Werbe­fotografin

Bei der Fotografie braucht man sehr viel Ruhe und Konzentration.

Licht und Schatten

Um einen Kühlschrank in Szene zu setzen, reicht es nicht, sich mit Beleuchtungstechniken auszukennen. Wenn die Werbefotografin Lili Klotzsche (26) im Atelier ein Shooting vorbereitet, können Stunden vergehen, bis jedes Detail passt.

Wenn der Fotograf bei einer Hochzeit den Kuss des Brautpaares vor dem Altar verpasst, dann ist der Moment vorbei. Ganz anders funktioniert die Werbefotografie. Hier erarbeitet sich der Fotograf den perfekten Moment selbst – mit technischem Fachwissen, viel Geduld, Liebe zum Detail und einem Gespür für die Komposition. Und das, bevor und lange nachdem der Auslöser gedrückt wurde. „Ein technisches Bauteil an sich ist ja nicht spektakulär. Um es ansprechend und interessant darzustellen, muss man das Produkt in Szene setzen. Dafür braucht es Licht, Schatten, Farben, überraschende Perspektiven und außergewöhnliche Winkel“, sagt Lili Klotzsche, die Spezialistin für solche Werbefotografien ist.

Entscheidend sind die Details

In der Firma, wo die heute 26-Jährige ihre Ausbildung zur Fotografin absolvierte, lernte sie die Feinheiten rund um Bildkomposition und Belichtung kennen. Die Vorbereitung von Shootings war stets Teamarbeit. Je nach Aufwand und Größe des Projektes bereitete Lili Klotzsche mit Stylisten und Setbauern den Aufbau vor: ein Bündel aus Leuchten, Blitzern und Kameras. Mit Vorhängen war das Atelier in mehrere Studios unterteilt, in denen parallel an Aufnahmen gearbeitet werden konnte. Die Rollos hielten das Sonnenlicht draußen, denn das „sorgte nur für Irritationen“. Im Studio herrschte eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre. Bei all den Gerätschaften waren hektische Bewegungen fehl am Platz, Eile kontraproduktiv. Um das perfekte Bild einzufangen, war jedes Detail wichtig. Eine Besonderheit stellte zudem die spezielle Fachkamera dar, die mit ihrer Ziehharmonika wie ein Relikt aus alten Zeiten daherkam: „Sie erlaubt so viele Einstellungen, dass man den Umgang mit der Kamera erst einmal lernen muss. Dafür gelingen mit einer Fachkamera Aufnahmen, die wie optische Täuschungen wirken“, erläutert Lili Klotzsche.

Das Wissen und die Erfahrung, die sie bei ihrer Arbeit im Studio gesammelt hat, bringt sie auch in ihre heutigen Aufgaben ein. Bei den tm studios in Nürnberg ist sie Spezialistin für die Postproduktion, als Fachkraft für die elektronische Bildverarbeitung. Dazu gehören alle Aufgaben rund um digitale Retusche, Bildbearbeitung und Korrekturen. „Ich retuschiere die Fotos mit einem speziellen Fotoprogramm, bis jedes Staubkörnchen, das sich ins Bild geschlichen hat, entfernt ist, passe die Farben an oder komponiere aus mehreren Aufnahmen ein Bild.“ Dafür ist ihr genauer Blick für Details gefragt: „Ich achte auch auf kleine Unstimmigkeiten und korrigiere diese.“ Das kann zum Beispiel die Hautretusche von Modelaufnahmen sein.

Ruhe und Konzentration

Bereits mit der Wahl ihres Ausbildungsbetriebes hatte sich Lili Klotzsche für die Werbefotografie entschieden. Die Ausbildung an der Berufsschule deckte zwar sowohl die Porträtfotografie als auch die Produkt- und Industriefotografie ab: „Aber der Berufsalltag ist so unterschiedlich, dass es schwierig ist, sich ohne die Erfahrungen in einem entsprechenden Studio auf Werbefotografie zu spezialisieren.“ Schließlich sei es eine Sache, Menschen anzuleiten, die sich vor der Kamera bewegen – und eine ganz andere, Produkte in Szene zu setzen: „Bei Menschen kann man Emotionen wecken, das ist sicherlich spannend. Beim Fotografieren braucht man sehr viel Ruhe und Konzentration, um sich die richtigen Einstellungen zu überlegen.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/8581