Rissprüfer

Wenn ich bestätige, dass in einem Bauteil kein relevanter Fehler ist, dann muss das zu 100 Prozent stimmen.

Kein Riss bleibt verborgen

Arne Bohl (52) untersucht Bauteile mittels zerstörungsfreier Prüfmethoden. Im Rahmen seines beruflichen Werdegangs und in etlichen Fortbildungen lernte er unterschiedliche Prüfverfahren kennen.

Arne Bohl absolvierte zu Beginn seines beruflichen Werdegangs eine Ausbildung zum Maschinenschlosser – mittlerweile lautet eine entsprechende Abschlussbezeichnung etwa „Industriemechaniker/in“. Heute hat er die Abteilungsleitung für den Bereich Werkstoffprüfungen bei seinem Arbeitgeber inne: „Wenn man flexibel ist und bereit, sich fortzubilden, kann man mehr erreichen, als man am Anfang denkt“, erzählt der 52-Jährige. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung bekam er eine Anstellung in einem Werkstofflabor, wo er sich zunächst mit zerstörenden Verfahren und Metallografie beschäftigte. Nach einer weiteren Fortbildung im Bereich Maschinenbautechnik wechselte er in die Schadensforschung einer großen Versicherung, wo er die Weichen für seine weitere Karriere stellte. Auch mit einer Ausbildung im Bereich Labor, etwa zum Werkstoffprüfer oder zum Technischen Assistenten für Metallografie und Werkstoffkunde, hätte er in diesem Bereich tätig werden können.

Weiterbildung auf Stufe drei

„Für die Aufgaben bei der Versicherung habe ich mich in viele zerstörungsfreie Prüfverfahren eingearbeitet“, erzählt Arne Bohl. „Interessant fand ich vor allem die Methoden zur Rissprüfung.“ Über die Jahre absolvierte er verschiedene Fortbildungen und erwarb mehrere Zertifikate im Prüfwesen, unter anderem eines der höchsten Stufe drei. „Jedes Zertifikat beinhaltet verschiedene Berechtigungen – mit dem höchsten Zertifikat, der Stufe drei, ist man in einer Firma für die Planung der Prüfungen verantwortlich und fungiert als Prüfaufsicht.“

Nach vielen Jahren bei der Versicherung suchte Arne Bohl eine neue Herausforderung und fand diese bei der DEKRA Incos GmbH, einem Dienstleister für zerstörungsfreie Werkstoffprüfungen, Werkstoffanalytik und Inspektionsdienstleistungen. Hier konnte er als Abteilungsleiter in der Zweigstelle Ingolstadt einsteigen. Zu den Kunden seines Arbeitgebers gehören neben Kraftwerken und Raffinerien auch Hersteller von Maschinen und Zwischenprodukten. „Die Kunden rufen an, schildern das Prüfproblem, und ich entscheide anhand von Verfahrens- und Materialkenntnissen, ob und mit welchen Verfahren wir die Aufgabe ausführen können“, erläutert der Rissprüfer.

Magnetpulver und Farben

Arne Bohl schickt entweder seine Mitarbeiter zum jeweiligen Kunden oder erledigt den Auftrag selbst. Gerade bei heiklen Rissprüfungen ist er oft selbst vor Ort – zum Beispiel in Kraftwerken, in denen die Turbinen regelmäßig zerlegt und gewartet werden. „Dann fahre ich mit meinem Equipment hin, um zu prüfen, ob etwa Risse in den Turbinenschaufeln sind.“

Hierfür hat der Rissprüfer mehrere Methoden. Bei der Magnetpulverprüfung wird das Bauteil magnetisiert und eine Lösung mit feinen Eisenpartikeln auf die Oberfläche gesprüht. Dort, wo sich ein Riss befindet, sammeln sich die Partikel, sodass der Riss sichtbar wird. Wenn das jeweilige Bauteil nicht magnetisierbar ist, führt Arne Bohl etwa sogenannte Eindringprüfungen durch. Dafür trägt er eine intensiv gefärbte Flüssigkeit auf die Oberfläche auf, die auch in feine Risse eindringt. Anschließend reinigt er die Oberfläche und trägt ein Kreidepulver auf. Dieses zieht das flüssige Eindringmittel aus dem Riss heraus und macht ihn dadurch als farbige Linie auf der Oberfläche sichtbar. Um innere Risse aufzuspüren, benutzt Arne Bohl ein Ultraschallprüfgerät.

Seine Aufgaben erfordern viel Sorgfalt und Konzentration: „Wenn ich bestätige, dass in einem Bauteil kein relevanter Fehler ist, dann muss das zu 100 Prozent stimmen“, betont der Rissprüfer.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/6357