Restauratorin – Raumausstatter­handwerk

Man muss immer im Einzelfall beurteilen, mit welchen Methoden und Techniken man ans Ziel kommt.

Feder, Schnürung und Fasson

Als Restauratorin im Handwerk verfügt die Raumausstattermeisterin Karin Semkowicz (54) über Spezialwissen: Sie kennt alte Polstertechniken und weiß, wie man über hundert Jahre alte Stoffe behandelt.

Karin Semkowicz hat ein Faible für alte Möbel. In ihrer Raumausstatterwerkstatt mit Polsterei in Koblenz bietet sie nicht nur moderne Gardinen und Polster an, sondern bereitet für ihre Kunden auch alte Sessel und Stühle auf. Den Wunsch, ihre Leidenschaft zu einem beruflichen Standbein zu machen, hatte sie schon lange. Auch kannte sie bereits die entsprechende Qualifizierungsmöglichkeit: „Auf einer Messe habe ich bereits vor zwanzig Jahren von der Weiterbildung zur Restauratorin im Handwerk erfahren“, erinnert sie sich. „Aber der Aufbau meines Betriebes und dann später die Kinder ließen kaum Zeit dafür.“ Als sie vor ein paar Jahren erfuhr, dass ein Kurs für Raumausstatter zustande kommen sollte, sagte sie zu.

Von Fassonpolster bis Schellackpolitur

Die Weiterbildung gliederte sich in drei Teile: fachübergreifend, fachspezifisch und projektbezogen. Zwei Jahre lang besuchte Karin Semkowicz einmal im Monat jeweils von Donnerstag bis Samstag die Kurse und beschäftigte sich über 160 Unterrichtsstunden gemeinsam mit Handwerkern aus anderen Gewerken mit Kunst- und Kulturgeschichte, Denkmalschutz und Denkmalpflege, Bestandsaufnahme und Dokumentation. „Natürlich ist es anfangs ungewohnt, wieder im Unterricht zu sitzen“, erzählt sie. „Aber das Wissen und der Austausch mit den anderen Kursteilnehmern gibt einem auch neuen Schwung.“

Weitere 240 Stunden entfielen auf den fachspezifischen Teil. Es ging dabei um Materialkunde sowie Restaurierungs- und Konstruktionstechniken, beispielsweise um Fassonpolster, Capitonné-Technik, Rosshaarheftung und Schellackpolitur. An einem Leipziger Museum fand für die Teilnehmer der Weiterbildung ein Stilkundeseminar statt. Dabei wurden auch die Bestände in den Lagerräumen besichtigt, die sonst nicht frei zugänglich sind. „Das war besonders wertvoll, weil Möbelstile zwar einen engen Bezug zur Bau- und Kunstgeschichte haben, aber nicht mit den Epochen identisch sind“, erläutert Karin Semkowitz.

Am Ende der Weiterbildung stand eine Projektarbeit, für die eine Bestandsaufnahme durchgeführt und ein Restaurierungsplan inklusive Kosten erstellt werden musste. Die angehende Restauratorin bearbeitete zwei Sessel aus dem Historismus. „Den Aufwand sollte man nicht unterschätzen“, betont sie. „Es ist nicht leicht, die Zeit neben dem Berufsalltag aufzubringen.“ Der Kurs kostete 3.510 Euro, zusätzlich fielen Prüfungsgebühren der Handwerkskammer in Höhe von 490 Euro an. Für die Weiterbildung nahm sie Meister-BAföG in Anspruch, das jetzt Aufstiegs-BAföG heißt.

Den Einzelfall beurteilen

Einerseits kann Karin Semkowitz über den Abschluss den eigenen Wissensstand und die besondere Qualität ihrer Arbeit dokumentieren, andererseits kann sie ihre Kunden seither noch kompetenter beraten. Viel Fachwissen ist unter anderem deshalb gefordert, weil es bei der Restaurierung von Möbeln kein Universalrezept gibt: „Man muss immer im Einzelfall beurteilen, mit welchen Methoden und Techniken man ans Ziel kommt.“ Welche Maßnahmen umgesetzt werden – ob Schadensbehebung, moderne Restaurierung oder Konservierung –, bestimmt am Ende der Kunde. „Im Privaten ist es letztlich Geschmacksache, ob man ein Biedermeiersofa mit einem artfremden Stoff beziehen möchte.“ Die Restauratorin berät ihre Kunden im Hinblick auf die Möglichkeiten und Kosten: „Ein Sitzpolster aus Schaumstoff ist günstiger und schneller umzusetzen als eine Schnürung. Aber wer einmal den direkten Vergleich ausprobiert hat, kennt und schätzt den Unterschied.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/4428