Anpassungs­qualifizierung: Herstellungs- und Bearbeitungs­techniken

Mit jedem Lehrgangstag wird man geschickter im Umgang mit den Steinen.

Sitzt perfekt

Edelsteine einfassen ist eine Kunst für sich: Es bedarf sehr viel Übung, um ein hochwertiges Ergebnis zu erzielen. Im Rahmen einer Fortbildung informierte sich der Goldschmied Wjatscheslaw Bäder (30) über entsprechende Techniken.

In der Werkstatt eines Kölner Juweliers bearbeitet Wjatscheslaw Bäder Diamant- und Perlenschmuck sowie modische Silberkollektionen. „Die Stücke sind in der Regel sehr wertvoll und häufig auch mit Edelsteinen besetzt“, erklärt er. Uhren, Ringe und Armbänder aus Gold, Platin, Silber oder Palladium besetzt der ausgebildete Goldschmied mit Turmalinen, Rauchquarzen oder Amethysten.

Das Fassen von Edelsteinen war Bestandteil seiner Berufsausbildung. Jedoch ist es so komplex, dass viele Werkstätten die Stücke zu speziell qualifizierten Fachkräften geben. Daher entschied sich der 30-Jährige, sein Wissen auf diesem Gebiet zu vertiefen und eine Fortbildung im Bereich Schmuck- und Edelsteinfassung am HBZ Münster zu absolvieren. Die Akademie kannte er bereits von seiner Berufsausbildung.

Übung macht den Meister

Der Lehrgang umfasst insgesamt bis zu 840 Stunden und besteht aus mehreren Modulen, die man auch einzeln buchen kann. Im Rahmen der Schulung werden Spezialkompetenzen im Fassen von Edelsteinen verschiedener Form und Größe vermittelt – die Inhalte orientieren sich dabei auch an den Wünschen der Teilnehmer. „Den Schulungszeitraum kann man individuell abstimmen – wahlweise tagsüber als Block oder an einem oder mehreren Tagen in der Woche“, erläutert Wjatscheslaw Bäder. Er selbst besucht den Lehrgang meist einmal in der Woche.

Zu Beginn stehen ganz einfache Übungen auf dem Programm, mit der Zeit werden die Aufgaben immer komplexer. Inhaltlich werden etwa druckluftgestützte Verschnittarbeiten mit Spezialstichel, die Mikroskopkontrolle sowie neue Graviertechniken eingeübt. Besonderen Wert legen die Dozenten auf das exakte Arbeiten: „Die Flächen müssen zum Beispiel präzise aufgeteilt werden“, erläutert der Goldschmied. „Man lernt, mit winzigen, manchmal wenige Millimeter großen Edelsteinen umzugehen, die unter dem Mikroskop mit luftdruckgestützten Sticheln zum Beispiel zu Mikropavé-Flächen gefasst werden.“ In der Werkstatt arbeiten die Teilnehmer mit künstlichen Steinen, die von der Härte her echten Edelsteinen entsprechen. In der Abschlussprüfung müssen die erlernten Techniken gezeigt werden.

Direkte Anwendung

Bereits nach den ersten Fortbildungsstunden konnte Wjatscheslaw Bäder das Fachwissen in der Kölner Werkstatt einbringen. „Mit jedem Lehrgangstag wird man geschickter im Umgang mit den Steinen“, sagt er. Die Arbeit ist anspruchsvoll. Je nach Beschaffenheit des Steins kann es mehrere Stunden dauern, bis er eingefasst ist. Entscheidend ist das Ausgangsmaterial: Diamanten etwa sind sehr hart, Smaragde sehr weich. In der Regel wird beim Einfassen mit einem Mikroskop gearbeitet. „Das ist sehr gewöhnungsbedürftig. Am Anfang muss man immer wieder Pausen einlegen, um die Augen zu schonen. Aber das gibt sich mit der Zeit."

Den Nutzen der Qualifizierung erkennt sein Arbeitgeber voll und ganz an – und unterstützt ihn sowohl zeitlich, indem er ihn für die Kurse freistellt, als auch bei den Kursgebühren. Die belaufen sich auf insgesamt 9.240 Euro. „Für mich ist das sehr gut angelegtes Geld“, betont Wjatscheslaw Bäder. „Ich gewinne eine Qualifikation, die an meinem Arbeitsplatz benötigt wird und durch die ich mich generell von anderen Goldschmieden abheben kann.“ Es handelt sich also um eine glänzende Investition in die eigene berufliche Zukunft.

Informationen

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