Tiefbohr­facharbeiter (Erdöl-, Erdgas­gewinnung)

Wenn man mit schweren, teils wertvollen Geräten hantiert, will jeder Handgriff überlegt sein.

Schätze aus der Tiefe

Bei der Förderung von Rohstoffen denken viele ans Ausland, vielleicht noch an Bohrinseln in der Nordsee. Dabei gibt es von Bayern bis zur Ostsee Erdgas- und Erdölvorräte, die von Fachkräften wie Christoph Siegert (29) ans Tageslicht befördert werden.

Im Nordwesten von Sachsen-Anhalt liegt die westliche Altmark. In dieser idyllischen Landschaft, geprägt von bewaldeten Hügelketten, wurde bereits vor über 50 Jahren nach Erdgas gebohrt. Heute übernimmt die Erdöl-Erdgas Workover GmbH in Salzwedel die Wartung bei bestehenden Bohrungen, zum Teil werden auch jahrelang inaktive Bohrungen wieder aufgenommen. Daneben werden Projekte auf Öl- und Gasfeldern in ganz Deutschland und im Ausland von dem spezialisierten Dienstleister umgesetzt. Wenn die Teams ausrücken, sind sie in der Regel für den kompletten Bohrplatz verantwortlich: aufbauen, Bohrungen einrichten, abbauen. Für den Aufbau sind je nach Anlage teils mehr als 50 Lkw nötig, die Container, Gestänge und sonstiges Equipment transportieren.

Schrauben, hieven, klettern, steuern

Christoph Siegert arbeitet, teils bei Wind und Wetter, auf den unterschiedlichsten Positionen. Mal ist er als sogenannter Turmsteiger auf der Aushängebühne in gut 30 Metern Höhe tätig, mal bedient er die Hebevorrichtung für die Bohrrohre, mal bringt er auf der Arbeitsbühne das Gestänge in die richtige Stellung oder verschraubt mit einer riesigen hydraulischen Verschraubzange das neue Rohr mit dem alten. Kräftezehrend ist der Austausch der riesigen Bohrmeißel, die aus speziellem Material bestehen. Das komplette Bohrgestänge, das mehrere Tausend Meter lang sein kann, muss mit dem Hebewerk hochgezogen und auseinandergeschraubt werden, bevor die einzelnen Rohre gestapelt werden können.

Bohrmeister, Schichtführer, Turmsteiger und sonstige Facharbeiter arbeiten Hand in Hand; jeder weiß, was er zu tun hat. „Es gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen. Wenn man mit so schweren, teils wertvollen Geräten hantiert, will jeder Handgriff überlegt sein.“ Vom jeweiligen Auftraggeber ist lediglich ein Supervisor vor Ort, den Bohrtrupp selbst stellt Christoph Siegerts Arbeitgeber.

Was der 29-Jährige an seinem Berufsleben am meisten schätzt? „Es ist abwechslungsreich und auch spannend – etwa wenn man anfängt, ein neues Bohrloch abzuteufen und anhand des Bohrkleins erkennt, in welchen Erdschichten man sich befindet.“ Außerdem arbeitet er gerne im Freien, betont er. 14 Tage lang 12 Stunden immer von 6 bis 18 Uhr im Schichtbetrieb auf der Bohrstelle zu sein könne zwar lang werden, dafür hat er anschließend 14 Tage am Stück frei: „Für mich ist der Rhythmus in Ordnung. Ich muss nicht nach fünf Tagen auf das Wochenende hinarbeiten.“ Seine Einsatzorte sind ganz unterschiedlich und reichen vom Emsland bis nach Bayern. Aktuell ist er in Brandenburg im Einsatz.

Theorie und Praxis

Bereits während der Ausbildung zum Bergbautechnologen der Fachrichtung Tiefbohrtechnik bekam er die nötigen Grundlagen für seine heutigen Aufgaben vermittelt: „Vor allem im dritten Lehrjahr erfährt man viel über die unterschiedlichen Verfahren.“ Neben einer fundierten Ausbildung sei es vor allem wichtig, praktische Erfahrung im Zusammenhang mit den einzelnen Arbeitsschritten zu sammeln, wie Christoph Siegert betont. „Als Facharbeiter sollte man in der Lage sein, jede anfallende Arbeit ausführen zu können“, ergänzt er.

Wichtig sei es außerdem, die Kenntnisse immer wieder zu erweitern und zu aktualisieren. Das Höhenrettungstraining, das er im Rahmen seiner Ausbildung absolviert hat, kann er nur empfehlen: „Jeder, der auf dem Turm arbeitet, muss mit der persönlichen Schutzausrüstung [PSA] umgehen können. Da ist es gut, wenn man lernt, Vertrauen in seine PSA aufzubauen.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/807