Techniker – Farb- und Lack­technik (industrielle Beschichtungs­technik)

Ich komme in verschiedene Firmen: mal werden Panzer lackiert, mal Klaviere, Yachten oder Lederhäute.

Pistolen für den Lack

Anstatt einen weiteren befristeten Vertrag zu unterschreiben, bildete sich Sebastian Gäbler (28) zum Techniker weiter. Nun testet er neue Lacke und hilft Kunden, Probleme mit Lackierpistolen zu lösen.

Wie soll es weitergehen? Das fragte sich Sebastian Gäbler, als ihm erneut ein befristeter Vertrag angeboten wurde. Der heute 28-Jährige hatte als Fahrzeuglackierer erst in einem Autohaus und dann in der Industrie gearbeitet. Weil er hier wie da nur befristete Anstellungen bekommen hatte, überlegte er sich, was er ändern könnte: „Ich habe mich über Weiterbildungen informiert. Es gibt den Meister und den Techniker.“ Er wollte in der Industrie bleiben und rechnete sich hier mit einem Techniker-Abschluss gute Chancen aus. So meldete er sich an der Fachschule Farb- und Lacktechnik in Hildesheim an: „Hier wird der Schwerpunkt industrielle Beschichtungstechnik angeboten. Das schien mir näher an der Praxis als andere Schwerpunkte.“

Eine Investition in die Zukunft

Für die Weiterbildung, die zwei Jahre dauerte, zog Sebastian Gäbler nach Hildesheim. Der Besuch der Fachschule war kostenlos, doch um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, nahm er einen Kredit bei der KfW-Bank auf. Er bekam einen Zuschuss: „Von den 11.000 Euro, die ich bekommen habe, muss ich nur knapp 8.000 zurückzahlen.“

Im allgemeinbildenden Teil der Weiterbildung besuchte Sebastian Gäbler Fächer wie Deutsch, Englisch, Mathematik und Politik und erwarb die Fachhochschulreife. In den fachspezifischen Kursen beschäftigte er sich mit Farblehre, Design, Werkstofftechnologie des Lackes, Qualitätsmanagement sowie Berufs- und Arbeitspädagogik. Im Mittelpunkt stand der Schwerpunkt Beschichtungstechnik: „Wir haben uns intensiv darin geübt, Lack auf den verschiedensten Untergründen aufzutragen, und auch viel über die Technik der Lackierpistolen und der automatisierten Lackieranlagen erfahren.“

Das Lernen, meint Sebastian Gäbler, sei ihm nicht immer leichtgefallen. „Aber ich dachte mir: Du investierst gerade viel Geld und Zeit in deine Zukunft, also bleib dran.“ Das zahlte sich aus: Er schnitt als Jahrgangsbester ab und fand anschließend rasch eine neue, unbefristete Stelle.

Probleme lösen

Heute arbeitet er als Anwendungs- und Servicetechniker bei SATA, einem schwäbischen Hersteller von Lackierpistolen. Er ist sowohl im Werk als auch vor Ort bei den Kunden tätig. Im Werk testet Sebastian Gäbler Lacke: „Wenn Firmen neue Lacke entwickeln, prüfen wir, ob sie mit unseren Pistolen harmonieren.“ Sebastian Gäbler lackiert Tafeln mit einer Fläche von jeweils einem Quadratmeter unter den verschiedensten Bedingungen und Einstellungen. Anschließend bewertet er gemeinsam mit den Ingenieuren die Ergebnisse: Fällt der Farbton wie gefordert aus? Ist die Oberfläche zu rau oder zu glatt?

Am spannendsten findet es der Farb- und Lacktechniker jedoch, wenn er das Werk verlässt und zu den Kunden fährt. „Ich komme in viele verschiedene Firmen: Mal werden Panzer lackiert, mal Klaviere, Yachten oder Lederhäute.“ In der Regel wird Sebastian Gäbler zu einem Kunden geschickt, wenn es ein Problem gibt – etwa wenn die Umstellung auf eine neue Pistole nicht richtig läuft oder wenn ein Farbton nicht reproduziert werden kann. „Ich schaue mir dann den Ablauf an, hake an manchen Stellen nach und versuche, gemeinsam mit den Mitarbeitern den Prozess zu verbessern.“ Probleme mit dem Farbton treten oft dann auf, wenn Düsensätze verschlissen oder Pistolen schlecht gewartet sind. Eine Lösung findet Sebastian Gäbler so gut wie immer.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/58499