Schuhmacher­meisterin

Es war hilfreich, rechtliche und steuerliche Regelungen erläutert zu bekommen.

Hochwertige Weggefährten

Kunden beraten, Schuhe reparieren – das macht den Berufsalltag eines Schuhmachers aus. Das und noch viel mehr. Um ihre Kenntnisse im Bereich der betrieblichen Führung auszubauen, entschied sich Simone Bleul (46) für eine Weiterbildung.

Fast jeder Mensch hat ein Paar Lieblingsschuhe, von dem er sich nicht trennen möchte, auch wenn die Sohle oder das Leder schon einige Mängel aufweisen. Schuhmacherinnen wie Simone Bleul sorgen dafür, dass die Weggefährten an den Füßen wieder wie neu aussehen und ihren Besitzern lange Zeit erhalten bleiben.

Nach ihrer Ausbildung war Simone Bleul einige Zeit in einem Kaufhaus angestellt. Dort verkaufte sie Schuhe und beriet Kunden. Als sie einige Jahre später die Möglichkeit hatte, wieder in der Stepperei einer Schuhmacherei zu arbeiten, nutzte sie diese Chance: „Die Arbeit im Schuhmacherhandwerk war für mich wie Fahrradfahren, sodass ich mich schnell wieder eingearbeitet hatte.“ Da sie die einzige Angestellte im Betrieb war, wurde sie schnell auch in die betriebswirtschaftlichen Abläufe eingebunden. Als sich die Möglichkeit dazu bot, wagte sie den Schritt und übernahm die Geschäftsführung. In den ersten Jahren ihrer Selbstständigkeit sparte sie einiges an und konnte sich so die Weiterbildung zur Schuhmachermeisterin finanzieren. Diese kostete insgesamt rund 6.500 Euro.

Praktische Kenntnisse, rechtliche Grundlagen

Über einen Zeitraum von vier Jahren besuchte Simone Bleul jeweils abends und an den Wochenenden die Vorbereitungskurse. Damit das Geschäft neben der Weiterbildung nicht zu kurz kam, stellte sie eine Mitarbeiterin ein, die sie auch heute noch tatkräftig unterstützt.

Die Inhalte der Weiterbildung waren thematisch in vier Blöcke unterteilt. In den ersten beiden Teilen stand das technische Fachwissen rund um das Schuhmacherhandwerk im Mittelpunkt – zum Ende legte sie eine schriftliche und eine praktische Prüfung ab. „Der Praxisteil bestand daraus, einen eigenen Schuh zu entwerfen und herzustellen.“ Im dritten Abschnitt der Weiterbildung standen betriebspädagogische Grundlagen, Anleitung von Auszubildenden und Mitarbeiterführung auf dem Lehrplan. Der letzte Teil behandelte schließlich die Unternehmensführung: „Viel wusste ich dazu schon aus meinem eigenen Laden, dennoch war es sehr hilfreich, rechtliche und steuerliche Regelungen noch einmal ausführlich erläutert zu bekommen.“

Schuhe wie neu

In ihrer Schuhmacherei überblickt Simone Bleul alle Vorgänge. Nach wie vor repariert, putzt und poliert sie Schuhe, damit diese wie neu aussehen. Als Selbstständige übernimmt sie jedoch auch die kaufmännischen Aufgaben. Sie kalkuliert etwa die Kosten und übernimmt die Buchhaltung. Vor allem die Kenntnisse, die sie im kaufmännischen Bereich sammeln konnte, kommen ihr dabei zugute. Sie freut sich außerdem darüber, dass sie nun ausbilden darf – was sie als eine besondere Herausforderung sieht: Einerseits will die Meisterin eine gute Betreuung der Auszubildenden gewährleisten, andererseits darf sie darüber aber das eigene Geschäft nicht vernachlässigen. Derzeit bleibt die Ausbildung ganz in der Familie: Ihr Sohn absolviert seine Schuhmacherlehre bei ihr, um später in das Geschäft einzusteigen.

Für die 46-Jährige ist es besonders wichtig, sich beständig weiterzuentwickeln. Daher hat sie sich für die kommenden Jahre schon ein neues Ziel gesetzt: „Ich möchte mich gerne etwas aus dem Bereich der Reparatur zurückziehen und ein Atelier eröffnen, in dem ich eigene Schuhe herstellen kann.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/3490