Schnitt-, Entwurfs- und Fertigungs­direktrice

Ich hatte schon während der Weiterbildung viel Freude am Schnitt.

Eleganter Schnitt

Von der Planung über das Design bis hin zur Organisation: Anita Esau (27) arbeitet an der Schnittentwicklung für Herrenhosen-Kollektionen. Um sich zusätzliche Kenntnisse für ihre Aufgaben anzueignen, besuchte sie eine Weiterbildung.

Anita Esau absolvierte in einem Hutatelier eine Ausbildung zur Modistin. Dabei merkte sie schnell, dass sich ihr Interesse für Mode nicht auf Hüte und Mützen beschränkte. „In der Berufsschule waren wir unter anderem mit den angehenden Schneidern in einer Klasse, und natürlich haben wir uns untereinander ausgetauscht“, erzählt die 27-Jährige. „So bekam ich Lust, mich später im Bereich Kleidung, Schnitt und Entwurf weiterzubilden.“

Finanziell hatte sie den Weg dafür schon geebnet: Sie überzeugte bei einem Wettbewerb für Auszubildende, bei dem die Teilnehmer Hüte entwerfen mussten, und erhielt ein Stipendium der örtlichen Handwerkskammer in Höhe von 5.000 Euro. „Diese Summe konnte ich innerhalb von drei Jahren für eine Weiterbildung verwenden“, erläutert sie.

Per Hand und am Computer zeichnen

Anita Esau nutzte den zeitlichen Spielraum, um erst noch Berufserfahrung zu sammeln, und meldete sich schließlich bei der M. Müller & Sohn Fachschule für Mode und Schnitttechnik in Düsseldorf an. Dort bereitete sie sich in einem zehnmonatigen Lehrgang auf die Tätigkeit als Schnitt-, Entwurfs- und Fertigungsdirektrice vor. Weil der Unterricht in Vollzeit stattfand und einen vorübergehenden Umzug nach Düsseldorf erforderte, kündigte sie ihre bisherige Stelle. Das Stipendium deckte den Großteil der Kursgebühren ab – sie betrugen rund 6.800 Euro inklusive Lernmaterialien. Den Restbetrag und ihren Lebensunterhalt finanzierte sie aus ihren Ersparnissen. „So konnte ich mich komplett auf das Lernen konzentrieren“, sagt sie.

Themenschwerpunkte waren unter anderem Schnittkonstruktionen für Herren- und Damenbekleidung, das Gradieren bei der Herstellung einzelner Konfektionsgrößen sowie die Erstellung von Entwurfszeichnungen – per Hand ebenso wie am Schnittcomputer. Das Lernen sei ihr leichtgefallen, sagt sie: „Weil ich es unbedingt wollte und mich das alles so sehr interessierte, habe ich es gar nicht als Belastung empfunden."

Ein Prototyp für unterschiedliche Größen

Noch während der Weiterbildung bemühte sich Anita Esau um eine neue Anstellung. Sie fand sie bei der Firma Meyer-Hosen AG in Reichshof-Denklingen, einem großen Herrenhosen-Hersteller. Dort arbeitet sie nun im Bereich Entwurf, Schnitt und Fertigung und ist an der Vorbereitung und Entwicklung der Kollektionen beteiligt. Passend zur Saison erstellt sie Schnitte für Herrenhosen und gibt die Anforderungen an die Produktion weiter. Für die Prototypen trägt das Team alle Ideen und Entwürfe zusammen. Wenn dann die Serienproduktion beginnt, stellt sie gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen die komplette Kollektion auf die Beine. „Wir erstellen anhand des Prototypen die Schnitte für alle Konfektionsgrößen und legen die sogenannten Zutaten für alle Farben fest – etwa Knöpfe und Nähgarn.“

Ein Auge für Farben und Zusammenstellungen und das Interesse an Mode zählen zu den Grundvoraussetzungen in ihrem Beruf. Anita Esau hält sich auf dem Laufenden, indem sie Fachzeitschriften liest und Messen besucht. Die Internationalität der Branche prägt ihren Arbeitsalltag: „Viele Produktionsstandorte sind im Ausland“, erläutert sie. „Wenn ich zu ihnen Kontakt aufnehme, dann schreibe ich E-Mails auf Englisch.“ Ihre vielseitigen Aufgaben gefallen ihr. „Jeder Tag ist anders, und ich hatte schon während der Weiterbildung viel Freude am Schnitt. Das ist auch so geblieben.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/5945