Steinmetz- und Steinbildhauer­meisterin

Acht Stunden pro Tag sind schnell vorbei – das Stück muss gut geplant und noch besser gearbeitet sein.

Ornamente aus Stein

Handwerkliche Arbeit und verantwortungsvolle Führungsaufgaben: Seit ihrer Weiterbildung zur Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin besteht der Arbeitstag von Julia Pröll (23) aus beidem.

Nur ein Jahr nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Steinmetzin und Steinbildhauerin begann Julia Pröll mit der Meisterweiterbildung. Für sie war es ein ganz logischer Schritt: „Zum einen war ich noch im Lernen drin. Zum anderen hatte ich das Gefühl, erst mit dem Meisterabschluss richtig durchstarten zu können.“

Den theoretischen und praktischen Teil absolvierte sie an der Meisterschule in Aschaffenburg. Ein Dreivierteljahr dauerte der Vollzeitlehrgang. Im theoretischen Teil erwarb sie Kenntnisse in Bereichen wie Werkstoff- und Gesteinskunde, Geologie sowie Schrift- und Baustilkunde. Auch Statik und Betriebsführung standen auf dem Lehrplan. „Insgesamt ist es eine Menge Lernstoff, aber es ist zu schaffen“, betont sie. Hinzu kamen praktische Übungen im Bereich der Steinbearbeitung, in denen vor allem die Schulung der manuellen Fertigkeiten im Zentrum standen.

Darüber hinaus machte die heute 23-Jährige im Rahmen der Weiterbildung den Ausbildereignungsschein und sattelte zudem den Abschluss als Technische Fachwirtin drauf. „Für den Fachwirt musste ich noch einmal jede Menge Stoff in nur sechs Wochen lernen. Da muss man sich wirklich ranhalten.“

Da die Schule in Aschaffenburg staatlich ist, fielen keine Lehrgangsgebühren an. Leidglich die Materialien – etwa Stein, Ton, Gips oder Papier – musste Julia Pröll bezahlen. Ihren Lebensunterhalt finanzierte sie über Meister-BAföG.

Meilenstein Meisterstück

Im Rahmen der Qualifizierung kam dem Meisterstück eine besondere Bedeutung zu. Es war für Julia Pröll im wahrsten Sinne des Wortes ein Meilenstein. Nach drei Theorietagen und einem Tag mit Arbeitsproben verbrachten die Teilnehmer zwei Wochen damit, ihr Meisterstück in Stein zu meißeln und zu klopfen. „Das ist ein Kraftakt“, erinnert sie sich. „Acht Stunden pro Tag sind schnell vorbei – das Stück muss gut geplant und noch besser gearbeitet sein.“ Sie selbst machte es sich nicht leicht: Ihr Meisterstück war eine sofagroße Welle aus speziellem Muschelkalk: „Den Meisterbrief hat man sich anschließend wirklich verdient.“

Abwechslungsreicher Berufsalltag

Heute arbeitet Julia Pröll als Juniorchefin im elterlichen Betrieb in Schwandorf. Die Firma fertigt alles, was man aus Stein nur herstellen kann – beispielsweise Grabsteine, Küchenarbeitsplatten, Waschtischplatten, Badausstattungen, Treppen und Fensterbänke. Julia Prölls Steckenpferd sind Verzierungen wie etwa Inschriften und Ornamente.

Im Beruf benötigt sie neben handwerklichem Geschick auch körperliche Fitness: „Ein Fitnessstudio braucht man nicht mehr. Aber im Berufsalltag lernt man die richtigen Techniken und den Umgang mit den schweren Blöcken. Es gibt zudem jede Menge Hilfsmittel wie Hebekräne.“

Als Juniorchefin hat Julia Pröll einen sehr abwechslungsreichen Berufsalltag: Neben der praktischen Tätigkeit führt sie auch Beratungsgespräche mit Kunden, leitet Auszubildende an und erstellt Eingabepläne für Grabsteine. „Ich bin mal im Büro, mal in der Werkhalle und auch viel an der frischen Luft unterwegs – je nachdem, was gerade gemacht werden muss.“ Kaufmännisches Denken ist für die Meisterin sehr wichtig, da sie für einen Betrieb mit acht Angestellten verantwortlich ist. „Mir gefallen vor allem bildhauerische Arbeiten, aber die sind heutzutage einfach weniger gefragt“, erzählt sie. Wenn sie sich künstlerisch ausleben wolle, dann könne sie das auch ganz gut nebenbei machen.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/864