Techniker – Windenergie­technik

Man lernt, eine Windkraftanlage elektrotechnisch und mechanisch komplett zu berechnen.

In jeder Hinsicht ein Aufstieg

Seit seiner Weiterbildung zum Techniker konzipiert Stefan Jorzik (28) Sicherheitstrainings für Windkraftanlagen – er kennt jedes Detail und alle möglichen Gefahrenstellen.

Mit Windenergie hatte Stefan Jorzik schon in seiner Ausbildung zum Mechatroniker zu tun. Die machte er bei einem kleinen Unternehmen in Husum, das elektrotechnische Geräte und Anlagen wartet und repariert. „Das reichte von der Bohrmaschine bis zur Windkraftanlage“, erzählt der 28-Jährige. Nach der Ausbildung blieb er noch eine Weile bei seinem damaligen Arbeitgeber. „Aber ich hatte mir in den Kopf gesetzt, weiter nach oben zu kommen.“

Windpark planen in fünf Tagen

Ein Infotag der Eckener-Schule in Flensburg, der Fachschule für Technik und Gestaltung, brachte ihn schließlich darauf, sich zum Techniker der Fachrichtung Windenergietechnik weiterzubilden. „Man lernt dabei zum Beispiel, eine Windkraftanlage elektrotechnisch und mechanisch komplett zu berechnen, vom Fundament bis zur Rotorblattspitze“, erzählt er. Zwei Jahre dauerte die Vollzeit-Weiterbildung. Stefan Jorzik hatte Unterricht in Fächern wie Elektrotechnik, Energietechnische Systeme, Meteorologie, Belastungs- und Strukturberechnung, Betriebswirtschaftslehre und Qualitätsmanagement. Zudem arbeiteten die Teilnehmer an Projekten. „Montags bekamen wir zum Beispiel die Aufgabe, einen Windpark zu planen, und freitags mussten wir das Ergebnis präsentieren“, erzählt er. „Wir haben uns dann aufgeteilt, einen Projektleiter benannt und sogenannte Meilensteine definiert.“ Im Zuge der Weiterbildung erwarb er auch die Fachhochschulreife.

Gebühren fielen an der staatlichen Fachschule nicht an; Stefan Jorzik beantragte Meister-BAföG, nahm einen KfW-Kredit auf und arbeitete in den Schulferien bei seinem bisherigen Arbeitgeber, um für seinen Lebensunterhalt aufkommen zu können.

Sicher unterwegs in den Anlagen

Schon in den ersten Monaten der Weiterbildung machte er ein Praktikum bei der Firma OffTEC-Base in Enge-Sande, wo er seit seinem Abschluss auch angestellt ist. Das Unternehmen hat sich auf Sicherheitstrainings rund um Windkraftanlagen spezialisiert. Stefan Jorzik führte im Rahmen des Praktikums eine sogenannte Gefährdungsbeurteilung für eine Anlage durch. „Ich habe untersucht, wo man abrutschen, abstürzen oder sich den Finger quetschen könnte“, erzählt er.

Seine Erkenntnisse flossen in das Sicherheitstraining für die Windkraftanlage ein – und genau solche Trainings konzipiert er heute. Die Szenarien reichen von einem Brand im Fuß des Turms über einen Personenunfall am Rotorblatt bis zur Rettung über das Dach mit einem Hubschrauber. „Wir bieten alles, was man braucht, um rund um eine Windkraftanlage sicher unterwegs zu sein“, erläutert er.

Eingestiegen ist er im Unternehmen als Projektleiter HSE, wobei HSE für „Health, Safety, Environment“ steht, also für „Gesundheit, Sicherheit, Umweltschutz“. Inzwischen ist er verantwortliche Elektrofachkraft – damit hat er die Oberaufsicht über alle sogenannten elektrischen Betriebsstätten des Unternehmens. Dazu zählen auch die Trainingstürme, wo Mitarbeiter und externe Kunden erst einmal probeklettern, bevor sie draußen in die Arbeit mit echten Windkraftanlagen eingewiesen werden. Seine Berufserfahrung und die Weiterbildung zum Techniker haben Stefan Jorzik dafür qualifiziert.

Das nächste Ziel hat er schon vor Augen: In einem mehrwöchigen Lehrgang will er sich zur Sicherheitsfachkraft weiterbilden.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/89228