Techniker – Leiterplatten­technik

Um mehr Verantwortung zu übernehmen, muss man die Fertigungsprozesse genau kennen.

Lage für Lage

Bevor komplexe Platinen in Hightech-Geräte eingebaut werden, müssen sie auf Basis geltender Normen geprüft werden. Leiterplattentechniker wie Sebastian Märtz (30) können diese Aufgabe im Bereich der Qualitätssicherung übernehmen.

Sebastian Märtz arbeitet seit seiner Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik bei der Vaas Leiterplattentechnologie GmbH in Schwäbisch Gmünd, einem Hersteller von hochwertigen Leiterplatten. Nachdem er alle Abteilungen der Firma kennengelernt hatte, wollte er seine Fachkompetenz durch eine Weiterbildung ausbauen: „Um mehr Verantwortung zu übernehmen, muss man die Fertigungsprozesse genau kennen“, sagt der 30-Jährige.

Für die zweijährige Vollzeitweiterbildung zum Techniker der Fachrichtung Leiterplattentechnik an der Gewerblichen Schule Schwäbisch Gmünd musste er seine damalige Stelle kündigen, arbeitete jedoch weiter auf 450-Euro-Basis an schulfreien Nachmittagen. „Mithilfe von Minijob, Meister-BAföG und dem Verdienst meiner Ehefrau konnten wir die Zeit finanziell gut überbrücken.“ An der staatlichen Schule fielen keine Lehrgangsgebühren an; für Lernmittel investierte Sebastian Märtz insgesamt 200 Euro.

Produktionsprozesse nachvollziehen

Von Montag bis Freitag vertieften die Teilnehmer mathematisch-naturwissenschaftliche sowie elektrotechnische Grundlagen und beschäftigten sich mit Inhalten wie Elektrochemie, technische Physik, Umwelt- und Informationstechnik, betriebliche Kommunikation und technisches Englisch. „Darüber hinaus standen die Arten von Leiterplatten und Herstellungsverfahren sowie der Leiterplattenentwurf mithilfe von Spezialsoftware auf dem Lehrplan“, erklärt Sebastian Märtz.

Im Unterricht hielten sich Theorie und Praxis die Waage: Von der Schulbank ging es in die schuleigene Werkstatt, wo die einzelnen Abschnitte der Leiterplattenproduktion an modernsten Maschinen nachvollzogen werden konnten. Die letzten Monate der Weiterbildung erarbeiteten die angehenden Techniker jeweils eine Projektarbeit.

Platinen auf dem Prüfstand

Einen Tag nach seinem erfolgreichen Abschluss als Leiterplattentechniker übernahm Sebastian Märtz zusammen mit einem erfahrenen Kollegen die Leitung der Qualitätssicherung. „Da mir mein Arbeitgeber noch während der Schule Fortbildungen zur Fachkraft für Qualitätsmanagement sowie zum Auditor finanziert hatte, war klar, dass ich hier arbeiten würde.“

In der Endkontrolle werden die komplexen Multilagen-Platinen, welche in Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik oder auch in der Steuerung von Bohrköpfen eingesetzt werden, mithilfe optischer, elektrischer und galvanotechnischer Verfahren geprüft. Bei Arbeitsbeginn um 7 Uhr morgens teilt Sebastian Märtz seine Mitarbeiter in den Prüflaboren mit Blick auf die vom Vertrieb kommenden Aufträge ein. Seine Erfahrungen im Produktionsprozess sowie sein Händchen im Umgang mit Menschen sind dabei gefragt.

Unter dem Mikroskop, im Schlifflabor oder mit elektrischen Fingertestern – Sebastian Märtz führt teils auch selbst Kontrollen durch. Er erstellt Protokolle und Testberichte, in denen er auf Basis der geltenden Normen beispielsweise die Zusammensetzung der Lagen dokumentiert. Nach Freigabe der Produkte erstellt er die Lieferscheine und gibt sie in den Versand. In Zukunft werden mit der Erstellung von Risikoanalysen und der Durchführung von Mitarbeiter-Audits verstärkt Qualitätsmanagementaufgaben auf ihn zukommen. „Wir stellen bald auf eine neue Norm um. Die Prozesse müssen angepasst und optimiert werden. Ich begleite und steuere diesen Vorgang.“ Auch dabei wird er von seiner Weiterbildung profitieren.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/59027