Uhrmacher­meisterin

Als Meisterin hat man viel mehr berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.

Meisterin mit präzisem Zeitgefühl

Ob es um die Materialauswahl geht oder darum, einer Luxusuhr den letzten Schliff zu geben: In Sandra Erhards (35) Beruf dreht sich alles um Perfektion. Die Uhrmachermeisterin leitet eine Montageabteilung.

Niemals stehen bleiben: Das ist Firmenmotto der sächsischen Uhrenmanufaktur A. Lange und Söhne in Glashütte, deren Luxusuhren weltweit gefragt sind. Hier absolvierte Sandra Erhard ihre Berufsausbildung zur Uhrmacherin. „Als man mir mit Anfang dreißig die Gruppenleitung einer Montageabteilung anbot und gleichzeitig Unterstützung bei der Meisterweiterbildung signalisierte, habe ich nicht lange überlegt und zugesagt“, erinnert sich Sandra Erhard. Ihr Arbeitgeber stellte sie für die Weiterbildung frei, übernahm die Kosten und stellte ihr die Werkzeuge zur Verfügung, die sie für den fachpraktischen Teil benötigte.

Von Instandhaltung bis Restaurierung

Den Ausbildereignungsschein sowie den betriebswirtschaftlichen Teil absolvierte Sandra Erhard an der Handwerkskammer Dresden. Die Kurse fanden an zwei bis drei Abenden pro Woche statt. Darüber hinaus investierte die angehende Meisterin Zeit in die Vor- und Nachbereitung.

Den fachtheoretischen und fachpraktischen Teil absolvierte sie in einem Schulungszentrum bei Glashütte. Die insgesamt 496 Unterrichtsstunden waren auf eineinhalb Jahre aufgeteilt. Im Blockunterricht fand je eine Woche Theorie und eine Woche Praxis statt. „Meine Schulzeit lag bereits einige Jahre zurück, aber ich hatte noch die Unterlagen aus meiner Ausbildung, die ich zur Vorbereitung wiederholt habe. Man kommt doch sehr schnell wieder in den Lernmodus.“

In der Theorie standen Themen aus den Bereichen Restaurierung, Gemmologie und Instandhaltungstechnik auf dem Lehrplan. Darüber hinaus ging es um Auftragsabwicklung und Betriebsführung. Im praktischen Teil übten die Teilnehmer das Zeichnen mit speziellen Programmen und erstellten selbst Bauteile: „Das fängt an mit einfachen Kupplungshebeln und geht dann über eine Ankerbrücke bis hin zum Unruhkloben“, zählt Sandra Erhard auf. Hinzu kam das Meisterstück, in das sie viele Stunden investierte.

Anwendung im Berufsalltag

„Gelohnt hat sich die Fortbildung auf jeden Fall“, betont die 35-Jährige. „Inhaltlich braucht man zwar nicht alles, als Meisterin hat man aber viel mehr berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.“ Mit dem Abschluss änderten sich ihre Aufgaben. Als Gruppenleiterin ist sie heute in erster Linie für die Planung und Koordination der Abläufe verantwortlich: „Ich teile Mitarbeiter ein und sorge dafür, dass die entsprechenden Bauteile und Materialien vorhanden sind.“ Für neue Werke erstellt sie zusammen mit der Technologieabteilung Arbeitsanweisungen, in denen Arbeitsabläufe und Werkzeuge für die jeweilige Montage beschrieben sind. Gerade wenn es in ihrem Berufsalltag um Themen wie Arbeitsplanung oder auch Einarbeitung von neuen Mitarbeitern geht, kann Sandra Erhard ihr Wissen aus den Lehrgängen einsetzen.

Besonders anspruchsvolle Arbeiten führt die Meisterin selbst aus. Es gibt etwa Chronografen, die aus über Hundert Bauteilen bestehen; hier benötigt man jahrelange Erfahrung, um die millimetergroßen Schalthebel, Federn, Wellen und Räder zusammenzusetzen. Gefragt ist Präzision bis ins kleinste Detail.

Sandra Erhards Abteilung gleicht mehr dem Reinraum eines Chipherstellers als einer Uhrenwerkstatt – angefangen von den weißen Arbeitskitteln bis hin zu den Handschuhen, die die Mitarbeiter tragen, während sie konzentriert mit ihren Lupen an speziellen Werkbänken die winzigen Teile montieren. Dass die Arbeitsabläufe reibungslos vonstattengehen, dafür sorgt die Meisterin.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/2503