Winzer­meisterin

Es gibt vieles, worauf man keinen Einfluss hat.

Rund um die Rebe

Die Aufgaben von Winzermeisterin Ina Lahr-Nitsch (33) sind von den Jahreszeiten abhängig: Im Frühjahr stabilisiert sie die Reben, im Herbst erntet sie die Trauben. Dank ihrer Weiterbildung kann sie nun auch Auszubildende beschäftigen.

Es war ein Schicksalsschlag, der Ina Lahr-Nitsch mit 25 Jahren zur selbstständigen Unternehmerin machte. Die Ausbildung zur Winzerin und die Weiterbildung zur Wirtschafterin in Weinbau und Önologie hatte sie bereits gemacht und eine weitere Weiterbildung zur Technikerin angefangen – da starb 2008 ihr Vater. Ina Lahr-Nitsch übernahm den Familienbetrieb, das Weingut Lahr-Nitsch, deren Weinberge sich über zehn Hektar in Siefersheim und Bornheim erstrecken.

Nun musste sie schnell lernen, wie man einen Betrieb führt. Sie absolvierte zunächst eine Weiterbildung zur Agrarbetriebsfachwirtin in Bad Kreuznach und schließlich den Meisterkurs, den die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz anbot.

Nun musste sie schnell lernen, wie man einen Betrieb führt. Sie absolvierte zunächst eine Weiterbildung zur Agrarbetriebsfachwirtin in Bad Kreuznach und schließlich den Meisterkurs, den die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz anbot.

Mit Ehrgeiz zur Meisterin

Über einen Zeitraum von zwei Jahren erstreckte sich die Fortbildung. Die Teilnehmer erarbeiteten sich das Wissen selbstständig anhand von praktischen Fällen. Produktion, Verfahrenstechnik und Vermarktung bildeten einen Prüfungsteil. Dabei musste Ina Lahr-Nitsch auch Wein verkosten und bewerten. Ein weiterer Teil behandelte Betriebs- und Unternehmensführung. Für den dritten Prüfungsteil – Berufsausbildung und Mitarbeiterführung – besuchten die Meisterschüler zu Beginn der Fortbildung einen einwöchigen Kurs in einem Landschulheim.

Insgesamt kostete die Fortbildung etwa 1.500 Euro. Die zusätzliche Arbeitsbelastung durch die Prüfungen sei nicht zu unterschätzen, betont Ina Lahr-Nitsch. „Aber wer den Ehrgeiz hat, seinen Meister zu machen, der schafft das auch.“

Die Winzermeisterin hat in ihrem Betrieb eine breite Palette an Aufgaben. Am Morgen beginnt sie meist mit Büroarbeit. Danach geht sie bis etwa 16 Uhr in die Weinberge. Je nach Saison hat sie auch abends noch zu tun, denn die Abläufe im Weinberg werden von den Jahreszeiten bestimmt. Im Winter schneidet die Winzermeisterin die Reben und kontrolliert die Rebanlage. Dann werden die Reben gebogen und angebunden. Ab Ende April beginnt die Bodenarbeit – mulchen, pflügen, fräsen. Wenn die Reben wachsen, werden die Triebe geheftet, also stabilisiert. Das Ausbrechen überflüssiger Triebe zählt ebenso zu ihren Aufgaben wie das Laubschneiden und das Aufbringen von Pflanzenschutzmitteln. Nach dem zweiten Laubschnitt im Juli ist die Handarbeit erledigt. Und wenn Mitte September die Weinlese beginnt, kommen wieder lange Arbeitstage auf sie zu.

Weinlese mit dem Traubenvollernter

Dann fährt sie mit dem Traubenvollernter – einer Erntemaschine – hinaus in die Weinberge, füllt den Traubenwagen und bringt die Ernte in die Kelter, also zur Presse. Einen großen Teil der Trauben und des Mosts gibt Ina Lahr-Nitsch an eine Genossenschaft und eine Kellerei ab, aus einem anderen Teil der Ernte stellt sie Most her, den sie dann verkauft. Außerdem baut sie einen Teil selbst zu Fasswein aus.

In ihrem Beruf ist Flexibilität gefordert – und Durchhaltevermögen. „Wenn es im Juni hagelt, dann muss man eben aufs nächste Jahr hoffen“, sagt die Winzermeisterin. „Es gibt vieles, worauf man keinen Einfluss hat.“

Vor allem die Weinlese bewerkstelligt Ina Lahr-Nitsch zurzeit noch alleine. Bald will sie aber einen Auszubildenden einstellen – mit dem Meistertitel in der Tasche darf sie das. Die mitunter hohe Arbeitsbelastung ist übrigens nicht der einzige Grund dafür: „Ich bin auch gespannt auf frische Ideen und andere Sichtweisen.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/295