarbeit
  • Didaktik, Unterrichtsmethodik
  • Jugend- und Erwachsenenbildung
  • Kultur-, Musik-, Medienpädagogik etc.
  • Personalentwicklung
  • Projekt- und Qualitätsmanagement
  • wissenschaftliches Arbeiten, Lehrtätigkeit (im jeweiligen Fachgebiet der Hochschule)

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Eigeninitiative, Selbstständigkeit
  • Empathie
  • Geduld, Frustrationstoleranz
  • Kommunikations- und Kontaktstärke
  • Motivationsfähigkeit
  • örtliche und zeitliche Flexibilität
  • Präsentationsfähigkeit
  • Verantwortungsbewusstsein
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/ausbildung-weiterbildung-hochschule