Ingenieur/in – Elektro­mobilität

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Projektmitarbeiterin „Netzintegration Elektromobilität“

Abgeschlossenes Studium in:

Master in Elektrotechnik (Schwerpunkt Regenerative Energietechnik)

BERUFENET

Ingenieur/in – Elektromobilität

Bei uns gibt es keinen festen Tagesablauf, jede Woche ist anders.

Auf ins Netzlabor

Welche Auswirkungen hat es eigentlich auf das Stromnetz, wenn mehr und mehr Menschen aufs Elektroauto umsteigen? Das versucht Elektrotechnik-Ingenieurin Irene Fech (35) herauszufinden.

Irene Fech hat gleich noch einen Termin draußen im Netzlabor in der E-Mobility-Allee. So nennt ihr Arbeitgeber, die Netze BW GmbH, jene Straße in einem Ort nahe Stuttgart, in der derzeit zehn von 21 dort Wohnenden ein Jahr lang zu Testzwecken Elektroautos nutzen. Diese hat ihnen der Verteilnetzbetreiber zusammen mit der nötigen Ladeinfrastruktur für zuhause zur Verfügung gestellt. „Hier können wir unsere theoretischen Ansätze in der Praxis testen. Mit der E-Mobilität und deren Auswirkungen auf das Stromverteilnetz haben wir nämlich bisher kaum Erfahrung. Ziel unseres Projekts ist es, das Ladeverhalten der Nutzer und Nutzerinnen und dessen Auswirkungen auf das Stromnetz zu erforschen“, erläutert die Elektrotechnik-Ingenieurin, die sich der Elektromobilität widmet und mit ihrem Wissen auch bei einem Automobilhersteller punkten könnte.

Daher fährt sie nun in die nahe gelegene Umspannstation, in der sie spezielle Messtechnik verbauen ließ, die die zusätzliche Last auf das Stromnetz erfasst. Die Daten, die Irene Fech ausliest, wird sie später an ihrem Rechner analysieren. So kann man beispielsweise klären, was passiert, wenn mehrere Kunden und Kundinnen gleichzeitig ihre Autos aufladen.

Flexibilität und Kommunikationsfähigkeit

Die 35-Jährige wechselte vor zwei Jahren aus dem Betriebs- und Instandhaltungsmanagement ins Projekt „Netzintegration Elektromobilität“, das bis Ende 2020 laufen soll. Die insgesamt acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickelt zunächst gemeinsam verschiedene Konzepte und führten Berechnungen durch, etwa zu Überbrückungslösungen wie Speicher- oder Lademanagement. Jetzt überprüfen sie diese in der Praxis und passen sie immer wieder an.





Die meisten Projektmitarbeiter und -mitarbeiterinnen sind Elektroingenieurinnen und -ingenieure wie Irene Fech, die nach ihrem Diplom im Fach Wirtschaftsingenieurwesen noch einen berufsbegleitenden Master in Elektrotechnik an der Fernuni Hagen absolvierte.

Die Projektarbeit unterscheidet sich deutlich vom „Arbeiten in Linie“, stellt die Ingenieurin, die sich auf die Messtechnik spezialisiert hat, fest. „Bei uns gibt es keinen festen Tagesablauf, jede Woche ist anders. Es gibt viele Ad-hoc-Anfragen, um die ich mich kümmere, viele unterschiedliche Termine – mit Kunden, internen Ansprechpartnern und Messtechnik-Herstellern. Aber wir berichten auch Vertretern des Verkehrsministeriums oder der Automobilbranche von unseren Erfahrungen.“ Für ihre Arbeit sind daher neben dem technischen Verständnis Flexibilität, Teamfähigkeit und die Fähigkeit, kommunizieren und präsentieren zu können, sehr wichtig.

Agiles Arbeiten

Das Projekt ist agil aufgebaut. In Zwei-Wochen-Zyklen, Sprints genannt, legen die Projektmitarbeitenden ihre Ziele fest und halten Rückschau. Jeden Morgen außer montags trifft sich das Team außerdem zum sogenannten Daily, bei dem alle kurz berichten, was sie am Vortag erledigt haben, was nun ansteht oder wo es klemmt und sie Hilfe brauchen. „So sind wir alle auf dem gleichen Stand und vermeiden Doppelarbeit.“ Die Arbeitszeiten sind flexibel, Irene Fechs 36-Stunden-Woche richtet sich nach den anstehenden Terminen. Wochenendarbeit fällt gelegentlich an, wenn eine Veranstaltung für die Kunden und Kundinnen im Netzlabor stattfindet.

Was ihr an ihrer Arbeit gefällt? „Die Mischung aus Technik und innovativen Themen, die wir vorantreiben können. Ich mag auch die tägliche Abwechslung, und dass ich im Projekt über den Tellerrand schauen und Prozesse mitgestalten kann.“

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