Textilreiniger­meisterin

Ich verdiene mehr, zudem habe ich neues Wissen erworben.

Die Beste ihres Faches

Wäscht Alina Müller (28) Wäsche, sind schwere Industriemaschinen und komplexe Chemikalien im Spiel. Die Textilreinigermeisterin lenkt die Abläufe in einer Großwäscherei.

Rund 50 Tonnen Wäsche sind es, die jeden Tag am Hauptsitz der Firma Stangelmayer im bayerischen Kolbermoor angeliefert werden. Die Textilien werden hier sortiert, gesäubert, gebügelt und an die Kundenunternehmen zurückgeliefert. Damit dies reibungslos funktioniert, ist das Fachwissen von Profis wie Alina Müller gefragt. Die Textilreinigermeisterin arbeitet als Schichtleiterin in der Großwäscherei. Etwa 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Alina Müller unterstellt. „Das ist eine große Aufgabe, der ich mir durchaus bewusst bin“, sagt die 28-Jährige. Sie erstellt Dienstpläne, erklärt neuen Mitarbeitern die Maschinen und teilt sie an den verschiedenen Stationen der Reinigungskette ein. Zudem überprüft sie beispielsweise, ob genug Reinigungsmittel vorrätig sind und stellt sicher, dass die Waschstraße einsatzbereit ist. Kleinere technische Ausfälle behebt sie selbst, bei größeren Reparaturen beauftragt sie die Reparatur und disponiert die Arbeitsabläufe um.

Auf Umwegen zum Meister

Dabei sei sie auf Umwegen zu ihrem heutigen Beruf gekommen, erzählt die Meisterin. Nach dem Abitur studierte sie einige Semester Maschinenbau. Nachdem sie sprichwörtlich das Handtuch geworfen hatte, gab ihr ein Familienmitglied den Tipp, für einige Zeit in der Wäscherei mitzuarbeiten. „Bereits an meinem ersten Arbeitstag bot mir der Betriebsleiter einen Ausbildungsplatz als Textilreinigerin an.“ Die eigentlich drei Jahre dauernde Ausbildung konnte sie aufgrund ihres Vorwissens aus dem Abitur verkürzen. „Ich habe dann nach der Ausbildung noch ein Jahr Berufserfahrung gesammelt.“ Dann startete sie in den Meisterkurs, um beruflich weiterzukommen.

Die sechsmonatige Vollzeit-Weiterbildung zur Textilreinigermeisterin besteht aus vier Abschnitten. Die ersten beiden Teile absolvierte Alina Müller am Bildungszentrum in Traunstein. Hier ging es um Betriebswirtschaft, Buchführung und Recht sowie die Ausbildereignungsprüfung.

In den beiden anderen Teilen ging es um Fachtheorie und Fachpraxis. Diese absolvierte sie über den Deutschen Textilreinigerverband in Frankfurt. „Der Fokus lag auf der Chemie, die bei der professionellen Textilreinigung eingesetzt wird. Auch der Umweltschutz war ein wichtiges Thema.“ Einmal pro Woche gab es einen Praxistag. Alina Müller und die anderen Teilnehmer lernten hier etwa das Programmieren von Industriewaschmaschinen oder ganzen Reinigungsstraßen.

Rüschenbluse als Meisterstück

Am Ende standen schriftliche Prüfungen und das Meisterstück: „Ich musste eine sehr empfindliche Rüschenbluse per Hand aufbereiten.“

Ihr Engagement bei der Weiterbildung hat sich für Alina Müller gelohnt: So hatte sie am Ende nicht nur ihren Meisterbrief in der Tasche, sondern wurde auch als beste Absolventin bundesweit ausgezeichnet. Die Gesamtkosten in Höhe von etwa 5.000 Euro übernahm ihr Arbeitgeber. Für die Fehlzeit häufte sie ein Überstundenkontingent an und opferte einige Urlaubstage. Da sie bei ihrem Arbeitgeber angestellt war, bezog sie weiterhin ihr Gehalt. So konnte sie ihren Lebensunterhalt, Fahrtkosten und die Unterbringung im Wohnheim finanzieren. Auch als Investition hat sich die Weiterbildung schon ausgezahlt: „Ich verdiene mehr, zudem habe ich neues Wissen rund um Planung und Personalführung erworben.“ Für ihre Zukunft kann sie sich eine zusätzliche Qualifikation zur Betriebswirtin vorstellen – und so noch mehr Verantwortung übernehmen.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/10213