Restaurator – Gold- und Silberschmiede­handwerk

Für die Aufarbeitung der Oberfläche und Reparaturen ist je nach Material spezielles Fachwissen gefragt.

Historische und persönliche Werte

Goldschmiedemeister Tobias Meyer (30) wollte sich das nötige Fachwissen aneignen, um den historischen Wert von Schmuckstücken erhalten zu können. Daher absolvierte er eine Weiterbildung zum Restaurator im Handwerk.

Tobias Meyer stieß im Berufsalltag immer wieder auf Probleme, die mit dem herkömmlichen Wissen eines Goldschmiedes nicht so einfach zu lösen waren. „Oft besitzen Kunden alte und auch historische Schmuckstücke, deren Wert aufgrund des in die Jahre gekommenen Erscheinungsbilds meist verkannt wird“, erläutert er. „Für eine fachgerechte Aufarbeitung der Oberfläche und eventuell nötige Reparaturen ist je nach Material spezielles Fachwissen gefragt.“ Um sich die erforderlichen Kenntnisse für die Bearbeitung solcher wertvollen Schmuckstücke anzueignen, absolvierte der Goldschmiedemeister die Weiterbildung zum Restaurator im Gold- und Silberschmiedehandwerk. Voraussetzung für die Teilnahme am Lehrgang ist die erfolgreich abgeschlossene Meisterweiterbildung. Diese nahm Tobias Meyer wenige Jahre nach seiner Gesellenprüfung in Angriff.

Arbeitsweisen vergangener Epochen

Den Lehrgang absolvierte er in Teilzeit an der Handwerkskammer Koblenz. Der Blockunterricht fand im Zentrum für Restaurierung und Denkmalpflege in Herrstein statt und umfasste 440 Unterrichtsstunden.

Die Teilnehmer beschäftigten sich einerseits mit historischen Techniken wie etwa dem Ziselieren. Andererseits ging es darum, wie man epochenspezifische Merkmale erkennt, eine Schadensanalyse durchführt und eine fachgerechte Dokumentation erstellt. Das Lernpensum war hoch. „Kunstgeschichte wurde sehr breit behandelt – von Architektur und Möbeln über Schmuck und Geräte bis hin zu Schriften“, erläutert Tobias Meyer. „Man braucht dieses Wissen, um Objekte exakt bestimmen zu können.“

Die Weiterbildung zum Restaurator finanzierte er zum Teil aus eigenen Mitteln, zum Teil mithilfe von Meister-BAföG, das jetzt Aufstiegs-BAföG heißt. Die Kosten für den Lehrgang lagen bei rund 3.700 Euro plus Prüfungsgebühren. Zudem investierte er seinen Jahresurlaub, um die Kurse zu besuchen.

Der historische Wert von Schmuck

Seit seinem Abschluss als Restaurator ist Tobias Meyer in der Koblenzer Goldschmiedewerkstatt Hofacker tätig. In dem Traditionsbetrieb wird Handwerkskunst großgeschrieben, der Restaurator kann hier sein neu erworbenes Fachwissen einbringen: „Wenn Kunden zum Beispiel ihren Familienschmuck umarbeiten lassen, ist das Vertrauenssache.“

Als Erstes begutachtet Tobias Meyer das Schmuckstück: Er sucht nach eventuellen Beschädigungen und deren Ursache. Nicht selten rühren Schäden etwa von mangelhafter Verarbeitungstechnik oder schlechten Materialkenntnissen bei älteren Reparaturen: „Wenn man zum Beispiel ein goldenes Schmuckstück zur Brosche umarbeitet und einen Verschluss mit Zinn befestigt, kann das die Substanz des Schmuckstückes angreifen.“

Ob und in welchem Umfang ein Kunde letztlich ein Schmuckstück restaurieren lässt, ist natürlich auch eine Kostenfrage. „Das setzt eine intensive Kundenberatung voraus, in der auch der historische Wert eines Stückes Thema ist“, betont der Meister. Es kann mitunter auch vorkommen, dass er einem Kunden von einer Umarbeitung abrät, da diese mit zu hohen Kosten verbunden wäre.

Wenn der Goldschmiedemeister an Schmuckstücken arbeitet, fließt sein Wissen über Arbeitsweisen, Techniken und Materialverwendung früherer Epochen ein. Bei den Stücken, die er bearbeitet, handelt es sich teils um historisch wertvolle, profane und sakrale Goldschmiedearbeiten, teils um Stücke, die einfach für den Kunden einen hohen Erinnerungswert haben. Doch unabhängig davon bleibt eines bei der Herangehensweise immer gleich: seine große Sorgfalt.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/59023