Industrie­meister – Chemie

Ich bin immer zur Stelle, wenn es eine Störung gibt.

Der Schichtleiter

Im Schichtdienst kümmert sich Martin Widuch (28) darum, dass die Produktion von Konservierungsstoffen reibungslos abläuft. Durch eine Weiterbildung qualifizierte er sich für seine heutige Position.

Die meisten Menschen hatten schon im Mund, was in Martin Widuchs Schichten Tag für Tag und Nacht für Nacht produziert wird. „Wir stellen ein Konservierungsmittel her, das in vielen Schnittbroten und Aufstrichen steckt“, erzählt der 28-Jährige. Der Industriemeister arbeitet seit acht Jahren in einer Chemiefabrik von Celanese Production Germany im Industriepark Höchst bei Frankfurt am Main.

Den bisher größten Schritt seiner Karriere tätigte der ausgebildete Chemikant vor etwa drei Jahren: „Der Betriebsleiter hat mir angeboten, stellvertretender Schichtleiter zu werden. Ich habe zugesagt und im selben Atemzug gefragt, ob ich die Weiterbildung zum Industriemeister machen kann.“ Für viele Führungsaufgaben in der chemischen Industrie ist diese Weiterbildung Pflicht. Auch bei Martin Widuchs Arbeitgeber sind sämtliche Schichtleiter Industriemeister.

Chemie, Physik, Verfahrenstechnik

Über einen Zeitraum von zwei Jahren besuchte Martin Widuch regelmäßig die Meisterkurse bei Provadis, einem Aus- und Weiterbildungsdienstleister für die Industrie in Frankfurt am Main. Der Unterricht fand zweimal wöchentlich statt und dauerte jeweils sechs Unterrichtsstunden. Sein Arbeitgeber übernahm die Kosten für die Weiterbildung und stellte ihn für einen Teil der Kurse frei. Für die restliche Unterrichtszeit nahm der angehende Industriemeister Urlaub.

Im ersten Jahr erwarb er vor allem allgemeine Kenntnisse, die für Führungskräfte in der Industrie wichtig sind. Wirtschaft, Recht, Kommunikation, Zusammenarbeit und die Anleitung von Auszubildenden standen auf dem Lehrplan. Im zweiten Jahr ging es dann um fachspezifische Inhalte. In Chemie, Physik und Verfahrenstechnik vertiefte Martin Widuch sein Wissen aus der Ausbildung, zudem beschäftigte er sich mit den Abläufen in der chemischen Produktion. Kurse im Bereich betriebliches Kostenwesen und Arbeitssicherheit waren ebenfalls Bestandteil der Weiterbildung. Für die Abschlussprüfung wiederholte er die Inhalte nochmals – über einige Monate hatte er daher weniger Freizeit.

Immer zur Stelle

Von den Kenntnissen aus der Weiterbildung profitiert er inzwischen im Berufsalltag: „Ich habe heute einen anderen Blick auf die Vorgänge bei der Arbeit.“ Als stellvertretender Schichtleiter ist Martin Widuch dafür verantwortlich, dass die Produktion reibungsfrei abläuft. „Wenn meine Schicht beginnt, bespreche ich mich zuerst mit dem Leiter der vorhergegangenen Schicht“, erzählt er. „Dann teile ich meine Leute ein – und bin immer zur Stelle, wenn es eine Störung gibt.“ Wenn eine Maschine ausfällt, kann der Industriemeister den Fehler oft über das Computerprogramm, mit dem sie gesteuert wird, beheben. Bei selten auftretenden größeren Störungen, etwa wenn das Trommellager einer Zentrifuge kaputt ist, gibt er die Reparatur in Auftrag.

Doch auch wenn alle Arbeitsschritte nach Plan erfolgen, hat Martin Widuch viel zu tun: „Wenn etwa die Betriebsleitung ein neues Verfahren oder Produkt ausprobieren möchte, stelle ich die Anlage ein und instruiere die Kollegen.“ Außerdem prüft der Industriemeister die Qualität der Produkte, erteilt Freigaben für die Arbeiten von externen Handwerken und kümmert sich um die Urlaubspläne. Neben seiner Begeisterung für Technik ist seine soziale Kompetenz gefordert, damit in der Produktion alles rundläuft.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/6130