Pharmareferentin

Ich muss einschätzen, was für ein Typ ein Arzt ist.

Von Arzt zu Arzt

Von der Zahnarzthelferin zur Pharmareferentin: Pamela Lindemann (36) bildete sich weiter und kam dadurch zu ihrem Traumjob. Heute ist sie in ganz Norddeutschland unterwegs und stellt Ärzten Medikamente vor.

Hamburg, Buxtehude, Celle: Pamela Lindemann fährt von Arztpraxis zu Arztpraxis, um vor Ort Medikamente vorzustellen. Die ausgebildete Zahnarzthelferin – heute lautet die Berufsbezeichnung „Zahnmedizinische Fachangestellte“ – hatte zuvor selbst lange Zeit in einer Praxis gearbeitet. „Nicht dass der Job schlecht gewesen wäre“, sagt die Pharmareferentin, „aber nach 14 Jahren in der Praxis wollte ich mal was anderes sehen.“ Für den Umstieg müsse man vor allem eines haben: Geduld. „Ich habe beschlossen, in den Außendienst zu gehen, also habe ich einen Job als Beraterin für Medizinprodukte wie Zahnbürsten und Zahnzwischenraumbürstchen gesucht“, erzählt Pamela Lindemann. „Ich musste einige Bewerbungen schreiben, bis es geklappt hat.“

Intensive Weiterbildung

Nach einiger Zeit als Beraterin für dentalmedizinische Produkte hatte sie den Wunsch, ihr Produktspektrum zu erweitern. „Ich dachte mir: Warum sollte ich nicht auch mit Medikamenten arbeiten? Um das zu können, muss man aber eine Weiterbildung zur Pharmareferentin machen.“ Sie informierte sich und entschied sich für einen Lehrgang an der Akademie für Pharmaberufe in Gießen.

Die Kurse erstreckten sich über einen Zeitraum von drei Monaten. Pamela Lindemann mietete ein Zimmer direkt bei der Akademie an. Insgesamt kostete die Weiterbildung rund 6.000 Euro, die sie aus privaten Rücklagen finanzierte. Die Qualifizierung sei sehr lernintensiv gewesen: „Man lernt in sehr kurzer Zeit sehr viel.“ Beispielsweise beschäftigte sie sich mit den Grundlagen in Biologie und Biochemie, mit Inhalten aus dem Bereich Viren und Bakterien und natürlich mit Medikamenten. Nach zweieinhalb Monaten erfolgten schriftliche Prüfungen an der Industrie- und Handelskammer. Im Anschluss folgten Kurse in Verkaufstraining und Pharmarecht. Die darin erworbenen Fähigkeiten und das Fachwissen wurden schließlich im Rahmen einer mündlichen Prüfung getestet.

Nach der bestandenen Prüfung fand Pamela Lindemann eine Anstellung bei Grosch Pharma Service, einem schwäbischen Dienstleister für Pharmafirmen.

Auf unterschiedliche Typen eingehen

Mittlerweile ist die Pharmareferentin in Norddeutschland im Außendienst tätig. „Ich bekomme eine Liste mit Ärzten, die ich abfahren kann“, erzählt sie. „Dann plane ich meine Reise, sodass ich in kurzer Zeit möglichst viele Ärzte erreiche.“ Teilweise meldet sie sich an, teilweise stattet sie den Praxen einen spontanen Besuch ab, um mit dem Arzt zu reden. „Wie genau ich vorgehe, hängt sehr von den Ärzten ab.“

Fachliche und rechtliche Kenntnisse sind für die Pharmareferentin unabdingbar. Wichtig für den Erfolg ist darüber hinaus der zwischenmenschliche Faktor: „Ich muss sofort einschätzen, was für ein Typ ein Arzt ist. Es gibt strenge Typen, da sollte man ernst bleiben, oder lockere, da kann man auch mal einen Scherz machen.“ Sie fragt die Ärzte, ob sie das von ihr vorgestellte Medikament bereits kennen, und erklärt ihnen, wie es wirkt. „Manchmal merke ich, dass sich Ärzte gar nicht für das jeweilige Produkt interessieren. Wenn das mehrfach vorkommt, lasse ich sie aus.“ Gelegentlich zeigen sich Ärzte aber auch schnell begeistert von einem Medikament. Und manchmal schwärmt der Arzt beim Folgebesuch, wie gut die Arznei gewirkt hat: „Das ist dann einer dieser Momente, in denen ich mich von Herzen freue.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/14042