Sinologe/Sinologin

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Abgeschlossenes Studium in:

Sinologie

BERUFENET

Sinologe/Sinologin

Insgesamt arbeite ich relativ viel, vor allem selbstorganisiert. Aber ich genieße die flexiblen Arbeitszeiten sehr.

Forscher und Vermittler

Dr. Carsten Schäfer hat sich auf die Erforschung des modernen China spezialisiert. Sein Wissen gibt der 35-jährige Sinologe als wissenschaftlicher Mitarbeiter an Studierende weiter.

Es wird ein paar Tage dauern, bis Carsten Schäfer den Jetlag überwunden hat. Er ist gerade aus China zurück, von einer Urlaubsreise, die er allerdings auch zum Arbeiten genutzt hat. „Insgesamt arbeite ich relativ viel, vor allem selbstorganisiert. Aber ich genieße die flexiblen Arbeitszeiten sehr“, erzählt der wissenschaftliche Mitarbeiter, der auf einer halben Stelle im Arbeitsbereich Moderne China-Studien am Ostasiatischen Seminar der Universität zu Köln arbeitet. Forschungsschwerpunkte des promovierten Sinologen sind zum einen die Geschichte Chinas, zum anderen die Integration und Identität jener chinastämmigen Menschen, die außerhalb des chinesischen Kerngebiets wohnen – 60 Millionen Auslandschinesen gibt es weltweit.

Viel Zeit verbringt der Sinologe am Computer, mit Tätigkeiten rund um die Lehre und seine Forschung sowie mit administrativen Aufgaben: Er bereitet seine Seminare vor, wertet Interviews und Fragebögen aus, recherchiert und schreibt Konferenzbeiträge oder Artikel, oft auf Englisch. Ein Großteil der Literatur, die er auswertet, wie etwa Kommentare in sozialen Medien, ist inzwischen online zu finden. Hinzu kommen die Lehrveranstaltungen, die Studienberatung, Konferenzen und Tagungen. Der 35-Jährige ist auch als Chinesisch-Übersetzer tätig, das ist eine gute Ergänzung zu seiner halben Stelle an der Uni.

Befristete Verträge üblich

„Als Sinologe arbeitet nur ein sehr kleiner Teil derer, die das Studium absolviert haben“, erläutert der Wissenschaftler. „Viele sind als Vermittler tätig, etwa im Bereich Interkulturelles Training oder Unternehmenskommunikation. Sie erklären gewissermaßen, wie China funktioniert und wie man sich in dem Land bewegen sollte.“ Perspektiven ergeben sich auch in der freien Wirtschaft, in Museen oder bei Stiftungen. Und wie alle Geisteswissenschaften bietet auch die Sinologie eine extrem breite Palette an Berufsmöglichkeiten, die nichts mit China zu tun haben.

Carsten Schäfer ist seit Ende 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität zu Köln. Er hat das Glück, einen auf sechs Jahre befristeten Arbeitsvertrag zu haben – üblich sind auch Ein- oder Zweijahresverträge. „Ich würde schon gerne Professor werden. Das hängt aber auch immer davon ab, ob man gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Denn die Stellen sind rar.“ Flexibilität und die Bereitschaft, an ein anderes Institut in Deutschland zu wechseln, falls der eigene Vertrag ausläuft und es dort eine offene Stelle gibt, sind daher ein Muss. Ebenso wie die Fähigkeit, mit der Unsicherheit umgehen zu können, nicht zu wissen, wie es beruflich weitergeht. Familienfreundlich ist das eher nicht.

Forschung mit Hindernissen

Trotzdem mag Carsten Schäfer seinen Beruf. Er weiß besonders die Freiheit zu schätzen, sich selbst ein Thema aussuchen zu können, das ihn fasziniert und in das er sich hineinarbeiten kann – und das seinen Horizont erweitert. Auch die Wissensvermittlung und den Umgang mit den Studierenden, von denen man viel lernen könne, gefällt ihm. Man brauche in seinem Beruf eine gewisse Unvoreingenommenheit, Offenheit, Neugier und Geduld, zum Beispiel um mit Leuten in China in Kontakt zu kommen.

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